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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-12-08 · Heft 50 (8.12.1874) · p. Seite 844

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 50 (8.12.1874)
Date
1874-12-08
Page
Seite 844 (sequence 14)
Language
German
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welche-die: Fürsorge mirdem Aeltesten, anheimfiel/ in einigen Manuscriptendie schwerlich in bie Oeffentlichkeit zu ^bringen waren, und in-dem Testamente meines Urgroßvaters. Aber ich schwer-mir am Grabhügel -/des schmerzlich Beweintentreu an dem- Wort' des Urahns zu Hallen: „Frage Dich, ob Du ein braver Sohn bist!" Nun freilich hatte ich es schon erfüllt! Ich Hatte mich in den nutzlosen Kampf gestürzt, ich Hatte meine Heimach verloren, meine Zukunft aufgegeben und einen schmachvollen Tod vor mir — was sollte aus Mütter und Geschwistern werden!? . * Schwer keuchte meine Brust, eine Welt von Last lag auf ihr, sie zermalmte mich nicht, aber ich vermochte auch nicht, sie abzuschütteln — da legte sich eine Hand auf meine Schulter, und rüttelte mich, ich erwachte und blickte auf — vor mir stand der Chirurg, der am-Abend meine Wunden untersucht und verbunden hatte, in der rechten Hand hielt er einen Krug mit Master, von dem er mir zu trinken gab ■-— eine wohlthätige Erfrischung für meine' brennenden Lippen, für den glühenden Durst, der mich peinigte. Welch' eine Wohlthat, und der Mann hatte schon das erste Mal mir ein großes Wohlgefallen und volles Vertrauen eingeflößt. Das hatten seine dunkeln, schwermüthigen Augen gethan; die so unendlich mehr sprachen als sein schweigsamer Mund. Es war ein Mann von fester, untersetzter Gestalt, die sich straff aufrecht hielt, nur den Kopf trug er etwas vorgebeugt, diesen Kopf mit den markirten Zügen, mit den Furchen auf der breiten Stirn-und den Längsfalten auf dem Gesichte/mit dem starken grauen Haare und dem weißen Vollbart. Das Gesicht war eher häßlich als schön, und doch sprach es mich so vertraulich an,, wie wenn ich es schon oft gesehen und es mir lieb und werth wäre.' Nachdem er meinen Durst gestillt, meine Wunden besichtigt hatte, wobei eine Handbewegung andeutete, daß sie nichts zu sagen hätten , ließ er sich auf einen Baumstumpf nieder, der neben meinem Strohbündel lag, blickte mir abermals scharf in's Gesicht, und hob dann Mit leiser Stimme/ daß die draußen schreitende Wache nichts von unsrem Gespräche vernehme, an : „Wie heißen Sie, junger Mann? und was sind sie? und wie kommen Sie hierher? Auch die letzte Frage können Sie. mir getrost beantworten , denn ich bin weder Untersuchungsrichter, noch /Spion, bin auch kein Militärarzt, sondern nichts als ein bescheidener Dorf-Chirurg aus K., ganz aus der Nähe, der für Sie und noch einen Verwundeten, einen zum Tode Verwundeten, .der in dem angrenzenden Futterstalle liegt, herbeigeholt worden." Es war dies wohl eine lange Rede für den Mann, denn er holte: tief Athem .darauf, klang es doch wie ein tiefer Seufzer. ... Ich bat ihn noch einmal um einen Trunk Wasser/ dann nannte ich ihm meinen Namen und meinen -Stand/ berichtete ihm kurz von meiner Familie -und von den Vorgängen, die mich bis ^zu ' dieser Stelle gebracht. Mein Zuhörer begleitete meine Worte mehrere Male mit Kopfnicken, einmal.! mit den Worten: „Das stimmt!" /Nachdem ich geendet/ sprach er nach einer Pause: ,/Junger Mann,, ich will Sie nicht tadeln. Wer: sagt mns in dieser Zeit, - was - Recht / unv was Unrecht fei. Wir, wieim' ganzen Oberlande, waren keine Freunde des Aufstandes; sein Ziel war uns verdächtig; wir wußten, wie es -kommen würde/-': Unddaß er nach französischer Hülfe ausschaute/ machte uns ihm feindlich gesinnt.'-' Denn wir wissen, was wir für' Deutschland von : jenseits des Rheines zu erwarten haben; - Aber noch gehässigersind-uns diese Preußen, welche überall die junge Saatder Freiheit mit ihren Paradeschritten zertreten und' mitihren Kolbenstößen zerschlagen. Doch ich habe noch eine Frage an Sie.";< Bei diesen Wortenholte er etwas aus seiner Seitentasche hervor, und zu meinem Erstaunen •- gewahrte ich bei dem Lichte der Stalllampe, daß es das schmale blecherne Etui war, in welchem ich meine wenigen Papiere und die, kleine Summe von Kassenscheinen bewahrte, die ich von dem Gehalte, das mir Trutschler ausgeworfen, nachdem ich den größten Theil meiner Muttergesandt, übrig hatte, mrh das ich stets'auf der Brust trug. „Das Etui," fuhr er fort,'' „habe ich, als ich Sie untersuchte, zu mir genommen, damit es nicht in Unrechte Hände falle, und, ich sage es offen, um daraus zu ersehen, wer Sie sind. Das Etui, junger Mann,: hat Ihnen wahrscheinlichdas. Leben gerettet, die Kugel, die ihre Brust traf, prallte daran ab. Sie mußte allerdings nur matt sein, denn sie hat nur eine Vertiefung in das blecherne Etuigeschlagen, und: es ist nicht■ durchlöchert. Das Etui hat Ihnen daher auch nur eine Contusion auf der Brust beigebracht, deren Spuren nach, einiger Zeit sich von selbst verlieren werden. Und nun meine Frage. Sie heißen Schr., ist in Ihrer Familie kein anderer Name vorhanden?". Ich sann einige Augenblicke nach, und verneinte es dann. Da öffnete er das Etui, nahm ein vergilbtes Papier heraus, und schlug es auf. Es war das Testament meines Urgroßvaters.. Ich trug es als ein heiliges Erbstück meines Vaters mit mir. „Wie kommen Sie zu diesem Papiere?" inquirirte der Chirurg weiter. - „Es ist die Hinterlassenschaft meines Urgroßvaters." „Also doch! Aber auf/diesem Blatte steht die Unterschrift: „Juda ben Elkan, genannt Löb Schuster, von Brandeis.": Ihre Familie müßte ja Grandeis heißen?" „Das will ich Ihnen erklären. Mein Großvater, der Uri Schr. hieß/ kam nach dem Wohnort dieses Löb Brandeis und heirathete die Tochter desselben, meine Großmutter. Meine Familie heißt also Schr. und ich selbst trage den Vornamen des ehrwürdigen Schreibers dieses hochgehaltenen Documents."- „Und hatte Ihr Urgroßvater keine Söhne?" ■' - „Allerdings, sie Haben sich aber zerstreut und ich weiß nichts von ihnen." v . ' - - „Nun, so kann ich Ihnen etwas von denselben sagen. Ein Sohn' des Löb Brandeis wanderte in das Reich, wie man damals Süddeutschland nannte/ bis hierher, wo er in Kuppenheim

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