Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1874)
- Date
- 1874-12-08
- Page
- Seite 840 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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"«• Oldenburg. 23. November.' Die „Oldenb. Ztg/'. meldet: „Vor^.'einigen Tagen verstarb'hier' ein Mann, dersich seit -einer langen-Reihe von Jahren 1 in seinem r. hiesigen Berufs kreise -stets Achtung-erworben?undder sich inweiteren Kreisens durch sein wärmet Interesse für die -politische Entwickelung Deutschlands in vortheilhafter Weise bekannt gemacht hat, der Landrabb. Wech sl er: Von -mehreren ihm nahestehenden Personen wurde gewünscht-' daß am Grabe desselben■ einige Worte-von einem zu solchem Liebesdienste qualificirten Manne geredet würden. Der Herr Pastor Späth erklärte auf eine dieserhalb an ihn ergangene Anfrage, es würde ihm eine Freude sein, dem ihm wohlbekannten und von ihm hochgeschätzten Verstorbenen diese letzte Ehre ^weisen.zukönnen. Vom Großherzogl. Oberkirchenrath würde die Geneh- Mßüng dazu erbeten/ -aber' diese hohe Äehörde chates für be-- benklich angesehen, daß' ein christlicher Pfarrer, der die Nächstenliebe zu''predigen hat, einem ehrenwerthen Angehörigen einer ändern Confession den Liebesdienst erweise/ den er,' in diesem Fälle nicht ex und in oküeiv fungirend , ihm so gern erwiesen hätte:'" Die Genehmigung wurde'verweigert. Bor hundert Jahren suchte- Lessing die Menschheit zu 'erlösen von der Herrschaft der Intoleranz und anderer Mächte der Finsterniß. Ob der wohl in manchen Theilen des protestantischen Deutschlands'noch unbekannt gehlieben ist?" Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat'aus Anlaß'dieses Vorfalls heute in den hiesigen ,',Nachrichten für "Stadt und Land" eine Erklärung 'erlassen, in welcher die Thatsachen mit dem Bemerken veröffentlicht worden, es müsse sehr ' im öffentlichen Intereste liegen, „den wahren Standpunkt der oberen evangelischen Kirchenbehörde im oldenburger Lande zu kennzeichnen. ' — Wie wir vernehmen, 'ist Pastor Späth Mitglied des' Protestantenvereins und steht an der Spitze des aus Orthodoxen bestehenden Oberkirchenraths der' Geh: Staatsrach Runde." (Wir berichteten vor einiger Zeit als Gegensatz, daß in Godesberg ein sehr strenggläubiger katholischer Geistlicher einem jüdischen Mitbürger eine' sehr' schöne, würdigende Leichenrede gehalten. Freilich, ob seine kirchliche'Oberbehörde es'gebilligt hätte, wenn er angefragt, bezweifeln wir.' -Redact.'» Karlsruhe/ 1 5. Nov. Hier ist jüngst ein Skandal, vor sich gegangen, üben welchen wir der Unparteilichkeit wegen ' den Bericht 'der /.Karlsruher Nachrichten" vom 13. Nov. wiedergeben : „Am 2: d. M. fand hier das Leich'enbegängniß des' Hrn. Ivsep'h Ältmann,' geistlichen Mitglieds des israel. Oberraths, der höchsten israel. Religionsbehörde' in Baden, unter außerordentlich starker Betheiligung statt. Drei Räbbinen hielten Leichenreden: Es ist nicht unsere Absicht, über dieselben en detail zu referiren/'nnd bemerken wir nur. daß dem „de niörtuis nihil nisi bene44 von " den Rednern gebührend Rechnung ' getragen wurde. Die schneidendsten Gegensätze in religiöser Anfchäüuüg und inder Art und " Weife, derselben' 'Ausdruck zu geben, welche bei 'dieser-Gelegenheit" 'hervörtraten/' sollen ' und 'dürfen jedoch nicht unerörte'rt bleiben. Herr Rabbiner Millstätter 'hielt 'sich lediglich' an die t>ö. Personalien des-Verblichenen und vermied In feinem' Takte, 'wie er es' - inseiner Stellungals hiesiger Rabbiner für angemiissen hielt, jede Berührung der 'hiesigen Gemeind'ezustände.