Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1874)
- Date
- 1874-11-24
- Page
- Seite 801 (sequence 3)
- Language
- German
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nun: ihren nähern Inhalt in zwei großen Principien, von denen das eine das Verhältniß des Menschen zu Gott> /das andere das Verhältniß des Menschen zum Menschen befaßt. Das. Erstere ist ausgedrückt in dem Objectivsatz 5 /Moft6, 5 .- ^L'Dd b22^ ^22b-b>22' % y» N2NM „Liebe den. Ewigen, deinen/ Gott, ,mit deinem, ganzen .i - Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen. Vermögen." -/ Wir' haben bereits oben./bemerkt, daß dieser Satz sich unmittelbaraber .ohne, äußeren /Zusammenhang. an den Bekenntnißspruch schließt, und daß nach ihm V. 6 mit D^-mn i-ni ttb«?r die Ermahnung allediese- Lehren und. Gebote zu Herzen zm nehmen, beginnt, der objective Bekenntnißspruch in ihm also vollständig dargethan. ist. Auch kehrt in der Folge die - Einschärfung, Gott zu. lieben, häufig genug wieder. Die. Liebe, zu Gott ist die/höchste- Stufe , des innersten Zusammenhanges mit Gott, die vollständige.Hingebung an die Gottesidee, in welche: die Verehrung, die Dankbarkeit und das Vertrauen ausgehend .Dies drückt der . Satz durch die dreifache Aufzählung-des Herzens,: der"/Seele und des Vermögens aus, welche, mögen sie dem-Won-! lauteinach verschiedentlich, erklärt werden, nichts anderes bedeuten, als alle . Kräfte der; menschlichen Seele, das Denk-, Gefühls- und Willensvermögen. ^) . < - .Das Verhältniß . des - Menschen zum Menschen •. aber wird principiell bestimmt durch die Worte 5 Mos. 19, 18: ... :'?-/■>:« ‘iin.a.-^nb raritn „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: ich bin der Ewige." Die'Objectivität dieses Satzes zeigt sich dadurch, daß er als Schlußpunkt, einer- Reihenfolge -von Vorschriften aufgestellt ist,/ welche den Inhalt-der Heiligung (V. 1) bestimmen, sowie daß der- Weg zuihm durch eine- Reihe negativer -Vorschriftengeführt wird, welcheden positiven Ausspruch der Nächstenliebe vorbereiten. Sv.schon von V. 9 an, und schließlich das Verbot der Verleumdung, der Unthätigkeitbei der Todesgefahr eines Andern (V...16), und V. 17 und 18 : „Hasie deinen Bruder nichts in deinem -Herzen, verweisen-magst du deinen Nebenmenschen: daß du. nicht seinetwillen Sünde, trägst. Du sollst dich nicht rächen und nicht-Zorn-nachtragen den Söhnen deines Volkes, sondern liebe deinen -Nächsten; wie dich selbst : Ich bin - der Ewige." Mit tiefem - Blicke nimmt das h. Wort zur Basis der Nächstenliebe die dem Menschen natürliche Selbstliebe. Es geht von dem allen Wesen eingepflanzten Selbsterhaltungstriebe aus, der die unent¬ *) Das erste Glied unseres Satzes 'n n« wird 5 Mos. 11, 1 wiederholt, itnb die Liebe zu Gott immer von Neuem als Grundzug im Verhältniß des Menschen zu Gott betont, z. B 5 Mos. I I, 13. 22. 19, 9. 30, 6. l 6, . 20, und so auch in andern Theilen der h. Schrift. Auch im Talmud heißt es z. B. Sota 31, 1: „Höher steht der, -welcher aus Liebe, als wer aus Furcht - vor Gott handelt", vergl: Mäim.. Hilch. W2Wr> -X.-Albo Jkkar. 