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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-12-22 · Heft 52 (22.12.1874) · p. Seite 878

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 52 (22.12.1874)
Date
1874-12-22
Page
Seite 878 (sequence 10)
Language
German
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Augen zu lassen. Gegen zehn Uhr machten wir drei» uns' auf den Weg'; 'der Abschied /von der guten Base',- die> allem "zurückblieb, 'wär^schmerzlich; /sie hatte das Mädchenzü ^lieb^ ünd^war ihrer Genesung durchaus""noch, nicht sicherz-DinasSachen waren schon ' einige 'Tage zuvor nach Hauses geschickt ^worden und sie war dunkel gekleidet, damit sie uns nicht verrathen könne.' Die Nacht war finster', 'dichtes Gewölk hatteden -Himmel überzogen. Durch ein Hinterpförtchen leise hinausgeschritten', verfolgten wir keinen geebneten Weg / sondern gingen durch ein coupirtes Terrain > das uns gegen Späheraügen deckte.' Nur einmal mußten wir über die Landstraße hinweg; Jacob barg uns hinter einem Hügel und schlüpfte auf die Straße hinaus, - um zu sehen, ob , Niemand da wäre, der uns bemerken könnte. Ein Pfiff sagte uns bald, daß keine Gefahr vorhanden , und nach einer kurzen Strecke waren wir im Walde. Durch dichtes Unterholz arbeiteten wir uns hindurch, und bemerkten bald einen Lichtschimmer, der uns zu der Hütte des lahmen Haas leitete. ' Er war schnell bei der Hand , nahm zwei Rüder auf die Schulter und' führte uns zum Ufer. Da standen wir an dem gewaltigen Strome, deffen leichtgekräuselte Wellen rauschend dahinzogen. Eine schwüle "Bangigkeit lag noch immer-auf unseren Herzen, daß wir kein Wort miteinander wechselten , und sehnend blickte ich nach dem jenseitigen Ufer, deffen dunkle Umrisse kaum von dem umwölkten Horizonte zu unterscheiden waren. Wir standen hier ganz frei und ungeschützt, und unser nächtliches Beginnen hätte jedem Vorübergehenden auffallen müssen. Endlich kam Haas mit seinem Nachen aus dem etwas fernen Röhricht und wir konnten einsteigen. Für meine Ungeduld ging-es immer noch zu langsam, so schnell auch der leichte Kahn über die Wasserfläche flog. Als wir in der Mitte des Stromes waren, trat plötzlich der Mond aus dem Gewölk, bas'ihn bis jetzt bedeckt hatte, und warf feine silbernen Strahlen' über Fluß und tXfew Unwillkürlich schaute ich zurück und war es wirklich , oder bildete ich es' mir ein , ich glaubte einen Mondesstrahl von dem blanken Laufe einer Büchse zurückgeworfen zu sehen:' Ich ergriff Jacobs'Arm und flüsterte ihm meine Besorgniß zu.. Aber er lachte aus vollem Halse und sagte: „Mag es das ganze Heer der Preußen'fein, hier sind wir schon auf französischem Waffer — und" wir waren am User. Als wir hinangestiegen waren', fiel ich freudetrunken Jacob um den Hals — jetzt war ich gerettet und'frei! Ich hatte die letzten Tage zu viel Aengste und Schrecken durchgemacht, als daß nicht alle Fibern meiner Seele von diesem Bewußtsein durchzittert worden wären. . . ' '' Hiermit/ lieber Leser-' wäre die Geschichte meiner 'Rettung zu Ende, und der Bericht, wie diese von jenem vergilbten Papiere ausgegangen, welches die 'Schrift meines Urgroßvaters enthielt. Aber >a ich mir einbilde, däß Du hieraus einige'Theilnahme für mich gezogen hast, glaube ich es Dir jchüMg zu sein, meine weiteren Schicksale in der Fremde in flüchtigen Umrissen zu zeichmen/ Gerettet war ich , aber was'nun mit mir änzufangen, wußte ichnicht.