* 'Herr Rabbiner Friedmann von Mannheim gedachte der Verdienste des Verewigten seines intimen Freundes, in warmen Wortenmit der' ihm' eigenen Beredsamkeit. Er rühmteseine religiöse Toleranz'/ und wie der Verewigte die golvne/aber auch dornenvolle Mittelstraße zwischen den Zeloten und Gleichgültigen eingehalten'-habe. Er nahm davon Veranlassung, die verschiedenen Parteien, die'sich hier bezüglich religiöser Anschauungen bildeten, zum Frieden zu ermahnen, da doch der Friede in allen jüdischen Gebeten als das höchste Gut-gezeichnet, und von den berühmten Religionslehrern dessen eifrigstes Festhalten und Erstreben jedem Israeliten zur Psticht gemacht worden sei. Ganz anders aber behandelt dieses Thema Herr Dr. Lehmann, der Itabbiner der orthodoxen Gemeinde in Mainz. Ihm ist der ' Friede nur ein - Gesäß, das erst durch seinen Inhalt Werth erhalte, und dieser Inhalt dürfe kein anderer sein, als der starre orthodoxe Glaube, das zah'erücksichtslose Festhalten auch an dem unbedeutendsten, veralteten Ritual. Wenn dieser köstliche Inhalt fehle, habe l das Gefäß keinen Werth." So giebt Redner/ gegen die Forderungen der Humanität sowohl, wie gegen Mt Satzungen der jüdischen Religion, stets seine Friedensliebe betheuernd, doch dem Unfrieden den Vorzug, falls der Friede nur durch Concessionen an die Forderungen der Zeit- und der Vernunft erhalten werden könne und den starren Wortglaüben beeinträchtige.' Und mit welchem Tone, mit welchen^ Gesticulationen wurden diese Auslassungen der Trauerversammlung in's Gesicht geschleudert. ' Man wurde durch dieselben unwiderstehlich an Göthes: „Ich Hab' es öfters rühmen hören, Ein Eömödiant könnt' einen Pfarrer lehren"-''erinnert. Wir enthalten uns einer jeden weitern "Bezeichnung'eines fölchen Auftretens in einer Gemeinde, in welcher der ‘ Sprecher sich als Gast zu betrachten hatte, dem' man auch nur 'als -solchem das Reden gestattete, und überlassen es dem Publikum, sich selbst ein Urtheil über eiü Gebühren zu bilden/ durch welches eine Leichenfeier,' gewiß die ergreifendste Veranlassung Frieden und Einigkeit zupredigen, züm Tummelplätze reßgiös-fanatischer'Leidenschaften herabgewürdigt wurde." '; ’ 1 - (Man sieht, diese neuorthodoxen Heißspörne sind ein völliger Abklatsch der Ultramontanen, ohne alle Originalität. Derselbe Mangel an wahrhaft religiösem und sittlichem Sinn- "die gänzliche 'Rücksichtslosigkeit gegen die heiligsten Gefühle/ die'unbedingte Herrschlust, welche jede andere Meinung mit Gewalt, niib Benutzung jedes Moments, wo der Gebildete' sie nicht hinäuswerfen kann/ unterdrücken will, dabei, dasselbe starre Verharren; in - den engsten Fesseln des Geistes und Gewissens! Mn, ihre Tage sind' doch'nur gezählt! " ' ' Redaction.) ' ' - Von der Rhön, 17. / November. (Füldaer Zeitung:) Dem israelitischen Cultüßvorstande zu'S.' würde ans ^wieverhoüe Anftage' vbm -Köüigl. Ländräthsämtezu Gersfeld' -unter'' d'eüi