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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-12-08 · Heft 50 (8.12.1874) · p. Seite 833

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 50 (8.12.1874)
Date
1874-12-08
Page
Seite 833 (sequence 3)
Language
German
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und.Eisenbahn -machen es aber gegenwärtig möglich, während eines solchen Zeitraumes: einen, oder mehrere.Rabbiner selbst von der Südspitze.. -Europa's herberzuholen. Gab es in der Nähe: oder in.einiger, Entfernung nicht Kollegen genug, nicht Freunde des - Verblichenen, welche auf die erste .Anzeige oder Aufforderung zu diesein Liebesdienste herbeigeeilt -wären? Wir könnten wohl ein halbes-Dutzend gar nicht fernwohnendex Rabbiner, nennen,? welche, sich, mit völliger Bereitwilligkeit hierzu verstanden hätten. Es-war die nächste -Pflicht des Vorstandes., dies zu . erstreben/ und'sttatt eine Erklärung gegen den Oberkirchenrath.zu erlassen, hätte es Wem Vorstande der jüd is ch e n Gemeinde viel eher angestanden, sich über dieses stein Verfahren zu rechtfertig e n. . Was wollte er denn eigentlich? Wollte er die College« des Verstorbenen als zu dieser Handlung ungeeignet: - bezeichnen? Oder wollte er ausdrücken, daß der Verstorbene.nicht.durch seine Glaubensgenoffen und Kollegen, sondern durch.-einen christlichen Geistlichen betrauert stein wollte? Beides trauen wir dem.Vorstände-micht gerade zu/ aber bethätigt hat er. es. Er hat hierdurch, abgesehen von allen ceremoniellen Bedürfniffen, das Gefühl seiner -Glaubensgenossen-aufs Tiefste verletzt und sich gewiffermassen von denselben abgesondert; er hat die. Achtung und Würde seiner Religion völlig aus, den Augen gesetzt und sie, soweit es an ihm ist/compromittirw Denn hiermit war es durchaus nicht ausgeschlossen, daß Herr Pastor Späth als Freund, des Verblichenen am Grabe reden und seinen Gefühlen-Worte leihen tonnte. Das wäre gewiß ein. schönes Zeugniß beiderseitiger Wertschätzung gewesen und hätte herzliche Befriedigung hervorgerufen. Aber daß der- Vorstand als solcher ihn officiell zur Abhaltung der officiellen. Leichenrede und ihn allein ohneirgend einen Kollegen .Wechslers aufgefordert — dies brachte die. Sache in eine ganz - andere, undzwar verkehrte Lage. Denn dies erklärt zugleich, ^warum. Pastor Späth um wie Erlaubniß bei der Vorgesetzten^Behörde einkam. Es war. so zu einer, amtlichen Handlung/zu einem officiellen Acte wes .christlichen Predigtamtes geworden. Als Freund am Grabedes Freundes zu sprechen; hätte: er wohl schwerlich Anstand genommen; aber in seinem amtlichen^. Charakter 7 dem. jüdischen Leichenbegängnisse - die christliche Weihe zu geben,- war etwas Anderes. Hieraus endlich erklärt sich - auch . die Weigerung des- Oberkirchenraches. Dieser. hätte zwar -humaner und zugleich klüger gehandelt, wenn er Herrn Späth j gesagt. hätte: Als Freund an der. Gruftdes-Freundes zu sprechen/ ist unverwehrt, aber als christlicher Prediger in - amtlicher Function, kann es nicht gestattet werden. .Jedenfalls aber hat. er/ein-Motiv.für steine Weigerung, das? er gerade demjüd. Vorstande in die-Schuhe schieben kann, und das er wem letztem auchnicht -ersparenwird. --- Er -wird nhm - sagen /wollt .Ihr Functionen des ' i christl. Mirchenamtes, so - werdetzuvor - Christen. > - Wir. haben vor-einiger-Zeit, mitzucheilen.gehabt, -wie.-in einer Landgemeinde der-dortige Pastor/ als ihn die. Juden:,um eine Leichenrede!bei eiüerki.jüvffchenftFra«^gebeten,:wie.Geleg.enhM wahrgenommen, am offenen Grabe. auf' das? Judenthum, und bie - Juden ’ nachdrücklich zu-schmähen>. und zogen daraus diestNahnung, daß unsere Glaubensgenossen bei. solchen; Gelegenheiten vorsichtiger sein, und den Anstand, und die Würde ihrer Religion sorg-, faltiger berücksichtigen sollten. . Es wäre , nun sehr ungerecht, derartige-Vorwürfe weiter als auf die einzelnen Vorkommnisse auszudehnen. Bei einer so außerordentlichen Zerstreutheit wie bie* im welcher die Juden.leben, findet es sich.wohl, daß Einzelne, oder auch Korporationen in einer einseitigen, .Absicht stehlgreifen. Zu. warnendem Exempel aber müffen derartige. Fälle nach allen Seiten dienen. Bemerkungen üder Eduard von Hartmann: Die Selbstzerfetzüng des Christenthums und die' Religion der Zukunft. Berlin, 187 4;; UI. *) - , . Das Verhältniß des Judenthums und des Christenthums war. feit achtzehn Jahrhunderten ein feindliches. Ob das erftere sichdabei zumeist nur passiv .verhielt, lange Zeiträume hindurch nur .mit .sich selbst beschäftigt, war, so daß es, .jeden AMiff vermeidend, nurin . der Verneinung des gegenüberstehenden Christenthums und in der.herausgeforderten Abwehr seine, polemische Thätigkeit übte, Minderte, die Feindseligkeit, des Christentums gegen dasselbenicht. - Es wäre weshalb ein grober. Jrrthum, diese aus die Vernichtung des -Judenthums ausgehende Haltung . des Mristenthums blos als eine nationale^ persönliche, .oder-.zeitliche anzusehen. - Dazu spielten die Judenallzeit eine zu geringe Rhlle in dem großen. Ganzen der europäischen Welt und erweist.wie ununterbrochene Konsequenz, die sich; in -den eigentlichen. Anhängern des Christenthums , noch heute bewährt, ,d.aß ein viel tieferer Grund vorhanden war unv ist. / Obschoy^ daher das Christenthum steine ersten Wurzeln, im Judenthum., und einige Elemente aus-demselben entnommen hat, finden doch so wesentliche Unterschiedezwischen ^beiden statt, daß das Christenthum die Existenz des Judenthums. nicht zugeben wollte, daß es. in, chm einen Gegensatz sah, den es, möglicher Weise völlig beseitigen wollte. - Für, den unparteiischen Forscher mußte dieser Drang stm Christenthume, der.sich bei,wer unermeßlichen, Gewalt, wie es er? warb undbesaß, dennoch keine ,Befriedigung zu verschaffen vermochte, also eigentlich eine. wMndige. .Niederlage,; erlitt, immerhin ein Zeugniß gegen den universellen.Charakter des Christenthums sein, und ihn dieses , doch nur als eine begrenzte Erscheinung an- *) In Nr. I u. II-dieses Artikels Nr/ 49 bitten wir l zu verbessern: S..8I6 Sp. t Z. 8 v. «. .lies: „Culturkamps". — Sp. 2 Z. tz v. o.:. „äußerliche". — S. 818 Sp. 1 Z. 9 v. o.: „ihm^.,.—' Z. 16.: „Entfaltung" tnicht /Enthaltung"). — Sp. 2 Z. 10 v/n.: »Machthaber". /. i:vr;.1..' . ...

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