Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1874)
- Date
- 1874-11-24
- Page
- Seite 802 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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heit''des Gesekes wird schori am Beginne nämlich der dem Auszüge äüs Egypten (2 Mos. 12, 49) und dann an vielen Stellen gefordert und dabei,' um jede Zweideutigkeit zu vernieiden,-jeder für "das .Recht" gebräuchliche - Ausdruck!(fmn ,npn ,wvw72) verwendet. 'v ' Zum Schluffe dieser höchsten sittlichen Principien stellt sich uns/ wie von selbst, der' Schlußsatz in der Schlußrede Moses vor" seinem "Tode (Cap. 29. 30) dar; nämlich'5 Mos. 30, 19: .' : mnm ribbpm -pDD‘V'^rtro nram o^nfr „Das Leben und den Tod legte ich euch vor,' den Segen und den Fluch, wähle das Leben." 'Am'Schluffe der ganzen Lehre und des ganzen Gesetzes erkennt Moses feierlich die Willensfreiheit des Menschen an. Mitten in den Verheißungen und Strafandrohungen, mitten in den'Geschicken, welche das Volk Israel'bis dahin erfahren hatte und die ihm in großen Umrissen für seine Zukunft verkündet worden, steht" ihm die Wahl des Weges, den es einschlagen und einhalten will, seines Thuns und Laffens frei. Dies ist sehr bezeichnend, und stellt den Menschen so recht als willensfrei, trotz her Bedingungen des Naturgesetzes und der Fügung der göttlichen Vorsehung, die ihm seine Lebensverhältniffe züm großen Theile schafft, hin, so in der Tiefe die Lösung aller der Fragen enthaltend, welche bei diesem' Gegenstände zur Berücksichtigung kommen. Es liegt hierin der Gegensatz zu der Lehre von der Prädestination und' der'Gnadenwahl, welche in den beiden Töchterreligionen heimisch wurden. An diese Reihe von objektiven Aussprüchen schließen sich nun als ebenso objektiv gehalten, aber in die speciellen Gebiete des Menschenlebens sich versenkend, die zehn Gebote, die hier weiter zu erörtern nicht der Platz ist. Das h. Wort schließt sie selbst als ein abgerundetes Ganzes aus der Maffe des Gesetzes - aus.*) Ebenso ist es selbstverständlich, daß sich in der heiligen Schrift noch außerordentlich viele objektive Lehrsätze finden, die sich als solche ausdrücklich zu erkennen geben. Wenn z. B. das Buch Hiob' 28, '28 als das Ergebniß einer langen Diskussion den Satz aufstellt und Gott in den Mund legt: „Siehe die Furcht des Herren ist Weisheit'und das Böse meiden Einsicht;" wenn Koheleth zu dem Schluffe kommt (12, 7): „Der Staub kehre zur Erde zurück,'die er gewesen, der Geist aber kehre zu Gott zurück, der ihn gegeben", und dann in der hinzugefügten '' *) Nicht blos m der Form rmd in der Fassung der' Einzelsätze, .sondern .auch in ihrem Inhalte geben, sich die zehn Gebote als, objectiv und für die gesammte Menschheit bestimmt zu erkennen, selbst was das vierte (der Sabbath) betrifft. Der Beweis hierfür ist auch geschichtlich . geführt, da sie von der ganzen civilisirten Welt als ein -Grundgesetz angenommen worden. -Gerade hierdurch istlauch erwiesen,, daß die Religion' auch in die Gesellschaft, in das sociale. Wesen sich,einzusenken habe; denn die Heiligkeit des Eigenthums z. B. ist ein Fundament der Gesellschaft Zu-bemerken ist endlich, daß der objectiven Fassung in den.Geboten 1-^-5 (nach jüdischer Eintheilung, die allein dem Texte ' entspricht), ein subjectives Moment hinzugesügt ist, dem ersten und vierten nämlich eine Erklärung, dem zweiten und dritten eine Strafandrohung/dem fünften eine-Segensverheißung. --■■■«■<■. Schlußrede zu dem Ergebniß (&: 13): .'/Das Ende aller.'Lehre laßtuns hören: Gottfürchte und seine Gebote halte:!. Das .gilt für' alle Menschen"; wenn das Hohelied zudem eigentlichen Schluffe kommt (8, 6. 7 -: ,-Stark wie der-' Tod ist die Hiebe, fest, wie die Unterwelt, ihr-Eifer; ihre Gluthen, Feuer-Gluthen, Gottesflamme. Große Wasser vermögen - nicht zu -löschen die Liebe- und Strömefluchensienicht -hinweg.- -Gab' auch ein Mann allen Reichthum seines Hauses um die-Liebe , verspotten würde -man ihn V'-: wenn Jeremias - (Klage!. 3> -22 >.> mitten feinen verzweifelten Klagen fein Gemüth zur« Tröstung -und Aufrichtung zurückruft und trotz alles - erlittenen Elends ausruft: „Seine Barmherzigkeit ist niemals zu Ende; -neu ist . sie alle Morgen, und groß-ist Deine Treue"; und hieran - bis-zum-Ende des Capitels eine -Reihe von Trostes- und Gebeiworten - fügt-; wenn Michah 6, 8 ausrüft: „Verkündet hat er dir o-Mensch, was gut und was' der -Ewige von dir fordert: - nur Rechte-zu üben und Huld zu lieben und demüthig zu wandeln mit deinem Gott", und dies-sich an den Ausspruch Moses (5 Mos. dv, 12h anschließt, mit welchem - dieser einen Absatz beginnt: >,Und nun, Israel, was fordert der -Ewige, dein Gott, von dir; als daß du ehrfürchtest den Ewigen,- deinen Gott, in allen seinenWegen -wandelst, und ihn liebest, und dem Ewigen,- deinem Gotte/ dienest mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele" -werden hier ■ zweifellos objektive Lehrsätze gegeben, wie an^unzähligen andern Stellendie zum allgemeinen - und - speciellen Ausbau der Religion unentbehrlich und von ^außerordentlichem Werthe, aber nicht so fundamental find, wie -die von uns: oben- 'angeführten und zusammengestellten. . - . . . Das Bedürfniß, welches wir -am Anfang 'dieses Aufsatzes als von unserer Zeit gebeben bezeichnet haben^ nicht etwa Glaubensartikel zu formuliren, und sie als-bindend aufzustellen; wohl aber autoritative Lehrsätze hervorzuheben, -welche, das-Wesens unserer Religion für den Bekenner derselben und den- -Forscher überhaupt, sowie für den Gegner sofort in's Licht stellen«--und definiren, dieses Bedürfniß ist wohl durch die obige-Zusammenstellung objectiver Bekenntyißsprüche, wie siedie «heilige Schrift selbst als solche darbietet, auf die einfachste-«Weise befriedigt. Fragst Du, oder fragt Dich Jemand : welche sind ,die Grundlehren des« Judenthums? so brauchst Du nur auf diese Bekenntnißsprüche zu blicken oder zu verweisen, um die volle « Antwort zu haben. - Sie geben zugleich klar zu erkennen, -in wie weit das Judenthum Gegensatz zum Pantheismus und Polytheismus und in wie weit es von anderen Religionen-und religiösen Erscheinungen unterschieden und geschieden ist. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 20. October. Biblische Geschichte für die Dber- «ilaffen der israelitischen Volksschulen. Bearbeitet von Dr. E/Häff, Rabbiner ff. in .Preßnitz. II. Theil. Wien 1-875. :Hölder.