Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-12-22 · Heft 52 (22.12.1874) · p. Seite 873

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 52 (22.12.1874)
Date
1874-12-22
Page
Seite 873 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226960-3227013--33162-3256168
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

873 Unter Ander e n hatten - auch, drei. Schülerinnen jüd. Glaubens das, unerhörte^ Verbrechen begangen, Meimal diepflichtschuldigen 10-Silbergryschen zu vergeffenwas den Ordinarius vor der vollversammelten ersten Clafse zu den-eines-Mühler'schen Pädagogen würdigen, mit Entrüstung hervorgebrachten Worten veranlaßte: „Die christlichen Schülerinnen trennen sich leichter von ihrem Gelde als die Jüdinnen. Die Juden wollen immer nur nehmen und nichts dafür gebend — Wir wollen nicht untersuchen, wie weit der in den leitenden Kreisen jener Schule herrschende Geist für diesen Vorfall mit verantwortlich ist, überlaffen es vielmehr den städtischen Behörden, dahin zu wirken, daßi der religiöse Parteigeist, der heute' die Welt zu spalten droht, nicht schon seinen: Sitz in den unschuldigen Gemüthern der Jugend finde. Berlin, 8. December. Nach einer nunmehr in der „Zeitschrift des statistischen Bureaus" publicirten Uebersicht aus der letzten,Volkszählung, wurden in ganz Deutschland gezählt -25,579,709 evangelische Christen, 14,867,463 römisch-katholische Christen, 82,155 sonstige Christen, 5 1 2,1 5 8 Äsrae liten, 176 Bekenner anderer Religionen, 16,980 ohne Angabe der Religion, zusammen 41,058,641. . Davon fallen auf Preußen 24,639,706, nämlich 15,987,927 Evangelische oder 64,89 pCt., 8-267,862 Katholiken oder 33,55 pCt., 53,882 sonstige Christen oder 0,22-pCt., 325,540 Juden oder 1,32 pCt., 85 Bekenner anderer Religionen, 4410 ohne Angabe der Religion oder 0,02 Procent. Speciell für Berlin stellen sich die Zahlen wie folgt: 786,438 Christen (darunter 732,796 Protestanten und 51,497 Katholiken), 3 6,0 15 Juden, 6 Muhammedaner, 25 Buddhisten und 3 Sintoisten aus^ Japan, 3854 ohne Angabe der Religion. — Eine eingehendere Betrachtung der verschiedenen Religionen führte zu dem Resultat, daß in Preußen ortsangehörig sind 24,313,599 Christen, 3 25,587 , Juden, 20 Muhammedaner, 33 Buddhisten, 3 Sintoisten, 1 Sonnenanbeter, 13 Zigeuner, 2 Heiden, 16 Atheisten und 4389 Personen unbekannter Religion. — Die Protestanten bilden über drei Viertel der Gesammtbevölkerung in den Provinzen Schleswig- Holstein, Pommern-, Brandenburg, Sachsen und Hannoverferner in den Regierungsbezirken Gumbinnen, Liegnitz, Königsberg und Kassel; sie überwiegen noch in.den Bezirken Minden, Wiesbaden, Breslau, Arnsberg und Danzig. Die katholische Bevölkerung beträgt über drei Viertel der gesammten in den Bezirken* Sigmaringen, Aachen, Münster, Oppeln, Köln und Trier, über die Hälfte noch in Posen, Coblenz, Düsseldorf, Bromberg und Osnabrück. Die Juden erreichen in keiner Provinz den Antheil von 5 Procent; am stärksten sind sie in Berlin vertreten, wo auf je 200,000 Einwohner 875 Juden kommen; mithin fast der achtzehnte Mensch ein Jude ist, während in ganz Deutschland der achtzigste Mensch ein Jude ist. Oldenburg, 3. December. . Wie kürzlich Mgetheilt,. .hatte der großherzogliche Oberkir chenra1h dem. Pfarrer Späth auf deffeN' Anfrage, ob er dem . Ansuchen^ des hiesigen israelitischen Gemeindevorstandes, am Grabe des.Landrabbiners Wechsler eine- Rede, zu halten, entsprechen, könne, einen abschlägigen Bescheid gegeben und denselben durch die „Rücksicht auf seine Stellung als Pfarrer der hiesigen evangelisch-lutherischen Gemeinde" begründet.' Nunmehr hat der Kirchenrath der evangelisch-lutherischen Gemeinde beschlossen, dem Oberkirchenrathe ein Schreiben zugehen zu laffen, da die Aufregung über die Maßregel in der Kirchengemeinde groß sei und dieselbe gerade das Gegentheil von der Behörde erwartet habe. Das Schreiben lautet: An den großherzoglichen evangelischen Oberkirchenrath. ' Der großherzogliche Oberkirchenrath hat dem Pfarrer Späth auf dessen Anfrage, ob er dem Ansuchen des hiesigen israelitischen Gemeindevorstandes, am Grabe des Landrabbiners Wechsler eine Rede zu halten, entsprechen könne, einen abschlägigen Bescheid gegeben und denselben durch die „Rücksicht auf seine Stellung als Pfarrer der hiesigen evangelisch-lutherischen Gemeinde" begründet, obgleich nach seiner Versicherung der Pfarrer Spätzin einer Unterredung zwischen ihm und dem Herrn Präsidenten des Oberkirchenraths gleich von vornherein erklärt hatte, daß weder er, noch der israelitische Gemeindevorstand an ein Auftreten 4m Talar, also in seiner Eigenschaft als evangelischer Geistlicher, denke. Da die Aufregung über diese Maßregel in unserer Kirchengemeinde groß ist und dieselbe gerade das Gegentheil von der Behörde erwartet hat, da ferner auch der Kirchenrath als die gesetzliche Vertretung der Gemeinde der Ansicht ist, daß ein Eingehen auf das Gesuch der israelitischen Gemeinde in jeder Hinsicht unverfänglich und dem christlichen Geist entsprechend gewesen wäre, so bitten wir den großh. evangelischen Oberkirchenrath um Aufschluß, inwiefern nach seiner Ansicht ein solches Verweigern durch Rücksicht auf unsere Gemeinde gefordert war, wie wir denn auch nicht zweifeln, daß man überall in der Gemeinde auf eine Erklärung darüber wartet. Der Kirchenrath: Späth. Bremen, 9. December. l Privatmittheil.) Der städtische Kirchenrath in Oldenburg Hai an den großh. evangelischen Oberkirchenrath.'ein Schreiben gerichtet, worin dieser um Angabe der Gründe gebeten wird, weshalb es dem Pastor Späth nicht gestattet worden sei, an Wechslers Grabe zu reden. Die Antwort hierauf ist bereits'durch ein Mitglied des Oberkirchenraths, Herrn v. Wedperkop, erfolgt. Wie die „Bremer Nachrichten" sich aus Oldenburg schreiben laffen, erklärt dieser, „es könne nicht Sache des Oberkirchenrathes als solcher sein, sich wegen einer von ihm erlaffenen Verfügung gegen Angriffe und Abur.- theilungen in Localblättern zu verantworten; er dagegen, alsoinzelnes Mitglied dieser Behörde, glaube Einiges erwidern zu dürfen. Zunächst theilt er nun die Anfrage Späth's mit, der um die Erlaubniß bittet, an dem Grabe des Rabbiners Wechsler einige Worte zu reden, weil es nicht möglich sei, einen Rabbiner kommen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.