Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1874)
- Date
- 1874-11-24
- Page
- Seite 805 (sequence 7)
- Language
- German
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rkoch)--viele Rabbiner von 'den Landgemeinden.angestellt. hat gegenwärtig ber;.: Sprengel von Straßburg.-außer seinem.! Großrabbiner noch .neunzehn Gemeinderabbiner, der Sprenget von Colmar ebensoviele, der Sprengel von Metz merkwürdiger Weise nur einen, und der Theil des Sprengels von Nancy, der seit der Besitznahme zum letzteren geschlagen worden, keinen, nachdem Herr Bigart aus Pfalzburg.zum Großrabbiner < von Metz erwählt worden, also zusammen zweiundvierzig fungirende Rabbiner. Freilich würde das Bedürfniß, wenn sich die Zahl der Stellen ungefähr gleich bliebe, dadurch jährlich auf etwas mehr als einen, kaum'zwei Herausstellen; allein, wenn das beabsichtigte Rabbinerseminar tüchtig würde, so könnte es. immerhin die von ihm ausgebildeten Zöglinge auch an Deutschland abgeben. Es wird daher darauf ankommm, wie es eingerichtet, und mit welchen Lehrkräften es ausgestattet würde. Allerdings ist der Bildungsstand,, also auch das Bedürfniß der meisten elsäfsischen Gemeinden, weit von dem solcher deutschen Gemeinden entfernt, welche einen Rabbiner anzustellen pflegen. Allein eine umsichtige und von wissenschaftlichen Tendenzen geführte Leitung eines solchen Instituts.vermöchte schon den richtigen Pfad zu finden. Für das Rabbinerseminar in Paris würde die Errichtung eines elsäfsischen mit der selbstverständlichen Bedingung, daß allein von ihm gebildete. Zöglinge im-deutschen Reichslande Anstellung fänden, so ziemlich einem Todesstreiche gleichen. Denn bei der 'geringen Anzahl, von Rabbinerstellen in Frankreich selbst — man zählt jetzt dort sechsundzwanzig*) — würde das Pariser Seminar Nicht wissen, wohin es seine Zöglinge wenden solle, und dies hieße mit anderen Worten, es würde solche nicht mehr finden. Dies wäre nun freilich für die deutsche Regierung kein Beweggrund, ihre Absicht fallen zu lassen, doch müssen wir einstweilen deren Verwirklichung noch abwarten.; Posen, im October. In feinem „Versuch einer Posener Statistik (XIX.)" bemerkt Dr. Landsberger in confessioneller Hinsicht: „Von hervorragendem Interesse ist auch bei der Sterblichkeit der verschiedene Antheil der Confessionen, zumal ihnen in unserer Stadt zugleich , die Bedeutung eines verschiedenen Wohlstandes zukommt. Von. den 1.7,677 Verstorbenen des letzten Jahrzehnts gehören nur . 5666 oder 32,0 pEt. der evangelischen .. 10744 61,2 - katholischen und nur 1217 6,8 - - jüdischen Bevölkerung an. Man vergleiche dagegen den Antheil der Confessionen an der gesammten Ci.vileinwohnerschaft,-Evangelische 32,5-, Katholiken 52,1, Juden 15,2, und man wird auch hier das Gesetz bestätigt finden, daß die Evangelischen sich fast ganz ^*) Abgesehen von den sechszehn Rabbinern Algeriensdie, mit Ausnahme» der Großrabbiner, Eingeborne sind, und von den Gemeinden schwerlich durch französische ersetzt werden, wie. bereits in der Provinz Constantine kein einziger, officiell anerkannter Rabbiner be. steht. ' Co rresp. genau nach.ber.Bere.chnung verhalten, wahrend die. Katholiken sehr bedeutend zu ihren Ungunsten,hinter der verlangten Ziffer Zurückbleiben, die Juden aber den ganzen Ausfall ^durch überschüssige. Gesund heit.decken. - Dieses; Mißverhältniß. tritt-: in folgender Zusammenstellung noch deutlicher hervor! es starben von hundert Einwohnern überhaupt 3,69, dagegen , - - evangel. Bewohnern 3,66 - kathol- " - 4,36 - . - jüd. ,*■ - 1,66. Ein leichtes Rechenexempel lehrt, daß die Sterbeziffer bei den verschiedenen Claffen und Confessionen sehr verschieden lautet, daß sie bei. den Juden nur 16, bei den Protestanten 36 und bei den Katholiken nicht weniger als 43 beträgt. In Posen werden auf.100 Mädchen 1057 Knaben geboren. Interessant verhalten sich in diesem Punkte die einzelnen Confessionen. Je wohlhabender eine Bevölkerung, um so mehr Knaben werden, in ihr geboren, und es kommen auf Posen auf 100 katholische Mädchen nur 1023 neugeborene Knaben, dagegen, auf 100 jüdische Mädchen bereits 1076 neugeborene Knaben. Äm letzten Jahrzehnt war das Sterbeverhaltniß folgendes: Auf 100 Weiber überhaupt kamen 108,8 Männer - - evangel. Weiber - 113,1 - , - kathol. - - 105,5 - - - jüdische - - - 119,2 - Guhrau^im November. Der durch die Zeitungen veröffentlichten Aufforderung au seminaristisch g e b i l d e t e R e ctoren zur Bewerbung um das Rectorat an hiesiger.evangel. Elementarschule hat bis jetzt nur ein einziger Bewerber entsprochen und seltsam genug— ein Israelit. Da aber an besagter Schule das sogenannte Fach-System nicht in Geltung ist, vielmehr jeder Lehrer verpflichtet ist, namentlich den Religionsunterricht in derjenigen Classe zu ertheilen, als dessen Ordinarius er zu betrachten ist, so hat sich der Magistrat für verpflichtet erachtet, dem Angebot einen ablehnenden Bescheid entgegenzubringen. (So wird es wohl bei der großen Mehrzahl der evangelischen. Schulen stehen.) Gießen, 15. November. (Privatmitth.) An der hiesigen Universität lehren jetzt zwei jüdische Docenten, der ordentliche Prof. Dr. Perls, Pathologie und der außerordentliche Prof. Dr. Pasch, Mathematik. Breölau, 3. November. Am Sonntag fand in der neuen Synagoge Hierselbst aus Anlaß des Todes des Rabbiners Dr. Abraham Geiger eine Todteufeier statt. Eine große Anzahl von Gemeinbemitgliebern hatte sich zu dem Gottesdienste eingefunden. Die Synagoge war mit Trauer-Insignien aus? gestattet, der Aufgang, zum Allerheiligsten mit schwarzem Tuch ausgeschlagen, die Gaskandelaber mit Flor umwunden. Rabbiner Dr. Joöl hielt die Gedächtnißrede, in welcher er die Verdienste Geigers um die Reform des Judenthums, seine Leistungen, auf