Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1874)
- Date
- 1874-12-22
- Page
- Seite 872 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m , IhAestsrBetfügüng züsteht^sentweder: [ber (Soffer des 'Stipendien^ Wesens zuführen vderboch'über' die/ von ihnen ausgehende Verwendungder r Commission Kenntniß-geben. >’ § 11.- Außerdem werden, die Commissionsmitglieder sich bemühendie materielle- Lage der-Zuhörer durch Zuweisung von Unterrichtsstunden oder angemessener literarischer Arbeiten zu fördern und nach dieser Seite hin indem Kreise ihrer Bekanntschaft zu wirken. §12. Insoweit es die Mittel des Stipendienfonds erlauben, sollen aus demselben Zuhörer der Matrikel v für die Ablegung des Abiturienten-Examens -vorbereitet werden. . §; 13. Die Commission -stattet dem Curatorium jährlich einen Bericht über ihre Wirksamkeit ab und giebt von diesem auch dem Lehrercollegium Kenntniß.^ - - B erlin, den .1. Mai 1874.- Nachbemerkung -er Redaction. Der obige Bericht in seiner einfachen und würdigen Haltung spricht sicherlich durch feinen thatsächlichen Inhalt die Theilnahme aller wohlwollenden Freunde des Judenthums an. Sowohl als Redacteur dieser Zeitung/ als auch als Mitglied des Curatoriums, treten auch wir für die Förderung dieser ebenso wohlthätigen, wie wichtigen Angelegenheit mit der dringenden Bitte um thatkräftige Berücksichtigungein. Beide in dem Berichte hervorgehobenen Momente sind, von der größten Bedeutung: armen. Hörern der, Hochschule das Studium .durch Unterstützung czu ermöglichen/- namentlich,' wo jetzt die Theurung. alles deflen was zuw Lebensunterhalt unentbehrlich ist, so groß ist; und die aus dem östlichen Europa kommendenrabbinisch unterrichteten jungen Leute zu einer wissenschaftlichen Bildung für die Hochschule und das Universitätsstudium überhaupt--vorzubereiten^ was auf Gymnasien wegen des Standes ihres Wissens und wegen ihres Alters nicht möglich ist.' Man kann sagen, daß ein großer Theil der Wirksamkeit für die Hochschule und; der wirklichen Heranbildung von tüchtigen Rabbinern von der Befriedigung dieses Bedürfnisses abhängt. In d i es e r Angelegenheit vereinigt sich Wohlthätigkeitmit Interesse für den wissenschaftlichen Anbäu des JudenthumS. ES wird der armen, leidenden Jugend, die sich auf jedem Schritte zu. einem höhern Ziele gehemmt sieht, geholfen; es werden zugleich dem Juden» thume tüchtige, wissenschaftlich gebildete Jünger erworben. Auch wir richten daher an alle Freunde dieser uns heiligen Angelegenheit die dringende Bitte, durch einmalige, sowie durch Jahresbeiträge die oben genannte Commission in den Stand zu setzen, beiden Bedürfnissen ausreichend zu genügen. Wir sind bereit, Zeichnungen und Beiträge entgegen'zunehmen, um sie der Commission zu übermitteln, und wird es uns zu einer besonder« Freude gereichen, wenn unser Gesuch recht viele Berücksichtigung findet. . Dr. Ludwig Philippfon in Bonn, Mitglied des Curatoriums für die Wissenschaft des Judenthums. ^eihukabwccc&vic&teAJi. Deutschland. . Berlin, 3. December. (Privatmitth.) Die verbündeten ultramontanen und reactionären Parteien sind offenbar sehr ungehalten darüber, daß sich aller Orten so einstimmig die Juden den Freisinnigen anschließen und sich zu diesen halten. Daß die Juden wahrlich sehr verblendet wären, wenn sie mit jenen Parteien, die ihnen stets nur Leid und Verfolgung zugefügt haben, sich verbündeten, das berücksichtigen die Rückschrittsmänner nicht. So finden wir, daß seit einiger Zeit „Kreuzzeitung" und „Germania" — hierin, wie in so vielen andern Dingen schwesterlich vereint—wieder begonnen haben, Juden und Judenthum mit Schmähungen zu überhäufen. Die „Germania" z. B. entblödet sich nicht, einen ganz gemeinen Hetzartikel des als Schriftsteller und Politiker gleich berüchtigten Ant. Niendorf gegen den „Reclamen-Juden" Paul Lindau unter der Ueberschrift ,,Das literarische Judenthum" zu bringen, obwohl sie doch sehr wohl weiß, daß Paul Lindau gar kein Jude ist und sich in vielen seiner Stücke als echter Judenfeind bewährt. Aber das thut nichts, -die Leser der „Germania" wissen es ja nicht, und der gewünschte Eindruck ist also doch hervorgebracht. Sie und Ähre Leser mit den albernen, unter dem rühmlichst bekannten Augenverdrehcn und süßlichen Phrasenthum vorgebrachten Salbadereien der „Kreuzzeitung" über die innere Auflösung des Judenthums auf der einen und seine steigende Anmaßung auf der andern Seite zu belästigen, will ich Ihnen und mir ersparen. —. Hiesige Blätter enthalten Folgendes, was an einen ähnlichen Vorgang im vorigen Jahre ebenfalls in einer Berliner höhern Töchterschule erinnert: Daß der unduldsame Geist, -der unter dem früheren Regime in Preußen gesäet, leider noch jetzt seine Blüthen treibt, beweist eine Scene, die um so peinlicher wirkt, als sie in der obersten -Classe einer städtischen höheren Töchterschule spielte, welche ihren Namen der allverehrten Königin Louise entlehnt hat. Zu einem löblichen Zwecke, nämlich zum Besten der Lehrerwittwencaffe, veranstalteten die Lehrer jener Schule am 30. November ein Concert, verbunden mit Gesang und Deklamationen, in welchem nur ihre Schülerinnen mitwirkten. Begreiflicher Weise beeilten sich sämmtliche Zöglinge der Schule, für ihre Angehörigen bei dem Lehrer Billets zu kaufen, für welche sie den Betrag am nächstfolgenden Tage mitbringen sollten.-