Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1874)
- Date
- 1874-12-01
- Page
- Seite 822 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Tagen seine Gattin im Tode vorangegangen. Biele Jahrzehnte hat Wechsler eifrigst seinem Amte obgelegen und sich um die Israeliten unseres Landes große Verdienste erworben. Er war ein entschiedener Verfechter der Reform mit Wort und That, ein überzeugungstreuer und offenmnthiger Mann. Erschienen von ihm sind einige Predigten und Broschüren, sowie einige Artikel in dieser Zeitung und in Geiger's Zeitschrift. Er hatte sich die Hochachtung Aller erworben, welche mit ihm in Berührung kamen, besonders auch der höchsten Behörden des Landes. Sein Andenken wird noch lange segensreich wirken. Aus Württemberg, im Novbr. (Privatmitth.) Wenn dieses Blatt schon seit längerer Zeit nichts über die hierländischen Verhältnisse zu registriren hatte, so trägt keineswegs die Saumseligkeit des Berichterstatters hieran die Schuld; auch heute sind es nur einige Personalien, die den Referenten an den Schreibtisch führen. — Durch den Tod des Herrn Rechtsconsulenten Steiner ist das Amt eines Collegialassessor bei der Königl. Israel. Oberkirchenbehörde in Erledigung gekommen und wird wohl Herrn Rechtsanwalt Schmal, einem talentvollen israelitischen Juristen, der dies Amt schon seit einiger Zeit interimistisch versieht, definitiv übertragen werden. — Der Sitz des Rabbinats Jebenhausen ist nun definitiv nach'Göppingen verlegt worden, woselbst der Rabbiner, Herr Herz, schon seit mehren Jahren unter Genehmigung des Königlichen Cultusministeriums seinen Wohnsitz genommen hatte. — Das durch die Berufung des Herrn Dr. Wassermann.als Kirchenrath und Rabbiner n^ch Stuttgart in Erledigung gekommene Bezirksrabbinat Mühringen (württemb. Schwarzwald) ist durch Königl. Cultusministerium Herrn Rabbiner Dr. Silberstein in Buttenhausen übertragen worden. Die Gemeinde B., die sich bedeutende Opfer aufzuerlegen Willens war, um ihren Rabbiner sich zu erhalten , bereitete demselben vor seinem Abgänge eine erhebende Abschiedsfeier, an der außer sämmtlichen Gemeindemitgliedern auch -angesehene Christen, Geistliche u. s. w. Antheil nahmen; als Zeichen ihrer Anerkennung überreichte ihm de.r Vorstand hierbei Namens der Gemeinde einen prachtvollen silbernen Pokal. Auch in Möhringen, seinem neuen Rabbinatssitze, wurde Herrn Dr. Silberstein ein solenner Empfang bereitet. Vorsteher und Lehrer des Bezirks reisten ihm nach Tübingen entgegen und geleiteten ihn nach seinem neuen Wohnsitze; Böllerschüsse, unter denen sein Einzug in Mühringen erfolgte, Guirlanden und zahlreiche Transparente, die das Rabbinatshaus schmückten, die prachtvolle Beleuchtung, in per dasselbe am Abende sich präsentirte, Mufik- und Gesangständchen, die dem Gefeierten gebracht wurden, insbesondere aber die schöne Ansprache, die der Lehrer und 'Vorsänger, Herr Pr? aus R., Namens der Gemeinden des Schwarzwaldes an Herrn Dr. Silberstein in seiner Behausun'g hielt und die von letzterem mit paffenden Worten erwidert wurde, zeugten von der ungekünstelten Herzlichkeit, mit'der die Gemeinden ihren neuen Rabbiner entgegenkömmetl. Am Samstag fand die feierliche Einführung desselben statt, zu der gleichfalls einzelne Vertreter von Auswärts erschienen waren. , Bonn, 20. November. (Notizen.) Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer in Essek theilt uns freundlichst den viertem Abschnitt K 1 und 3 seiner 1869 erschienenen Schrift: „Die jüd. Ehe nach mosaisch-talmudischen und den in Oesterreich bestehenden Ehegesetzen" abschriftlich mit, in welchem ausführlich die Gebräuche und Vorschriften, welche bei der jüdischen Trauung in der talmudischen und nachtalmudischen Zeit bestanden, beschrieben werden. Da der Autor ungefähr zu demselben Schluffe kommt, wie wir in unserm Leitartikel in Nr. 46, so gestattet uns der Raum einen Abdruck dieses Abschnittes nicht, und verweisen wir nur diejenigen unsrer Lesei: darauf, welche sich für den Gegenstand noch besonders interessiren. — Herr Dr. Marx in Gleiwitz macht uns darauf aufmerksam, daß in Geigers Zeilschr. von 1836 S. 2—21 ein Artikel enthalten sei: „Gründung, einer jüdisch-theologischen Facultät, ein dringendes Bedürfniß unsrer Zeit." Dieselbe war uns unbekannt geblieben. Oesterreich-Ungarn. Wien, 15. November. Es ist durchaus irrig,»wenn man annimmt, daß es eine -Nachgiebigfeit des Gemeinderathes hiesiger Stadt gegen die Wünsche der jüdischen Gemeinde gewesen sei, wenn er ihr gegen Zahlung eines bedeutenden Capitals ein Stück des neuen Friedhofs abtrat. Das System, welches der Gemeinderath mit kurzer Hand für den Friedhof beschlosien hatte, erregte einen solchen Sturm und verletzte so viele zu Tage liegende und berechtigte Interessen, daß er froh war, in dem Anträge der jüdischen Gemeinde einen Ausweg zu finden, der .ihn aus dem Dilemma herausführe. Für diesen guten Dienst, den die Juden hiermit der Allgemeinheit nach deren jetzigen Zuständen und Bedürfnissen geleistet haben, wird ihnen nun noch obendrein Vorwurf über Vorwurf gemacht. Denn daß nicht übertriebene Rücksichtnahme auf die Wünsche der Israeliten den Gemeinderath bei seinem Vorgehen leitete, daß er vielmehr sonst berechtigte Ansprüche derselben unbeachtet läßt, werden Alle, welche die Verhältnisse kennen, unbedingt zugeben müssen. Zur Jllustrirung 'dieser Behauptung sei hier nur ein Fall von vielen hervorgehoben. Eine hiesige Communal-Mittelschule wird seit ihrem Bestände vorzugsweise von jüdischen Schülern besucht'(die;Zahl-der jüdischen Frequentanten verhält sich in der Regel zu-jener der christlichen wie 75-zu 25); nichtsdestoweniger besoldet;bie'^(5ontmune aus den allgemeinen Steuergeldern einen katholischen Religionslehrer mit vollem Gehalte und weigert sich trotz aller Reklamationen beharrlich, auch einen jüdischen zu bestellen, obwohl zu der moralischen Verpflichtung, die sie immer hatte, durch das Gesetz vom 20. Juni 1872, noch dierechtliche getreten ist. 'Man sieht'auch hierin, wo die Juden zahlen, werden, sie lberücksichtigt; wo man für sie etwas zahlen soll,' geht man über sie hinweg.