Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1874)
- Date
- 1874-12-15
- Page
- Seite 863 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3226960-3227012--33151-3256156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
.MdrgtzrMnd eMb sich/ -aber es <war noch ganzvunket, -eben^ 2ver!kMdete em röther Streifeüam östlichen Horizonts daß das- 'Tagetzgöftirn nahe, als ich die ersten Häuser von Bietigheim Vrreichte ünd^vor derPfokte des dritten stand. Ich klopfte drei- Mal/'die Thüre wurde Aufgeschlossen» und eine weibliche Stimme srägte leise: --Wer da?" Ich nannte meinen Namen, schnell war Äh hineingeschlüpst, die Thüre wieder geschloffen. „Kommt!" vief es wieder , eine'^zarte Hand ergriff die meine und führte Mich durch einen stockfinstern Gang zu einem äüf der Hinterseite 'des Häusel befindlichen Zimmer. Es war eine kleine einfache Bauernstube, reinlich getüncht und mit schmucklosen Gerüchen versehen. Auf dem eichenen Tische stand eine kleine'Lampe, und 'aus einem Hdtde an der Seite brannte ein kleines Feuer, in welchemein Kessel mit siedendem Wasser stand. Die Läden der schmälen Fenstercheu waren 'so sorgsam geschloffen, daß kein Lichtsimhb hinaüsdringe und irgend wem verrathen könntedaß die Bewohner des Hauses sich -dem Schlafe nicht überlaffen hätten., Eine Bauernstube, aber beim ersten Utzbecblick gewahrte ich , bei; wem ich sei. An der Morgenseile hing die schlechte Zeichnung' vines' Tempelportals mit der Inschrift in großen Charakteren >Misrach", neben ihr zu beiden Seiten ein kleiner und ein 'größer Beutelein Zeichen, daß'es auch wenigstens einen Männ in diesem Hause gab. Auf einem Brette daneben lagen wchrere abgegriffene Gebetbücher und eine alte Bibel. Indeß Mes di^s fesselte meine Aufmerksamkeit nicht, die sich vielmehr zunächst der zuwandte, welche mich in das Zimmer geleitet. Es war ein' junges ' Mädchen, - wohl nicht mehr als achtzehn Jahre zählend: Ich hätte' jener'Wahrzeichen an der Wand nicht be-! dürft, um sofort zu erkennen, daß ich bei Leuten meines Stammes "uitd Glaubens - sei. Denn das Mädchen hatte den echten Typus unserer Nation. Und sie erschien mir sehr schön, überraschend schön. Von mittlerer Gestalt Mt feinen Formen und einem edlen Kopfe, zeigte siebet jeder Bewegung eine gewinnende Anmuth, die um so mehr auffiel, je natürlicher' sie war. Ihre'dunkeln Augen unter der weißen Stirn, ihre prachtvollen schwarzen Lockendie rosigen WaUgen, die feine, etwas gebogene Mase'Hätten: doch' nichts Außergewöhnliches gezeigt, wenn nicht! der leuchtende Blick-und die feinen Züge um den Mund Geist nüd Gemüch in hohem Maße verrathen hätten. Doch auch' auf sie durfte ich nicht lange schauen, denn aus einem alten ledernen LMsiuhlin der Ecke ethob sich eine ältliche Frau- und streckte 'mir - die Hand zum Willkommen entgegen. Sie war' wohlbeleibt, aber auf ihrem bleichen, etwas eingefallenen Gesichtedas michschnell' einen theuren Beiter erinnerte, lagen die Spuren einer MerstaNdenen Krankheit. ,;Se!d willkommen, Vetter," rief sie mir entgegen, „Ihr werdet ermüdet - und hungrig sein. Nehmt vorlieb mit uns, wir 'fittdgeringe Äiite, nnd'vie