Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1874)
- Date
- 1874-12-22
- Page
- Seite 880 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 3× ep/1048048
- Tunis 2× ep/1048155
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MiM:- r-: KWMW beräntwortlich sei. ' Äie^' Unglücklichen Ellernbegäben'-'sich soföü in Begleitung von' Notabeln 'der Stadt zu dem Vicegouverneur j von Monastir, Sidi Mohammed Allag> der den^Haffen mit den - beiden jungen Mädchen zu sich beschied.. woraus jedoch Haffender außerdem-' die Ausstattungssachen der Lellahom sich Ungeeignet hatte,' nicht achtetesondern inzwischen die beiden Schwestern nach einem andern heiligen Orte, Sidi Elmgeribringen ließ.' - Endlich zum dritten Male citirt/'erschien Hassen vor dem genannten Vicegouverneur und legte ihm eine von arabischen Notaren äufgenommene Verhandlung vor, laut welcher' die beiden jungen Mädchen : erklärten, daß sie'-muselmännisch geworden seien. -Der Vicegouverneur berichtete hierüber an den Gouverneur, Sidi Mahommed Khasnadar, und dieser gestattete den Eltern, ihre Kinder zu sehen, wenn sie von arabischen Notaren begleitet wären, eine Bedingung, die Meburach Saadia und seine Ehefrau nicht annahmen, weil die beiden jungen Mädchen in ihrer Angst vielleicht-nicht wagen würden,, in Gegenwart von arabischen Notaren sich frei auszusprechen, und so faßten dieselben den Entschluß, sich nach Tunis zu begeben, um bei Sr. Hoheit dem Bey selbst ihr Recht zu suchen. Hier, wandten sie sich an den Vorsteher des Justizministeriums, der ihnen im Namen des Bey erklärte, daß diese Angelegenheit nur vom Kadi entschieden werden könne, dem es obliege, sich über dem religiösen Glaubender beiden jungen Mädchen zu äußern; und da alle weiteren Schritte, welche die unglücklichen Eltern in dieser Sache noch thaten, gleichfalls vergeblich waren, so baten sie das ComitS der Alliance zu Tunis , sich für sie um Wiedererlangung ihrer Kinder zu verwenden. Der Premier-Minister gewährte dem Comi16 von Tunis eine Audienz und fetzte demselben auseinander, daß es unmöglich sei, die jungen Mädchen zur Wiederannahme der israelitischen Religion zu zwingen,, wenn sie, wie der Vicegouverneur von Monastir bezeugt hat, freiwillig muselmännisch geworden sind; indessen setzte das Comit6 nach langer Unterredung dennoch durch , ' daß ihm erlaubt wurde , zwei in seinem Vertrauen stehende Israeliten aus Monastir in Begleitung von zwei arabischen Notaren zu den jungen Mädchen zu entsenden , um dieselben über die stattgehabten Vorfälle zu befragen und um zu erfahren, ob sie nicht in Folge von Zwangsmaßregeln, die man gegen sie angewandt, nachgegeben hätten, und ob sie bei der muhamedanischen Religion beharrten. Der Minister versicherte die Mitglieder des Comit6s, daß er je nach' der Antwort, die sie erhalten würden, eventuell die Mädchen zur Rückkehr zum Glauben ihrer Eltern zwingen würde, und versah sie sogar mit einem an den Gouverneur der Küste gerichteten Schreiben, worin er diesem- Beamten aufgab; sich nach den dem ComitL der Alliance ^gegebenen Instructionen zu richten: - ' Vibrmischien < - vs'7Ed'-Juden in' Oran (Algerien). ' Ein' Reisender entwirft' in der „Köln/ Ztg." folgendes Bild von den '.eingeborenen Juden in Orän, dem wir die des arabischen, Viertels folgen lassenum ein richtiges Ürtheil zu erleichtern. ■' Dicht beim Eintritt in das jüdische Stadtviertel liegt die große Moschee Orans , ein Bauwerk Mohammed-el-Kebir's, des von den Arabern „der -Große" genannten Wiedere'robeders von Oran aus den Händen der Spanier. Geht man lveiter, so verrathen die unangenehmen Eindrücke, welche die Geruchsnerven erhalten, das phantastische . Aussehen der Häuser, welche Trödler- Magazinen in großem Maßstabe gleichen , das Betreiben aller Handwerke auf offener Straße und die bunten, morgenländischen ■ Trachten, daß man sich inmitten des Lebenskreises eines orientatalischen Volkes befindet. Die Juden Haben in Africa unter maurisch-türkischer Herrschaft beinahe die gleichen Schicksale wie in Europa in christlichen Reichen erlebt. Sie haben dieselben oder noch größere Unterdrückungen und Verfolgungen erduldet, sie sind noch langsamer wie bei. uns zu voller staatsrechtlicher Anerkennung heraufgestiegen. Durch diese Schicksale sind vielfach ihrem Charakter häßliche Züge von Gewinnsucht und Verschmitztheit ausgeprägt worden, welche die neue Freiheit noch nicht zu verwischen vermocht hat, wiewohl im Uebrigen die Juden unter orientalischen Völkern, in Verhältnissen lebend, welche von denen ihrer Heimath nicht so sehr abweichen, ihrem ursprünglichen Typus bevcutend treuer -geblieben sein mögen; als bei uns. Noch ist das Hebräische ausschließlich ihre Muttersprache, noch' tragen sie ansschließlich orientalische Tracht, und nie bisher sah ich so patriarchalisch ehrwürdige weißbärtige Gestalten wie in den Straßen der Judenstadt zu Oran. Die Frauen und Mädchen mit rabenschwarzem .Haar und tiefdunkeln, mandelförmigen Augen sind von dämonischer Schönheit, und mehr als' eine Judith wäre unter ihnen zu finden. Am interessantesten ist die Judenstadt Orans, wenn man sie am Freitag Abend besucht. Unter allen Bedrückungen, unter allen Mißhandlungen der früheren Barbaresten-Herrscher Algeriens, die doch; zu stolz, um selbst Handel zu treiben, der Juden zur Veräußerung ihres Seeräübes bedurften, haben die letzteren sich einen verhältnißmäßigen Wohlstand zu sichern gewußt, der beträchtlich seit der Besitzergreifung des Landes durch die Franzosen zugenommen hat. Dieser verborgene Reichthum offenbart sich bei Eintritt des Sabbaths ," und die schönen Jüdinnen in buntseidenen Plumphosen und Jacken mit Goldflitter behängt, die Männer in eben so reicher wie bunter und phantastischer Tracht gewähren dann interessante' Erscheinungen; Diese bunte Tracht der Juden ' rührt' her von einem Gesetz bei den Arabern; daß die Juden nur farbige, meist grüne oder gelbe Turbane und Gewänder 'tragen durften, 'während der eigentliche Araber stets -nur 'die gleiche; rveißwollene Kleidung; und wenn ernicht den bequemen rochen türkischen Fez vorzieht,