Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1874)
- Date
- 1874-12-08
- Page
- Seite 839 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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S3S the.il,/die als, Basis, dieser. §der jener Glaubensmeinungr»in Anspruch genommen und beharrlich verfochten wird. "Noch heute erhitzen sich. von. Zeit zu Zeit die Gemächer über die Auslegung der chrrstologischen und messianischen Zeugnisse, Md wenn irgeyd ein Streich dem durch schnödes Gold in Schwung erhaltenen Misssonsschwindel den, Boden im.Fasse durchschlagen kann, so ist es die Verbreitung der altbewährten, wort- und 'sinntreuen jüd. Commentatoren, die selbst! dem verstocktesten" Hochkirchler , sofern er sich der. Wahrheit nicht gewaltsam verschließt, die Augen zu öffnen im Stande sind. Es ist also ein ganz gerechtfertigter Wunsch, wenn wir der Gesellschaft zurufen: „Möge, wenn auch Euer Anfang .bescheiden, Euere Zukunft eine blühend? sein- und auch bei uns möge schon einmal die reine Liebe zur Sachen die kleinlichen Nergeleien der Personen unterdrücken und unsere Gelehrten und Tonangeber es aks eine heilige Pflicht gegen unsere Vergangenheit erachten, die reichen Geistesschätze derselben vor Vergessen zu bewahren und größeren Kreisen zu erschließen! > - I. H. Ophm. Deutschland. Berlin, 25. November. (Privatmittheil. > Sie haben in voriger Nummer das Circulär des Vorstandes der hies. Gemeinde mitgetheilt, aus welchem der numerische und finanzielle Aufschwung dieser Gemeinde kennbar ist.: Gestatten Sie mir, aus der „Uebersicht des Haushaltes in den Jahren 1870,, 1871 und •1872“, die jetzt zur Vertheilung--an die Mitglieder gekommen, noch einige . Zahlen und zwar aus 1872 mitzutheilen. Die Einnahmen (einschließlich 15,276 Thlr. Cassenbestand) beliefen sich in diesem Jahre aus 145,79.7 Thlr., die Ausgaben auf 131,001 Thaler, so daß 14,795 Thlr. Cassenbestand verblieben, das finanzielle Gleichgewicht also vollständig war. Die Gemeindebeiträge beliefen sich auf 103,115 Thlr., woraus: abermals hervorgeht, daß die Gemeinde nur aus den Steuern der Gemeindemitglieder besteht und demnacheine Lockerung des Gemeindeverbandes die Gefährdung-aller betreffenden Interessen nach sich ziehen würde. Die Einnahme aus Zinsen der eigenen Effecten (649 Thlr.) und aus der Verwaltung der Grundstücke betrug nur 11,400^Thlr., ist also für den Bedarf der Gemeinde von nur geringer Bedeutung. Es versteht sich, daß der Umschlag In den vollständigen Gemeindebedürfnissen, ein viel größerer ist, da in dieser Uebersicht nur die Zuschüsse aus der! Gemeindecasse zu den einzelnen Anstalten der Gemeinde aufgeführt sind, a^o die Einnahme-und Ausgabe der einzelnen Anstalten in dieser'Bilanz nicht- Vorkommen. So erfordert an Zuschüssen die alte Synagoge 3486 Thaler, die neue Synagoge 8444 Thlr. und die Synagoge in der Kaiserstraße 408 Thlr., zusammen 12,339 Thlr. Die drei Schulen der Gemeinde bedürfen 19>223 Thlr. Zuschuß und die Armenanstalten mit der Altersversorgungsanstalt 24,600 Thlr. An Gehältern bezahlte die Gemeinde 22,352 Thlr. 'an Rabbiner, Vorbeter, Chordirigenten, Bureaubeamten und Nuntien. Wer diese Ueberstcht in.gllen . ihren einzelnen Posten studirt, kann sich, der Anerkennung .für die strenge Ordnung' und die zweckmäßige Organisationnicht .entziehen.,.... Wie sehr schade - wäre es, wenn--ein so tüchtiges! Werk, das sodielen berechtigten Bedürfnissen .genügt, wtj dqr Gelüste einigem Einzelnen willen lpankendund, brüchig gemacht werden sollte! — Das neueste Heft (October) des Centralblattes für' das UnterrichtSwesen bringt in einigen Rescripten in eclatanter Weise, daß die katholischen Schulen da, wo sich die Katholiken in der Minderheit befinden, ganz in derselben Weise behandelt werden, wie die jüdischen. In einem Falle wurde sogar die bereits geschehene Ertheilung des Charakters einer öffentlichen Schule, wieder zurückgenommen, weil es sich herausgestellt hatte, daß diese, bis jetzt als Privatschule bestehende kath. Schule nur von 33 Schülern besucht ward. Eine Unterstützung derselben aus städtischen Mitteln wurde nicht für erforderlich erklärt. .Man kann hierin also nichts weiter thun, als anerkennen, daß die ganze, in große Verwirrung gerathene Angelegenheit einer endlichen Regelung in einem allgemeinen Unterrichtsgesetze sehr, bedarf, damit man. endlich wisse, woran man in diesen Dingen sei. Der verdienstliche Mann, der jetzt an der Spitze des Unterrichtsministeriums steht, wird dieses Bedürfniß am meisten fühlenda sich die Gegenströmungen in den bestehenden und den wünschenswerthen, ja nothwendigen Verhältnissen zu oft bemerklich machen. Berlin, 25. Nov. Das hiesige Tageblatt schreibt über die Neuwahlen zu dem Repräsentanten-Collegium der jüdischen Gemeinden: „Im Saale der Gesellschaft der Freunde fand gestern Abend eine Vorversammlung behufs Besprechung über die am 1. December vorzunehmenden-Neuwahlen zudem Repräsentanten- Collegium der hiesigen jüdischen Gemeinde statt. - Die Versammlung war sehr zahlreich und fast ausschließlich von- Mitgliedern der liberalen Partei besucht. Herr Stadtrath Alexander Wolfs leitete. die Versammlung, die sich im Großen, und Ganzen für Wiederwahl der Ausscheidenden aussprach. Erfreulich war die Beobachtung, daß von allen Rednern oie Aufrechterhaltung des Friedens und der ^Einheit der Gemeinde'betont wurde; ein Umstand, der mit Hinblick auf die von mancher Seite sehnlichst erwartete Aufhebung des Corporationszwanges, sehr an Bedeutung gewinnt. Soll indessen. die jetzige liberale Strömung nicht aufgehalten Werden, dann ist.eine.energische Betheiligung der Wähler unumgänglich nöthig. Mögen dieselben daher am Wahltermine (I. Dec.) zahlreich zur. Stimmabgabe erscheinen.