111, 35. Man erkennt'hieraus, 'welches Börurtheil es ist, weÄn der isräelittschm Re- .ligiou/die knechtische Furcht, als ' Grundzug insinuirt wirw - . /' behrliche Bedingung ihres. Daseins ist und im Menschen .durch das Selbstoewußtsein erhöht wird und. nun in der sittlichen Entfaltung zur. Nächstenliebe erhoben werden soll. Gerade hierdurch wirdauch ausgeschlossen, daß die Nächstenliebe nur ein Ergebniß der Reflection, des erwägenden Verstandes sei; sie soll vielmehr so tief wie die Selbstliebe in unsere Gefühlswelt sich einsenken, daß wir auch unbewußt und ohne Nachdenken aus ihr heraus handeln. Dies; widerspricht auch der Natur,des Menschen durchaus nicht, und wir gewahren Heldenthaten der Nächstenliebe, die im raschesten Momente der Gefahr geschehen, als wenn, wir uns selbst darin befänden. Unser Lehrsatz stellt hiernach ein Ideal für den Menschen auf, das auch für ihn erreichbar ist und oft erreicht wird, in großen und in kleinen Dingen.*) Wenn die Liebe die 'höchste Sphäre des sittlichen Lebens einnimmt und erfüllt und'daher das Recht in höheren Sinne einschließt, ja sich mit demselben so iventisicirt, daß die Liebe zu einem'Rechte, zu einem Rechtsanspruch wird, wie dies auch das /mosaische Gesetz und nach ihm das talmudische durch specielle Vorschriften -er Wohlthatigkeft bethätigt: so verlangt doch das s ocial-politische Verhältniß des Mens chen, daß die Religion hierfür einen höchsten Grundsatz ausprägt. Dies geschieht 5 Mos. 16,20: ' ’': rr nn p^b rjri-in .pis pHx „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit folge nach,'damit du lebest." und . 4 Mos. 15, 16: nabi 22b rr»m in«' roswui nn« rrnin...v,7. „Ein Gesetz und ein Recht soll euch sein und. dem Fremdling, der sich aufhält bei euch." / Beide Sätze geben sich auch äußerlich als Endpunkte,einer Reihe von Vorschriften, nach welchen Gesetze anderen Inhalts beginnen, also als principielle Schlußsätze, zu erkennen. Wir brauchen hier nicht zu wiederholen, was wir schon so oft nachgewiesen, daß die israelitische Neligionslehre nicht bei dem Individuum stehen bleibt, sondern auch für den Menschen in der Gesellschaft die höchsten Grundsätze aufstellt. Die heil. Schrift specialisirt dieses socialpolitische. Recht nicht blos, sondern formulirt auch wie Principien, und diese gipfeln in den Leiden angeführten Sätzen, wie in Bekenntnißsprüchen des Rechts. . Sie sprechen kategorisch die Forderung des absoluten, bedingungslosen Rechts und der, Einheit des Gesetzes für Alle ohne Unterschied der Race, der Nationalität und des Standes aus. Die Gerechtigkeit, die volle Uebüug des Rechts wird als der Lebensmittelpunkt des Menschen bezeichnet, ohne welchen, weder ein Volk, noch ein Individuum .bestehen und den? wahren Ansprüchen des Lebens genügen könne. Die Ein- ./ 2) /Wir-brauchen wohl kaum noch zu erweisen, daß TP’? jeden Menschen ohne Unterschied, /nichtetwa nur den Israeliten bedeutet,-.da V. 34 ausdrücklich. auch wen? „Fremdlings wie sich selbst zu /lieben befiehlt!.So wird bei falscher Zeugenaussage, böser Begierde// Ehebruch, Todtschlag ff. immer p"i und 177^^ gebraucht, und "^>;Merhaupt für Mensch ohne alles Abzeichen (itts'-i b« w'«) verwendet. Selbst wenn hier -syA. ,,-snw-.', , -s-'nrr mit bisweilen abwetzseln, ist nur an eine Mannichfaltigkeit des Ausdrucks zu denken.^. 48*