Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1874)
- Date
- 1874-12-22
- Page
- Seite 874 (sequence 6)
- Language
- German
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zst'läffen/ Er -hstlet üu? Entscheidlung's^ob diesem 5An sin'n'e'n -vU'-ihm^stäitg'egÄÄt'^weÄen känn-Äer ''nrchtt/M^ Die 'chieraüf ertheilte Resvlüllom habe dahin gelautet/ daß der Oberkirchmrath List MüSstchk'/ aU-Sp'ä'LH^'Stellüng^ atS Pfarrerder' hiesigen evangelifch-lütherischenGemeindenicht billigen kann/ wenir er dem an' ihn gestellteii/Ursucheü Entsprechen würde. — Es'hätte/-meint HÄr ''v. Wedderkop/ nicht zweifelhaft sein können/ 'daß es'sich um dwHtcrge' handle, vb Späth in feiner' Qualität ä'ls Pfarrer bei der in 'Rede stehenden/Beerdigung 'reden', 'hier amtlich füngiren dürfe; denn einestheils würde er, wenn er nur als Freund, also außeramtlich, dem. Verstorbenen an dessen'Grabe einen'Nachruf widmen wollte ,' bei der oberen Behörde nicht nachgefragt, noch nachzufragen nöthig "gehabt haben: anderntheils gebe seine Eingabe" als Gründ'des ihm gemachtem Ansinnenan/ es" „sei n icht m ö 9 f t ch g ew e sie n,'einen Rabbi n e r/k o mm e n z u l r ss e n", dieser habe also durch, den evangelischen Pfarrer ersetzt werden sollen. ' Es fei nun aber wohl unzweifelhaft, daß der Pfarrer an einer Gemeinde der evangelischen Kirche zu pfarramtlichen Functionen außerhalb -des Gebietes dieser Kirche keine Berechtigung habe und auch die Oberkirchenbehörde nicht ermächtigt fei, ihm eine solche' zu ertheilen. Es habe sich hier lediglich Um die kichliche Ordnung (Kirchenverfassungsgesetz III. Z. 1) gehandelt;'christliche 'Liebe, religiöse Duldsamkeit, Glaubensbekenntnisse, Dogmdn ü/s. w. seien hier schlechterdings Ncht in Frage gekommen.- Herr' v. Wedderkop selbst würde , obwohl Mitglied -des Ober-, kirchenräths,' wenn,darum angegangen und dazu befähigt, keinen Anstand genommen haben, ein Wort' am Grabe des hoch ge -' schätzten Mannes zu redend ' Es geht hieraus hervor, daß Sie in Ihrem desfallsigen Leitartikel (Nr. 50) vollständig das Richtige getroffen Haben. / ' Schrimm, im December. (Privatmitth.) Die Leser dieses Blattes'werden sich erinnern, welche Streitigkeiten in der hiesigen Gemeinde zwischen zwei Parteien entstanden sind, vom denen die eine sich die Cultuspartei nennt, die andere, die orthodoxe. Beide Parteien - stehen sich ° so ziemlich gleichzählig gegenüber, machen sich'bei'Neuwahlen die Mehrheit in 'der nachdrücklichsten Weise streitig' und entfalten eine Erbitterung, die eben daraus erklärlich ist/daß der Streit noch mehr persönlich, als 'der einer religiösen Ueberzeugung geworden ist. Wir hatten äußerlich ergötzliche, im Grunde aber'traurige Scenen zu schildern, die aus der jüngsten Zeit vermehrt werden 'könnten.' Wohin, aber schließlich derartige Streitigkeiten führen, hat sich in diesen Tagen ergeben. Bei den letzten Repräsentüntenwghlen hatte die Cultuspartei mühsam eine kleine Mehrheit errungen. Von den betreffenden Wahlen bestätigte" jedoch ausformellen Gründen die Regierung zwei Gewählte nicht, sondern 'ordnete Neuwahlen an. Da nun die Aussicht, bei diesen Wahlen die Mehrheit wieder zu erlangen, für die ^Cultuspartei nicht 'vorhanden war , so zogen' es viele derselben vor/ nach § 8 des' Maigesetzes den Austritt aus dem Juden- Ihume vor 'Gericht' zu erklären/' Es'chaben dies /bereits 'über 25 gethän- - ü'nd' d ie^ - nächste rFolge ist, - 'daß - dev' Etatdes'nächster Jachres/va-"d'em' gegebenen Beispiele.'nochMehrere folgen werden-' an 1500 ^Thäler Einnahme verliert/ und' die treugebliebenen Mitglieder der Gemeinde die Last der Steuern kaum"werden^rträgen können/ Die Ausgetretenen haben sich bereits ein Grundstück zu einem eigenen Begräbnißplatzgekauft. Dieser Vorgang ist gewiß ein'sehr betrübender, zeigt aber, daß es in Wirklichkeit eines-neueü Gesetzes wie der-Abgeordnete Lasker es - plantgar -nicht -bedarf.' Die ausgetretene Cultuspartei sieht sichdurchaus noch-ebenso als Juden an, als sie vorder Abgabe' der'gerichtlichen Erklärung gewesen.' Sie ' stellt sich ihren Gottesdienst her, sorgt für iden religiösen Unterricht ihrer Kinder undso weiter. Die gerichtliche-Erklärung hat für sie nur eine, formale Bedeutung, die mit ihrem Gewissen nichts zu thun und auf' ihre religiöse: Ueberzeugung und Lebensweise keinen Einflußhabe. Bedeutung hat der Vorgang nur für die Gemeinde als solche, denn ob die beiden Gemeindendie eine mit, die andere ohne Corporationsrechte, bei ihren beschränkten Mitteln lebensfähig bleibem werden, ist die Frage. Würzbürg, im December. - (Privatmitth.) Wie auch in diesem Blatte ausführlich berichtet wordenward der Redacteur des ultramonta'nen Fränkischen Volksblattesvr. Rittler, wegen eines Hetzartikels gegen die Juden schwurgerichtlich zu. einem Monat Gefängniß verurtheilt. Gefängnisse sind bekanntlich keine - Besserungsänstalten, und es'ist daher erklärlich, daß dieser Skribent -nur um so erbitterter gegen die, welche seine Verfolgung auf dem Wege des Gesetzes/von/sich abwehrten, aus seiner Strafhaft hervorging. Wer das Arsenal und die Moralität der Ultramontanen kennt, 'weiß, daß der Mann um Material und Mittel nicht verlegen wor. Darf er die Juden nicht verleumden, verleumdet er den Talmud, wiederholt noch einmal einige Citate aus Eisenmenger und Consorten, stutzt sie mit einem giftigen Schwall von Worten zu den abscheulichsten Extravaganzen zu und fordert auf, ihm. -die Unwahrheit nachzuweisen, im Voraus sicher,- durch immer erneuerte Verdrehungen die Sache zr einem Schluffe nicht kommen zu lassen. Am angemessensten wäre es gewesen, wenn eine hiesige jüdische Autorität eine einfache Erklärung, daß dies Alles unwahr, ohne Sachkenntniß und hundert Mal widerlegt sei, so daß'man sich nicht so lächerlich machen wolle, mit einem Rittler in Streit einzülassen, veröffentlicht hatte. Statt dessen trat ein Anonymus -auf und forderte Rittler auf, er solle zuvor beweisen, - daß er eine einzige Zeile im Talmud zu lesen und zu übersetzen vermöge. Diesen Beweis konnte selbstverständlich Rittler nichtführen/ fuhr jedoch fort, sich auf seine Citate zu steifen und die schmählichsten Consequenzen daraus zu ziehen. Es versteht sich, daß wir nur, beabsichtigen, hier die Thatsache darzustellen, 'nicht aber den Streit mit diesem sonst unbedeutenden Menschen auf diesen Platz zu verpflanzen. Uebrigens giebt es ja in Würzbürg, einen Rabbiner und eine Anzahl von Männern, die auf -ihre' talmudische ' Gelehrsamkeit und ihre unbedingte Anhänglichkeitr