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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-12-15 · Heft 51 (15.12.1874) · p. Seite 854

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 51 (15.12.1874)
Date
1874-12-15
Page
Seite 854 (sequence 4)
Language
German
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Wir erkennen hierin eine Aufgabe, die allen^Gemeinden in sehr großen Städten gestellt ist. Es ist eine Aufgabedie der modernen, Zeit Vorbehalten war. Das europäische Mittelalter kannte solche ungeheure Städte nicht und verbannte zugleich die Juden in abgesonderte Quartiere. Unter den gegenwärtig obwaltenden Verhältnissen genügt es nicht, irgend einen großartigen Tempel zu erbauen/oder eine zahlreich besuchte Religionsschule zu errichten, die doch für die entlegenwohnenden Glaubensgenoffen, namentlich für die Schwachen und die Kinder fast.unerreichbar wären. Was den städtischen Communen obliegt, für. Kirche und Schule in den. neuen Stadttheilen zu sorgen, das drängt sich auch im beschränkteren Maße, aber nicht minder unvermeidlich, den jüdischen Gemeinden auf.^ Aber gerade die einheitliche Gemeinde vermag am ehesten diesem Bedürfnisse abzuhelfen, während die freie Betheiligung nur sehr schwächliche Aequivalente schaffen könnte. Die Trennung in eine orthodoxe uud eine reformirte Gemeinde würde das Uebel nur vermehren, da beide sich ja auch nur über, die ganze Stadt erstrecken könnten. v Bielitz, 30. November. Eine Thorarolle aus China. Letzthin förderte mich Herr Professor Dr. Friedrich Müller, Skriptor an der k. £ Hofbibliothek in Wien auf, die in dieser ' Bibliothek befindliche chinesische. Thorarolle zu prüfen. 'Herr Dr. Karl Ritter von Scherzer erwarb sie vor drei Jahren in Peking 'von einer chinesischen Familie, deren Großeltern noch dem Judenthume angehörten und Mitglieder einer in Kiwei-tschang-fu bestandenen Gemeinde waren, wo diese Rolle zu gottesdienstlichem Gebrauche verwendet wurde. Herr von Scherzer übergab die Rolle der kaiserlichen Bibliothek. Obwohl die-Thorarolle, nicht alt und frühestens zu Anfang des vorigen Jahrhunderts geschrieben ist, so gestattet sie doch, auf die Art, wie diese Rollen seit alten Zeiten im fernen Asien behandelt wurden, zu schließen, da bei derartigen, zu liturgischen Zwecken augefertigten Schriften selbst im Laufe einiger Jahrhunderte wenig Veränderungen Vorkommenindem die Schreiber regelmäßig treu und sorgsam copiren. Zwei Bemerkungen drängen sich vor Allem bei genauer Betrachtung dieser Rotte auf. Der massoretische Text ist sehr genau gekannt, und bis auf einige im Texte zurückgebliebenen Schreibefehler.pünktlich berücksichtigt.. Hingegen sind dem Schreiber dieser Thora sehr viele talmudisch-rabbinische Anordnungen fremd geblieben. Die Rolle hat eine Länge von etwa 3/4 Ellen und besteht aus Schaffellen, welche weich, auf der Schriftseite geglättet/auf der Rückseite noch viel weicher, fast faserig-zupfig sind. Ich zählte solche 66 zu Leder verarbeitete Felle, von denen die ersten 24 an der Außenseite mit den fortlaufenden Buchstaben des hebräischen Alphabets von dr. biß , eine zweite Serie von 35 Fellen in derselben Weise von dr bis nb bezeichnet sind, die letzten % aber dieser Nummerirung^ ermangeln. Die einzelnen Felle haben. 4—5 ungefähr eine Spanne breite Blattseiten (■pDn), jedoch finden sich auch Felle, welche nur 1 — 2 Blattseiten haben, was die rabbinische Vorschrift nicht gut heißt. (Vgl. Tractat Soferim 2, 6). Diese Felle sind mit feinem, festgefchlungenen Seidenbast an ihrer Außenseite von Oben bis' Unten, knapp von und bis an das äußerste Ende aneinander in engen Stichen geheftet. (Vgl. Sof. 1, 1. Babl. Megilla 19 b. R. G. A. Jfferlein Terum. hadeschen 50.) Am Beginne und am Ende der Thora ist in gleicher Weise das Leder um Holzstäbe geschlungen, die sich zum Rollen bewegen lassen, und am obern Ende etwas hervorragend in die Form eines Sternchens ausgehen, welches matt vergoldet erscheint. Die Schrift auf diesen Blattseiten, welche, was den oben und unten freibleibenden Raum, Ordnung und Columnen betrifft, denen in unseren Thorarollen gleichkommen, variirt in einigen Buchstaben, das ist nach seinem Hauptstriche wagrecht liegend; das 7 unterscheidet sich von dem "i nur dadurch, daß es den verticalen Strich nicht ganz am Ende führt, 2.und ri sind sehr gewunden und geschlungen, (n)J « t (-)-> überhaupt ist der Charakter der Schrift kein ganz gerader und aufrechter; so liegt z. B. der obere Strich des b fast immer förmlich gebeugt. ‘' (=>2 w**1 Die Columnen sind liniirt, und hat das ganze Mauuscript gleiche Züge mit Ausnahme einiger später angebrachten Eorrecturen. Die Schrift scheint mit einer Rohrfeder ausgeführt zu sein. (Bgl. Simon a. Sens. Hagahot Mordechai Gittin 1.) Die Buchstaben sind alle von gleicher Größe. Große und hervorragende Buchstaben sind nicht gekannt. Sogar das Jnitial-2 und Final-b, sowie y und n in und -rnvr, Deut. 6, 4, ist unberücksichtigt. (S. Tract. Sofer. 9. Vgl. R. G. A. Juda Meng 15.) Ebensowenig sind die Striche und Punkte, über bestimmten Buchstaben und Worten zu finden. Nur über die einzelnen Buchstaben des Wortes mpim (Genes. 33; 4) sind die Punkte gesetzt (Tract. Soff 6, 3. 9, 1., Menrchot 29 b)/ Bezeichnend ist es, daß während in dieser Rolle selbst die im Talmud (ibi.) erwähnten Striche gänzlich fehlen, ein alter Mißbrauch, alle Blattseiten mit i zu beginnen (cpnxtfft 171) sich angewenvet findet. (Vgl. Hagahot Maim. Sefer thora 8.) Eine Ausnahme macht nur Exod. 14, 28.

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