Botschaft meines Bruders kam erst ümMitterriaM - änso 'daß Mr nichts vörberÄten: -konnten. Mm) Mna, heröite schnell Kaffee, ündftvage auf, wüsdasHaus birtett" «Sie wollte durchaüs/daß »ich im Lehnstuhle Platz Nehme,; dies nahm 4tz nicht an,'und ließ mich auf-einem Holzstuhle'wieder, den ich neben ihren «Sessel stellte. Sie war neugierig/ die gute Frau , denn ihr Bruder hatte ihr nur wenig mkttheilen können, und sie wußte von unserer" Vetterschaft gerade so viel, wie ich vorher, nämlich nichts. >- ' ' -; Während nun Dina den Kaffee - bereitete und ' den-Tisch zurichteteerzählte ich in Kürze Alles, was 'mich betraf, und schilderte die Lage, in der ich wich befand. Ich mußte mich Wsaminennehmen, dennmeiu Auge hing an densinmuthigenBewegungen meiner schönen Base/ und ich konnte bemetllen,' daß 'auch sie neben ihren Verrichtungen meiner 'Erzählung ein geneigtes Ohr schenkte. Während, ich aber sprachkönnte 'ich doch auf dem Gesichte meiner Zuhörerin , ich meine der alten, eine freundliche Zuneigung gewahrendie sie mir alsbald schenkte, und welche sie die Umstände vicht bedauern ließ, die ich ihr gemacht und wohl noch verursachen würde. r >- Als ich geendet, sprach sie : „Nun, Vetter, seid mir noch einmal willkommen und nehmt mit einem Gericht Gerngesehen vorlieb. Doch Eures' Hierbleibens wird nicht lange sein. Mein Sohn Jakob wird wohl bald zurückkommen. Er-ist nach der Vorschrift meines Bruders nach Illingen gegangen, um zu sehen, ob die Luft rein ist, damit Ihr dort über den 'Rhein setzet. -Dann seid Ihr in Frankreich, und sollet über Wothern nach Lauterburg gehen. Hier findet Ihr eine Zuflucht bei unsrer jüngsten Schwester und deren Manne. Ich habe leider den weinigen schon vor fünf Jahren verloren. Dina, mein Schwesterkind,-die einige Wochen bei mir war, um -mich zu pflegen, denn ich habe keinen Anderen um mich- und Jakob muß dem Geschäfte uachgehen,.Dina wird Euch begleiten und zu ihrer Mutter »bringen. Es sind nur kleine Strecken bis dahin. Ich bin jetzt wieder gesund, und Dina zu Hause nöthiger als hier." Kaum hatten wir »uns um den Tisch gesetzt und langten nach Speise und Trank, als die Zimmerthüre sich 'öffnete »und ein schlanker junger Mann von etwa sechszehn Jahren darin erschien. Er mußte durch eine Seitenthüre des Hauses heremgelaügt sein, denn wir hatten die-vordere weder öffnen noch schließen gehört. Es war Jakob, der Sohn der Wittwe, 'dessen Gesicht bei vieler Gutmüthigkeit ebenso viel Schlauheit verriekh. Jetzt war es erhitzt und bezeugte eine lebhafte Unruhe. Hastig begrüßte er mich' und sprach dann: --Ich bin nicht glücklich gewesen; gestern Abend schon sind die Preußen in Illingen »ein* gerückt, und dort über den Rhein zu setzen , ist unmöglich.' Es ist sogar zu fürchten, daß sie sich noch weiter den Rhein hinauf ausbreiten werden , ^um den Flüchtlingen den Weg nach 'dem Elsaß abzuschneiden." - Wirwaren alle durch dieseNachricht sehr erschreckt. ,,Wasvun, Jakob, was nun?" rief die alte Fräu aus, während ich nttd DiNir schweigend auf den 'jungen Mann Nickten: „NuU- ° NUn/ Mutter," Mr er fort, „'beruhige'Dich nur. Unser' Gast wüßnothMMtz