-^-Ächwar-wie'em- Schößling/ der/Än'seinem Stamme 'Mgerissen/!«nd'äufeine -steinige Wur hmgewörfeii'Marii- Die kleine-Summe,'^die ich in'meinem' Etui hatte, 'war-Mein ^gaüzes Besttzthum. 'Jrrdeß war es-im Augenblicke, 'wo ich'-da^s Ufer des Elsaß-erstiegen/' nicht die Zeit/'mich' dieser Unruhe-'zü überlassen. -Wir -setzten' unfern' Marsch so' rasch ffort, -'wie es der ' Schritt.des -Mädchens-- gestattete , . gingen' 'durch Mothren j'' wo . Alles in tiefem Schläfe versunken'waruüd kämen/gegen Mitter^- nächt glücklich m Lauterburg an. Auch hier tvurdeich "von der Schwester meines Vetters und ihrem Manne/ einem-wäckeM Hopfenhändler, gastlich; aüfgenommem - Und ich - bedürfte M Ruhe, denn meine Wunden warennoch nicht geheilt/ und mein körperlicher Zustand ' durch - die. Aufregung/der-letzten-'Tage sehr geschwächt-, was mir jetzt erst im -friedlichen-' Hause meiner 'Verwandten zum Gefühl kam. Ändeß ich hatte Muße wich zu er^ holen. ‘ Meine neuen Wirthe' waren sehr fromme''Änd wohltätige'Leute. "Nun-war ich zwar nicht orthodox -erzogen , '/aber ' meine Eltern hatten ' mir 'stets eine aufrichtige-Achtung vor jeder wahrhaftigen Frömmigkeit und v für die Satzungen und/Bräuche unserer Religion eingeflößt', und so. war 'es. mir leicht/ mich' in die frommen Uebungen -des Hauses zu 'schicken und mit ganzem > Herzen Und wahrer Andacht mich 'ihnen- 'zu überlassen. Dies zog mir das Wohlgefallen meiner-Freunde iri 'hohem- Grade zu. Blickte ich zurück/wieich dein-verderbenschwängeren Wegej den ich' gezogen,' entronnen war - - sö richtete-sich meine Seele- - voll Dankes zu der göttlichen Vorsehung-hinauf-.die in dem Augenblicke,^ wo ich/in dem Felsenthale, in das ich'mich verirrt, jeden Ausweg versperrt sah, mich -utjt die Klippen „auf grüne Au und zu stillen Wassern" geleiiDAtte." ' " Am folgenden Tage/ nachdem Jacob Abschied genommen, der, mit einigen Waaren beladen/geradezu nach der, Fähre von Illingen ging, um jeden Verdacht zu vermeiden, war es das Erste, an meine Mütter'und meinen Vetttr ^schreiben?. .-Wie feurigich dem Letzteren dankte/ -kann' -man' sich 'denken ünd^böt ich ihm än/ihm das Testament des Urgroßvaters'/zu Melassen, da ' er jetzt das - eigentliche Haupt - der Familie -sei/ - Wenige Tage daraus sah ich ihn bei uns emtreten/'ünd ich könnte^'zü'-meinev Freude gewahren, wie liebichihm in 'der kurzen-Zek! geworden. Er hatte' mich gerettet mnd'ffah-.Mich-"so als seist 'Geschöpf/ säge -ich lieberals seinen Sohn an. - '„Die Preußen' -habenDich wacker gesucht", - sprach er/' „Was mußt Dü für "' ein bedeutender Kerb sein, daß sie' so vielen Werth darauf legten - 'Dich'-wieM zu' sangen/' Um so mehr lachte ich'still' fürmich hin/ Muste bald Deine Spur' suchten/ wo Du nicht zu finden - warst/'- Doch dünke Dich nicht zu viel; sie haben ' Dich -in der Verwirrung 'dev^Geschäfte bald, vergesset ^Und -uun sage mir -^-wäs sollen wir - mit "Dir anfangen?" ' Meine' Chancen Märenbälö durchgesprocheÜ.' Än die Rückkehr ift die 'Heimäth konnte - ich für viele, Jahre, an eine regelmäßige- Carriere daselbst niemals/ denkem Am * liebsten' hätte mich derBetterHöpfenhändler in -fein-Geschäft

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