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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-12-01 · Heft 49 (1.12.1874) · p. Seite 823

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 49 (1.12.1874)
Date
1874-12-01
Page
Seite 823 (sequence 9)
Language
German
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Aus Oesterreich, 16. November. (Privatmitth.) Der ungarische Landtag ist wieder versammelt, aber von einem menen Anträge auf Errichtung einer Rabbinerbildungsanstalt ist nicht die Rede. . Dev Ungarische Uuterrichtsminister hat weder seinen kundgegebenen Willen,' die Anstalt trotz^des Unterhauses zu errichten, ausgeführt, noch einen Antrag bis jetzt eingebracht. Die Sache ruht also völlig, und kann noch lange ruhen. Denn von der andern. Seite HÄ! sich, auch nicht die geringste Lust geregt, die Anstalt wenigstens vorläufig aus eigenen Mitteln herzustellen, obgleich .sie dann als tatsächlich bestehend auf sofortige Unterstützung aus dem jüdischen Landesschulfond zu rechnen' hätte. Es scheint also, daß unsere ungarischen Glaubensgenoffen die Ausbildung von Rabbinern doch immer noch nur als einen Luxusartikel ansehen, zu dessen Beschaffung selbst eine Niederlage durch, ihre orthodoxen Gegner sie nicht anzutreiben vermag. Ein ähnliches sonderbares Schauspiel bietet das Project einer gleichen Anstalt in Wien. Das Unterrichtsministerium hatte es beschlossen, der Reichsrath dazu Geld bewilligt, aber die Ausführung läßt noch heute auf sich warten und Niemand ist da, der diese Angelegenheit energisch anrege und verfolge. Mögen die Orthodoxen in ihrer Selbstverblendung immerhin darüber triumphiren: der Nachtheil trifft ihre Sache in noch größerem Maaße, als die, welche sie bekämpfen. Je starrer die Orthodoxen der Entwickelung des positiven Judenthums sich entgegenstellen, desto schneller iverden sie sich von den aufwachsenden Geschlechtern verlassen sehen. Frankreich. Paris, *5. Nov. Die Generalversammlung der Advokaten an den Gerichtshöfen von Algier hat abermals Herrn Honel, unsren Glaubensgenossen, zu ihrem Stabträger erwählt. — Der Moniteur de-l'Algsrie prüft in seiner Nummer vom 28. October die ökonomischen Einwirkungen, -welche die französische Herrschaft auf. die verschiedenen eingeborenen Racen geübt hat. Er hebt die Trägheit und Indolenz der muselmännischen Bevölkerung, die unermüdliche Thätigkeit der Juden in der Industrie und dem Handel hervor. Er sagt: „Indern wir zugleich mit der Höhe unserer Künste -und Gewerbe die Theuerung der Lebensmittel hierherbrachten, können wir von den: eingeborenen Israeliten, diesem seit undenklichen Zeiten durch Verfolgung aller Art geprüften Stamme, 'der gewöhnt, sich einzuschränken und von den Umstanden Vortheil zu ziehen,, nur sagen: Hier ist die Aera der Arbeit und des Kampfes, Jeder entfaltet feine Energie; der Wohlstand knüpft sich an die individuellen Anstrengungen; wer sich der Schwäche ergiebt, ist verloren. Aber wir könnendasselbe nicht von den Muselmännern sagen. Diese waren, wie sie uns überkommen, wenn man sich so ausdrücken darf, kein zum ManneSalter gelangtes Volk." . Dies klingt doch anders, als wenn man viele andere französische.Journalisten hört, welche die muselmännische,Pevölkerung uns'Kosten der jüdischen mit Lob überhäufen, wenn sie die Gleichstellung der letzteren bekämpfen. Niederlande. Mastricht, 14. November. (Schw. M.) Hier fanden bei der Beerdigung eines Israeliten ärgerliche Ruhestörungen ‘ durch den fanatisirten katholischen Pöbel statt, und nur der äußersten Zurückhaltung des jüdischen Geistlichen und der nächsten Angehörigen des zu Beerdigenden war es zu danken, daß es zu keinen Thätlichkeiten gekommen ist. Uebrigens hat das Gericht die Sache in die Hand genommen unddie Ruhestörer werden der verdienten Strafe nicht entgehen, obwohl es zu bedauern ist, daß die moralischen Urheber auch hier , wie bei ähnlichen Gelegenheiten, frei ausgehen. Ein erfreulicher Beweis dafür, , daß den ultramontanen Anmaßungen gegenüber die Nachsicht doch ihre Grenzen hat, liegt darin, daß gegen verschiedene Geistliche, welche in Mastricht den Verordnungen , des Code Napoleon zuwider Procesfionen auf öffentlichen Plätzen veranstalteten, gerichtlich eingeschritten werden wird, und dies, wie man vernimmt, auf directen Befehl des Justizministers. Italien. Aus Mittelitalien, 12. November. (Privatmitth.) ‘ Bei den nicht besonders lebhaften Wahlbewegungen der jüngsten Wochen hatte man Gelegenheit zu bemerken, wie sehr der Italiener bei Würdigung der zur politischen Repräsentanz geeigneten Männer von der Confession derselben absieht. Sämmtliche in das vorige Parlament gewählten Deputirten unserer Confession meldeten sich auch diesmal als Candidaten; die hervorragenderen, als Maurogonato, Luzzatti, Morpurgo, wurden ohne Weiteres gewählt; ja sogar ihre vor dem Wahltage vor ihren Wählern gehaltenen Reden wurden als wichtige Ereignisse in allen politische Tagesblättern abgedruckt. Die übrigen sind zwar noch nicht definitiv gewählt, allein sie erhielten in den am 8. l. M. stattgehabten Wahlen so viele Stimmen-, daß sie in den auf den 15. l. M. anberaumten Ballottirungswahlen je mit einem ihrer Competenten zum Ausschlag zugelassen sind. Bemerkenswerth ist vabei, daß in den meisten solcher Wahlcollegien gar keine israelitische Bevölkerung vorhanden ist/ -- In Rom ist diesmal Herr Samüel Alatri, bereits sehr einflußreiches Mitglied der römischen Communal-Adminiftration-, auch zum Deputirten für das zweite Wahlcollegium von Rom vorgefchlagen worden. Auch die Wahl, dieses Mannes soll in den am 15. l. M. zu wiederholenden Wählen'entschieden werden. -?■ Da ich eben mit meinen Gedanken auf einige Monate zurückgeschritten bin^ will ich auch bemerken, daß eine unfern Glaubensgenossen, Herrn Graziadio Ä. Ascoli, Professor am akademischest Institute zu Mailand sehr ehrende Thatfache in Ihrem

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