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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-11-24 · Heft 48 (24.11.1874) · p. Seite 800

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 48 (24.11.1874)
Date
1874-11-24
Page
Seite 800 (sequence 2)
Language
German
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, ,,800 , ’j - Gott — im Gegensatz zu seinem körperlichen Theile „Staub '-vom Erdboden", d. h. aus irdischen Elementen, und 3) daß er „im Ebenbilde. Gottes", geschaffen ist, so daß' er in seinem) Geiste „Gott ähnlich" ist) und Hin Leib zur Vereinigung -mit dem gyttähnlichen Geiste -zum. Ausdruck und Werkzeug) desselben gebildet worden.' Worin nun die Gottebenbildlichkeit und Gottähnlichkeit des menschlichen Geistes besteht, das ist von der heil. Schrift der weiteren Forschung und Deutung übergeben, Hellt sich aber aus dem Verlaufe der biblischen Lehren heraus als: das Selbstbewußtsein sr^ii ma nn 2, 17), die Willensfreiheit sz. B. 5 Mos. 39, 19) und die Sittlichkeit, (i->nn o-’iönp, was unmittelbar auf Gott bezogen wird ''77 Wi-lp 72). Wir brauchen hier die Momente nicht speciell aufzuführen, durch welche der menschliche Körper in seiner ganzen Organisation, durch einzelne Organe und durch besondere - Eigenschaften zum Träger dieses Geistes befähigt und von der Beschaffenheit der Körper der anderen Thiere unterschieden ist. Die durch diese Lehrsätze gewonnene Anschauung über die Natur des Menschen ist die allgemein Herrschende geworden, welche trotz aller gegensätzlichen Ansichten -nicht blos die Gedankenwelt, sondern auch alle Einrichtungen der Gesellschaft durchdrungen und gestaltet hat. Allerdings begründet diese Lehre einen Dualismus des Daseins. So wenig wie sie Gott und^die Welt identificirt, ebensowenig identificirt sie Geist und Körper. Aber ebenso wie nach , ihr Gott die Welt zu einer einheitlichen geschaffen,^ebenso verband er Geist und Körper zu einem, harmonischen einheitlichen Dasein, daß sich durch die volle Wechselwirkung des Geistes mnd -des Körpers aufeinander erhält und erhöht. Durch dieselbe ' Anschauung wird zugleich die Perfectibilität, d. i. die fortschreitende Entwickelung des Menschen im Individuum wie in der Gefammtheit begründet und jener in Gott selbst das höchste Ideal gestellt. Darum knüpft sich auch logisch genau das höchste Princip der menschlichen Sittlichkeit, das die h. Schrift aufstellt, an die oben gezeichnete Anschauung. Es lautet 3 Mos. 19, 2: 'n '28 -,ü5T7p *0 vMn D'Tznp „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige," oder wie es noch deutlicher heißt 20, 7. :'n “’DN ■’D o-'w-rp ön”!m oruznpn:-n „So heiliget euch denn, daß ihr heilig werdet, denn ich bin der •' Ewige." Vgl. 11, 44. Die Lehre von der Gottähnlichkeit des Menschengeistes hatte dieses oberste Princip der Sittlichkeit zur nothwendigen Consequenz. Die Heiligkeit Gottes mußte bei dieser Gottähnlichkeit i des Menschen zur Forderung der Heiligung des Menschen führen, welche vermöge der Natur des Menschen däs Fernhalten und die Entfernung aller seelischen und leiblichen Besteckung und dann die Uebung aller Tugenden enthält, durch welche der Mensch in - seinen Eigenschaften die Aehnlichkeit mit-den,Eigenschaften Gottes immer mehr erstrebt und erringt. Wie das Wesen des Menschen an das Wesen Gottes, soweit dies seine, endliche und in der Vereinigung mit dem Körper beruhende Natur zuläßt, angeschloffen