Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Heerschaareil sein Name" (vergl. 51, 15. 1D). Jesaias 40, 2S: „Gott der Ewigkeit ist der Ewige, Schöpfer der Enden der Erde, unergründlich feine Einsicht"; 4-', f>: „Der Ewige, der die Himmel geschaffen, sie ausgespannt, der die Erde gebreitet mit ihren Sprossen, der Odem giebt dem Volk auf ihr und Geist den auf ihr Wandelnden". Vergl. 45), 8. 18 u. s. w. Aus den Psalmen brauchen wir Wohl nur an den 10.: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes" und an den 104. zu erinnern, der eine poetische Umschreibung der Schöpfungsgeschichte enthält und mitten zwischen die Schilderung der Erde und die des Meeres den begeisterten Ausruf einschaltet (V. 24): „Ewiger, wie viel sind deiner Werke! Alle hast du mit Weisheit gemacht, voll ist die Erde deiner Schöpfungen." Die großen Naturbilder im Hiob Kap. 86—41, in denen jede Zeile die Allmacht und Allweishcit Gottes in seiner Schöpfung in höchster Begeisterung preist, sind bekannt. Ueberall hier werden die Wesen, die größten wie die kleinsten, als das Werk Gottes, die Naturerscheinungen als immerfort nach den Anordnungen Gottes geschehend bezeichnet, besonders auch in den ang. Stellen des Buches Hiob hervorgehoben, daß jedes Wesen von Gott um dessen selbst willen, also mit einen: Selbstzweck, geschaffen worden, am tvenigsten aber der Mensch sich einbilden dürfe, daß dies um des Menschen willen geschehen sei, obgleich ihm gegeben worden, sich der Dinge in der Natur möglichst zu bemächtigen. Selbst mitten in den^Zweifeln über den Werth des Lebens und der Dinge steht Kohelet fest auf dem Gottglauben und auf der Ueberzeugung, daß. Gott „Alles schön gemacht zu seiner rechten Zeit" und „daß Alles', was Gott macht, ewig sein wird, hinzuzufügen ist "Nichts und davon zu nehmen ist Nichts" (Koh. 8, 1!. 1-1). Diese Lehre von Gott dem .Schöpfer in ihrer Einfachheit, Klarheit und Entschiedenheit steht allen Kosmogonien der alten Volker, der cgyptischen, indischen, persischen und griechischen Mythologie in vollen: Gegensatz gegenüber. Man hat sich früher und auch neuerdings wieder viele Mühe gegeben, die monotheistische Idee als die erste Wurzel alter dieser Mythologien nachzuweisen.! Indes; gestaltete sich die religiöse Idee in den Anschauungen aller dieser Völker so schnell zu mythologischen Figuren, Allegorien, Symbolen und Legenden, und es ertvuchs daraus ein so buntfarbiger und vielgestaltiger, theils in's Burleske, theils in's Grauenhafte entartender Polytheismus, daß man denselben mit der israelitischen Schöpfungslehre nur in voller Opposition sieht. Denn was wir der heiligen Schrift ganz besonders und bis heute noch als Vorzug anerkennen müssen, ein Vorzug, den weder das neue Testament und der Koran, noch auch der Talmud vollständig beanspruchen kann, .das ist, daß jene Gott den Schöpfer von allen: mythologischen Beiwerk frei gehalten hat. Tenn Niemand, der für dichterische Form ein Verständnis; hat, wird in der hochpoetischen Personisieirung der „Weisheit" Sprüche Kap. 8eine mythologische Figur sehen, wie die Alexandriner und nach ihnen Spätere aus ihr zu machen versuchten. Denn die „Weisheit, die an den Thoren und an dem Hause, wo viele Pfade sind", steht und die Menschen zu Klugheit und Verstand aufruft, ist keine mythologische Figur, und wenn sie sagt: „Als Gott bereitete den Hinnnel, war ich dort, als er den Bogen setzte über die Fläche der Fluth, als er die Wolken droben festigte, dem Meere seine Grenze setzte u. s. w., da war ich bei ihn:" — so will dies nichts Anderes sagen, als daß Gott den Plan zur Schöpfung in Allweisheit entwarf, und daß diese Weisheit im Menschen das Gute und Nichtige erwirkt, denn was bei Gott weise und gerecht ist, ist dies auch für den Menschen — die sittliche Wettordnung, die von Gott ausgeht und den Menschen beherrscht. Derselbe Gedanke wird Hiob 28, 23 ff. ausgedrückt, und die Weisheit Gottes in seiner Schöpfung, die Weisheit des Menschen in der „Furcht des Herrn und das Böse zu meiden" gefunden. Der einzige Versuch, zu mythologisiren, findet sich in der großen Vision Ezechiel's. Aber mit feinem Tacte hielten die alten jüdischen Weisen gerade diese Vision von der Schöpfungslehre fern. Sie unterschieden diese als JWS-n von jener als N22-.2 "*,2, die letztere der Auslegung überlassend und zwar unter der Bedingung ganz besonderer Vorsicht, um schwärmerische Verirrungen zu verineiden. Dies gelang auch für das eigentliche Judenthum, während die spätere Kabbala doch dainit ihr phantastisches Spiel trieb. Dieses Verdienst der heiligen Schrift, die Schöpfungslehre von allen mythologischen Entstellungen freigehalten zu haben, ist um so mehr anzucrkennen, als in der uralten Volkslegende doch einiger Stoff dazu vorhanden war,!vie 1 Mos. 6, 2 eriveist, ohne daß eine weitere Spur vorhanden blieb, bis diese „Gottessöhne" als poetische Staffage in dem Einleitungsgedicht zum Buche Hiob (1, 6) sehr harmlos wieder erscheinen. — Aber mit gleicher Energie. steht noch heute diese Lehre von Gott dem Schöpfer allen materialistischen Anschauungen entschieden gegenüber, und läßt sie nicht über die Frage hinauskommen: wie konnten sich eure Atome oder eure Urzellen mit ihren atomistischen Kräften zu organisirten Wesen in ihrer unbegrenzten Mannigfaltigkeit zusannnensinden und eine Welt voll Ordnung und Zweckmäßigkeit bildend Dieser Frage Lösung ist allein in der Gotteslehre gegeben *). i) lieber die eitlen Bemühungen. die alten Mythologien aus einem ursprünglichen Mono: her Sinus hervorgegangen nachzuweisen, während das Gegentbeil stausanv, nämltch ein allmähliches Fortschreiten, aus den Mythologien zu einer monotheislisehen 'Anschauung zu kommen, enthält das diesjährige Septemderheft der „Deutschen Rundschau" eine lesenswenhe Borlesung von Max Müller (3.:>74_ ff.) Mein klareres Bild des Gegensatzes zwischen der religiösen Entwicklung der Inder uüb dem Monotheismus der heiligen Dchrijt lästt sich ausslellen, als es absichtlos dieser Forscher der indüchen Weisheit, die er so überaus yochhält, thut. Man vergleiche nur, was in dieser Abhandlung aus den Beda's über die Sonite gesagt nurfc, mit dem t». Psalm, um unsren obigen Ausspruch