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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-12-22 · Heft 52 (22.12.1874) · p. Seite 879

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 52 (22.12.1874)
Date
1874-12-22
Page
Seite 879 (sequence 11)
Language
German
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genommen, da er keine Söhne hatte, Dina überhaupt sein einziges Kind war. Aber dazu 1 fühlte nch'/mich nicht berufen , und d^er VMr, Hrandeis wollte nichts davon, Hören. Wer .angefangen zu studiren, meinte er,, muß weiter studiren, und meine Zeugniffe schienen ihm derart, daß es eine Sünde wäre, ein Anderes zu versuchen. Er rückte denn auch mit seinem Plane, den er schon fertig mitgebracht, heraus. Ich sollte in Straßburg das französische. Recht studiren. .Die Kosten würde er tragen, denn statt , seiner bisherigen zwei Kinder, Dina und Jakob, habe er jetzt drei, und Vermögen genug. So geschah es denn auch, und vom October an lag ich in Straßburg den Studien von Neuem und rastlos ob. Für meine Bedürfnisse war gesorgt; aber ich erwarb mir, der französischen f Sprache mächtig, durch meine Kenntniß des Deutschen und seiner Literatur nicht unbedeutende'Einnahmen vermöge wohlbelohnten Privatunterrichts. Was ich hierdurch gewann, sandte ich meiner Mutter. Die nächsten Ferien war ich wieder in Lauterburg, und als ich es abermals verließ, war ich der glückliche Verlobte meiner . theuren Dina. Ich vollendete meine Studien mit Erfolg,.aber was nun? Wenn ich mich' nicht in Frankreich naturalisiren lasten wollte, konnte ich in eine Laufbahn nicht eintreten. Aber dies verbot mir mein deutsches Herz und die unverlöschliche Liebe zur Heimath, die sich nur an der Seite Dinars beschwichtigen ließ. -Zu hoch waren die Wellen meiner Seele für Deutschland und das , was ich für sein Heil gehalten, gegangen, um sie jetzt in den Sand eines fremden Dienstes verlaufen zu lasten.. Nun, '^ich wandte mich der Literatur zu, uyd auf beiden Rechtsgebieten zu Hause, war ich befähigt, einige Werke abzufasten, .welche auf beiden Seiten des Rheins Anerkennung zu finden das Glück hatten. _ Mit. dem ersten Erfolge in der Hand und dem ersten Honorar in der Tasche führte ich meine Djna zur Trauung. Ich hatte das Glück, meine Mutter.und meinen Vetter als Zeugen an meiner Seite zu haben^ Unser Glück wurde nach einigen Jahren durch den Tod . meiner wackern Schwiegereltern und den Heimgang meines,verehrten Vetters. schwer getrübt. Meine äußere Lage war durch ihre Hinterlassenschaft eine sehr gemächliche geworden. Doch die Sehnsucht nach meinem Vaterlande wachte um so heftiger auf und lie.ß mich nicht zur Ruhe kommen. Acht Jahre waren versiosten,. die Reaction, die in Deutschland blühte, herrschte in meinem kleinen engem Baterlande nicht, so stark wie anderswo. Ein junger Fürst bestieg den Thron und erließ eine Amnestie. Ich beschloß, diese zu benutzen; aber da sie nicht ganz unbedingt war, wandte ich. mich geradezu an den. Fürsten, legte meine Schriften und. einige deutsche und französische Kritiken bei- und bat ihn.,., zu entscheiden, ob ich in die. Amnestie einbegriffen -sei. Die Antwort lautete durchaus wohlwollend, und so zögerte ich nicht, nach. der. Heimath überzusiedeln. Meine Dina. folgte rnir gern, und sprach lächelnd die Worte Ruthls: „Wo .du hingehest, will auch ich gehen, denn dein Gott jst ja auch mein Gottl" - '; v Jetzt siehst Du wohl, lieber Leser, daß ich Grund hatte, das/ Testament meines Urgroßvaters in eine kostbare, dauernde Hülle einzufchlagen und es als einen Schatz zu bewahren.. Wenn mein Blick darauf fällt, gehen Erinnerungen an eine große Zeit durch meine Seele, deren eigentlicher Inhalt fort und fort der Kern einer bedeutenden Zukunft geworden ist. Dennoch glaube ich , daß die Männer der Vierziger Jahre und besonders der Jahre 48 und 49 nicht mehr ganz in die Jetztzeit himingehören, wenn sie sich nicht untreu geworden. Nach dieser Ueberzeugung habe ich gelebt. Corresporidenz. . Tunis, 1. December. Wir haben jüngst über den Raub zweier jüdischer Mädchen berichtet; das Nähere ergiebt sich aus folgendem Referate, welches an die Alliance in Paris gelangt ist und in die hiesigen Berhällniffe einen solchen Einblick gestattet, daß dessen Wiedergabe gerechtfertigt ist. Der Vater der jungen Mädchen, Namens Meburach Saadia, Israelit aus Elmeckenine, steht mit seiner Frau Mariem bei einem Kaufmann in Tebelba, Namens Abed Allah ben Das; in Diensten. Da diese Eheleute zu ihrem Brodherrn ein unbedingtes Vertrauen hatten, so ließen sie gewöhnlich, wenn sie nach Hause (Elmeckenine) gingen, ihre Kinder im Haufe desselben zurück; das eine der beiden Mädchen, Namens Lellahom, 12—13 Jahre alt, war vor Kurzem verlobt worden und sollte sich nächstens verheirathen, das andere, Namens Ghezala, war erst 6 Jahre alt. Am 8. August e. fand in Elmeckenine ein Jahrmarkt statt, den. Abed Allah ben Aras besuchen wollte; er bat daher die genannten Eheleute, .ihn dorthin zu begleiten, um ihm in ihrem Hause daselbst das Mittagbrod zuzubereiten, und jene reisten unbedenklich mit ihm, indem sie, wie gewöhnlich, ihre Kinder-in seiner Familie zurücktießen. Kurz vor dem Mittagbrod jedoch brachte man ihnen die Nachricht, daß sie Tebelba kaum verlassen hatten, als man die junge Ghezala schreien hörte, daß sie ihre Schwester nicht verlassen wolle- und einige Minuten nachher habe man die Familie Aras auf mehreren Wagen mit den Bedienten und jungen Mädchen sortreisen sehen, und zwar in der Richtung nach dem heiligen Orte Sidi Ehebil, wo angekommen, die Familie Aras den jungen Mädchen erklärt habe, daß hier nur Muselmänner eintreten dürfen. Erschrocken und verzweifelt, machten nun. Meburach- Saadia und seine.Frau ihrem Herrn bittere Vorwürfe, der ihnen jedoch antwortete, daß er von dem ganzen Vorfälle Nichts wiffe und daß sein Bruder Hassen ihn veranstaltet haben könne, für dessen Handlungsweise er nicht ■ 52*

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