wird, so muß auch seine Gesinnung und sein Thun nach der Gesinnung'und dem Thun Gottes ch'tnanstrebench ^Hierdurch ist aber auch" für die Sittlichkeit'des Menschen die alleinige sichere und unveränderliche Basis ^gegeben.m Nicht-;das ewig schwankende Bewußtsein des.Menschen vom Güten) nicht >die Zwecke und Interessen der Gesellschaft oder gar des Individuums selbst, die doch nur von der Zeitströmung und den wechselnden Vorstellungen in den Menschen abhängen, sondern die unveränderliche Vollkommenheit Gottes selbst ist die Basis für die sittliche Vervollkommnung des Menschen. .Daß hierbei auch die leibliche Natur des Menschen einer aufmerksamen Berücksichtigung bedarf, um der Heiligung keinen dauernden Abbruch und Widerstand zu leisten, lag bereits in der Grundanschauung von dem Wesen des Menschen principiell. Iedes^ Vorherrschen der Materialität im Menschen, jede Vergewaltigung des Geistes durch leibliche Triebe, Begierden und Leidenschaften verhindert, ja zerstört die Heiligung, d. i. die sittliche Vervollkommnung des Menschen. Dies ist denn auch eine thatsächliche Wahrheit und bedeutet durchaus noch nicht, daß der leiblichen Natur des Menschen ihr Recht nicht geschehen solle.*) In wie weit nun diese Beschränkung der leiblichen Natur zu bestimmten Gesetzen und Vorschriften ausgestaltet werde, ist hier nicht zu erörtern, da hierbei jedenfalls auch örtliche und zeitliche Verhältnisse mitsprechen. Im Allgemeinen sei nur bemerkt, daß der Mensch, um zur 'Selbstbeherrschung zu gelangen, zu ihr erzogen werden müffe, und hierbei bestimmte Vorschriften der Enthaltsamkeit große Dienste leisten.-**) Diese Heiligung oder höchste Sittlichkeit des Menschen findet *) So ist es auch einer der mehr prunkhaften als richtigen Aussprüche in Neuen Testamente, daß der Mensch nicht durch Das sündige, was in seinen Mund hinein, sondern durch Das, was aus ihm herausgehe; mau denke blos an die Spiriluosa. : Wir wollen hierbei bemerken, daß derselbe höchste Grundsatz der Sittlichkeit, jedoch mehr in einer allgemeinen Form aufgestellt worden. 1 Mos. 17, 1 heißt es: - :v7vp rpm ■»thj Vn - „Ich bin Gott der Allmächtige, wandle vor mir und werde voll-, kommen." Wie „Gott der Allmächtige" die Idee der Gottheit ' als unbegrenzter Kraft, als Weltschöpfers und Welterhalters,. aber noch ohne Inhalt aufstellt, und später in 'r? aufgeht, so giebt „wandle vor mir und werde vollkommen", d. i. fehler- und mangelos, das Princip im allgemeinen Umriß, aber noch Inhaltslos an, und das CBn rrn geht in Dniznppm auf. Dennoch ist auch hier das unmittelbare Verhältnis des Menschen zu Gott festgehalten. Wenn wir oben die bekannte Be- merkung machten, daß die h. Schrift keine"systematische Religionslehre aufstellt, so ist damit nicht gesagt, daß sie überall und' namentlich in ihren objectiven Lehrsätzen nicht die genaueste Consequenz' und die innerste Uebereinstimmung bewahre und Lethätige." Ihre innere Anschauung haut sich fest.und wohlgegliedert, zusammen. Nachdem der Grundsatz der Heiligung ausgesprochen ist, gestaltet sich daher'der citirte Satz ganz anders in dem ebenfalls objectiven'Ausspruche 5 Mos. 18, 13> TNd«;oy -'nn CP?an „Vollkommen sollst du sein mit dem Ewigen,'deinem Gotte", b. h. immer im Zusammenhänge mit Gott, mit dem Gedanken an Gott, was den seelischen Untergrund zur Heiligung bildet und darbietet.

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