Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1874)
- Date
- 1874-12-08
- Page
- Seite 842 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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herrschenden guten Einvernehmens der Bewohner, ohne Unterschied der Konfession,' ist an ei«* gedeihliche Entwickelung-: dieser Angelegenheit nicht zu zweifeln, mag dann bie höhere Entscheidung ausfallen> wie sie wolle, so muß man doch den chiesigen: städtischen Collegien Dank iviffen, daß sie sich auf der Höheder Zeit zu erheben verstanden und für Gleichberechtigung gesorgt haben.; Oesterreich-Ungarn. r Wen, 16. November. Bekanntlich sind - Vorstandswahlen, in gewöhnlichen Zeiten keine Angelegenheit, die viel zu bedeuten und deshalb in weiteren Kreisen zu besprechen wäre. Allein zum Zeugniß, wie die Gegenstände, die jetzt einer Gemeinde vorliegen, sich vertiefen und mit Ernst auch von den Notabeln einer Gemeinde -betrieben werden, wird folgender Bericht der „N. fr. Pr." interessiren. Im. Saale der Handels-Akademie fand, gestern Abends eine Wählerversammlung der israelitischen Cultusgemeinde unter dem Borsitze des vr. Max Engel, behufs Anhörung von Eandidaten für. die am L9. d. M. .vorzunehmende Wahl von sechs Vorstandsmitgliedernstatt. Die aus dem. Vorstande tourmäßig austretenden Herren Dr. Ignaz Kur an da, lw. Ignaz Edler von Hofmannsthal, vr. Philipp Mauthner, Gustav Simon und Wilhelm F r a n k l. erklären sich bereit, eine Wiederwahl anzunehmen. Zunächst candidirte Herr Wilhelm Frankl: er huldigte jederzeit dem Fortschritte, aber seine reformatorischen Bestrebungen -gingen nie so weit, um religiöse Gefühle zu verletzen. Ebenso offen und mannhaft werde er aber, wie bisher, den reactionären Bestrebungen und der Heuchelei auf religiösem Gebiete entgegentreten (Bravo!). Herr Gustav S i m o n beleuchtet seine Thätigkeit in der Friedhofs-Commission und widerlegt die Gerüchte, als ob die israelitische Cultusgemeinde separatistische Gedanken hätte. Zum Schluffe erklärt Redner, daß es endlich gelungen sei, -die Parcelle auf dem Central - Friedhof um den Ankaufspreis der Commune zu erhalten , und daß der jüdische Ritus dabei gewahrt sei. Der Friedhof als solcher darf nicht berührt werden und bleibt so lange Eigenthum der Gemeinde, als der Friedhof überhaupt besteht. (Allgemeiner Beifall.) . Herr Wilhelm Guttmann meldet hierauf die Kandidatur des Herrn Max Schiff für. bie zweijährige Amtsdauer an. Hofrath -W e i l nimmt hieraus das Wort, um den Wünschen eines großen Theiles der Gemeinde Ausdruck zu geben:. Sein .idealistischer Gedanke -in Bezug auf die Creirung eines allgemeinen Central-Friedhofes sei zwar in Erfüllung gegangenaber er wünsche auch, daß die Pietät gewahrt werde; diejenigen, welche sich Ruhestätten -neben ihren Theuersten gewählt haben, sollen dieselben auch erhalten, ohne Rücksicht auf Grüfte -und eigene Gräber.- (Beifall.) Ein weiteres Verlangen -stellt Redner in Bezug auf Einführung von deutschen Gebeten und deutschen Gesängen in den Tempeln. (Bravo!) Er - empfiehlt dem Zwitterwesen -endlich ein Ende zu machen und .sich , nicht von.-einer Partei beherrschenzu.laffen, die das Anathema nur aus Gewohnheit gebrauche: .Wir.werden.so lange nicht von der Freisinnigkeit!-des-Vorstandes überzeugt: sein, bis unsere Wünsche erfüllt: sind. (Bravo!) Herr Wilhelm F r-a jiM giebt Aufklärungen in dieser Richtung. Die Pietät 'gegen die Todten werde gewahrt werden, die Wünsche .wegen Beerdigung in den Grüften und die schon früher bestellten eigenen Gräber werden volle Berücksichtigung durch die Gemeinde finden. . Der Vertrag mit der Commune konnte nicht auf ewige Zeiten abgeschlossen werden, denn die Zukunft verschließe sich ja jeder menschlichen Voraussicht. Was den zweiten Wunschin Bezug deutscher - Gebete anbelangt, so ist es eigenthümlich, daß gerade der. Vorstand dazu aufgefordert wird. Welchefurchtbare Agitation wurde - vor drei Jahren in Scene gesetzt, als der Vorstand einige Neuerungen auf dem Gebiete eines zeitgemäßen Gebetes einführte? Man mußte diese Bestrebungen aufgeben, wollte man nicht einen tiefen Riß in dem ganzen Wesender Gemeinde Hervorbringen. Die gegenwärtige Jugend werde sich aber nie in den alten Ritus hineingewöhnen, und die Minorität der Gemeinde sehe schon -ein, daß sie ohne Folgen die Majorität Lerrorisirt. Es sprechen noch verschiedene Redner, welche alle denselben Gegenstand erörtern, worauf zur Probewahl geschritten wird. Gewählt erscheinen die Herren: Wilhelm Frankl, Edler v. Hofmannsthal, Dr. Kuranda, Dr. Mauthn-er und Gustav Simon, für die zweijährige Amtsdauer Herv Max Schiff. - Wien, 24. November. (Privatmitth.) Ich -glaube zwar, daß Geiger kein besonderes Denkmal braucht DrmbT an gstpiüs». Seine Werke werden seinen Namen späteren Geschlechtern überliefern; nichtsdestoweniger bin ich gern bereit, den Vorschlag meines verehrten Freundes, des Herrn Neubauer - zu fördern, und erlaube mir zu diesem Zwecke 5 fl. beizulegen. Gestalten Sie mir eine Bemerkung daran zu knüpfen. Nehmen wir an, die Germania hätte bei Gelegenheit des Todes von David F. Strauß einen ähnlichen Bibelvers, wie die jüdische Germania beim Tode Geiger's citirt, welcher Sturm halle sich in der ganzen anständigen Journalistik gegen ein derartiges Vorgehen -erhoben! Wie groß wäre der Chillul Haschern, wenn man von dieser Execration der jüdischen Germania wüßte.^ Ich freue «mich daher, daß dieses Blatt nur einem kleinen Kreise Juden, also inira muros bekannt ist. Im Uebrigen kann man sich trösten. Das Anathema des Papstes hat heute keine Bedeutung mehr, und die Blitze aus dem Vatican haben ihre Kraft-verlorenum wie vielmehr die papiernen Flüche des Mainzer Blättchens! G. W. Wien, 25. November. (Privatmitth.) Zu Ihrem . Leitartikel in Nr. 4,7 über den Central - Friedhof laffen Sie mich hinzufügen, daß die Thatsachen sich ganz-anders verhalten,-als die öffentlichen Blätter sie darstellen. Der hiesige städtische--Gemeinderath hat sich große Verdienste erworben. Sein Vorgehen