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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-11-17 · Heft 47 (17.11.1874) · p. Seite 786

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 47 (17.11.1874)
Date
1874-11-17
Page
Seite 786 (sequence 4)
Language
German
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-7786 ein 1 objecliver- Bekenntnißspruch, > wie hier -Lei Jesmas-6.ausgesprochen: 'st-'3« sorip- ^2. Es ist daher nicht zu übersehen, daß in der Thora die Heiligkeit Gottes als Ideal des-Menschen, welchem er sich durch Heiligung, Reinigkeit und Reinigung moralisch und symbolisch immer mehr anzunähern.streben soll, aufgestellt wird, während sie bei Jesaias vielmehr einen Gegensatz zu der faktischen Sündhaftigkeit jedes Menschen (f. B. 5) andeutet. Gerade deshalb ist in unserm objectiven Lehrsätze die Heiligkeit Gottes als absolut durch die dreimalige Wiederholung des izmp betont, wie öfter in der heil. Schrift dasselbe Wort dreimal wiederholt wird, um einen starken 'Nachdruck hervorzubringen, z.B. Irrem. 7, 4. 22, 29. Iechesk. 21, 32. ' In der Heiligkeit Gottes ist die Vollkommenheit, Unendlichkeit und Här- ' monie aller Eigenschaften des göttlichen Wesens enthalten, aber auch die unbegränzte Tiefe dieses Wesens, in welche einzudringen dem Menschengeiste unmöglich ist. -Indem alle Geheimlehren und Mysterien erst recht abgewiesen werden > lehrt uns doch dieses winp, daß das wahre Wesen Gottes für die Fassungskraft des Menschen geheimnißvoll bleibt. Die zweite-Hälfte des Ausspruches sagt uns, daß die materielle Welt, „Erde'7 bezeichnet, insofern keinen Gegensatz zur Heiligkeit-Gottes bildet, daß sie etwa als unheilig anzusehen wäreindem sie wielmehr-„der.Herrlichkeit Gottes voll ist, d. h. an ihr die-Allmacht, Allweisheit und Allgüte Gottes sich bethätigt und verwirklicht hat. Diese Lehre wird in der heil. Schrift öfter ausgesprochen (z. B. Pf. 104, 24), und stellt sich in Widerspruch zur buddhistischen, sabäischen und anderen Religionen , welche die Unheiligkeit und Berderbniß der materiellen Welt lehren. Unter den Eigenschaften Gottes war und bleibt das größte Bedürfniß, das Berhältniß Gottes zum Menschen, insonders zum irrenden, fehlenden/ sündigen Menschen kund zu geben, und gehen ja hierin die verschiedenen Religionen am meisten auseinander. Um so eher erwarten wir, daß die heilige Schrift uns hierüber einen. objectiven Ausspruch bringt. Wir besitzen ihn in 2 Mos. 34, 6. 7: ■ ’ Sin prm oini brr 'n 'r> -- - „Der Ewige, der Ewige, Gott, barmherzig und gnädig, langmüthig-und voller Huld und Wahrheit; bewahrend Huld den Tausenden, vergebend Sünd und Misseihat und Schuld, läßt aber Nichts unbestraft, -ahnend Sünde der Väter an Kindern und Kindeskindern, am dritten und am vierten Geschlecht!" - ^7 Daß dieses herrliche und tieffinnige Wort ein objectiver Lehrsatz sein soll, erweist sich nicht allein dadurch, daß es wie ein rother Faden sich durch die ganze heilige Schrift zieht und bei» den Propheten und Hagiographen sich wiederholt, sondern auchwie es an seiner Stelle auftritt. Die > Israeliten halten am Fuße des' Sinai selbst sich durch die Errichtung und Anbetung' des goldenen Kalbes schwer versündigt;; die ganze Existenz der ' Gotteslehre stand auf dem Spiele; diese -Verschuldung konnte den Untergang, des ganzem Volkes nach. stich' ziehen, das ohne die-Gotteslehre ' kein 'Lebenselement für sein .Dasein hatte; diesem .stand wiederum/die Bestimmung dieses Volkes und die Nothwendigkeit der Gotteslehre gegenüber; Moses selbst war > über diese Erfahrungen und Fragen.; tief in seinem Gemüthe, bewegt > und verwirrt,-da wird ihm in der erhabensten Vision diese Verkündigung, die- .abgeschloffen in dem Berichte Hervortrittt Man lese das Capitel selbst nach, um zu erkennen, wie die. geschichtliche Situation gänzlich zurücktritt und dieser Lehrausspruch zum . eigentlichen und unabhängigen . Zweck der Vision wird. Wir müssen hier darauf verzichten, den ganzen Lehrinhalt dieses grundlegenden Ausspruches darzustellen und Müssen .auf unfern Commentar zu dieser Stelle (s. unser Bibelwerk, zweite Auflage, -Bd. l:S. 512 f.), sowie auf unsere Religionslehre (Bv.' H S. 111 und besonders S. 130) verweisen.- Der Ausspruch:-lehrt dw.Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit Gottes in ihrem innersten Zusammenhänge, in ihrer Identität, die göttliche Vergeltung in ihrer faktischen und idealen Einheit. Die Synagoge hat seinen außerordentlichen. Werth erkannt, und ihn deshalb zu einem Mittelpunkt der Andacht namentlicham Bersöhnungstage gemacht, ihn freilich des besonderen Zweckes wegen mit npn abschneidend, wodurch er freilich nur einseitig erscheint,, aber um so geeigneter ist, zahllose zagende Gemüther aufzurichten und zu beruhigen. Um es kurz zusammenzufasfen, er lehrt uns: „1) Gott richtet das Thun des Men-, scheu, und zwar 2) in Gerechtigkeit, indem er das Gute belohnt und das^Böse bestraft, aber 3) -dem Sünder,- wenn. er auftichtig bereuet, vergiebt und dessen Schuldhaftigkeit auslöscht." - Es versteht sich, daß auf dem Gründe dieser Axiomeüber das. Wesen Gottes sich - noch die mannigfaltigsten Lehren mehr oder weniger in öbjectiver Fassung aufbauen und durch die ganze heilige Schrift verbreitet sind. Aber es ist' hier nicht unser Zweck, eine vollständige Darstellung von der biblischen Lehre , über Gott zu geben, sondern nur die völlig: objectiven Aussprüche aufzufinden, welche uns-als biblische-Bekennlnißsprüche die eigentlichen Lebensmittelpunkte der israelitischen Religion charakteristisch hervorheben und gewiffermaßen in die Augen springen lasten. Sie werden zu einer Art von Abschluß durch Sechar. 14, 9 gebracht : :inN irwi nn« 'n mm rrinn am „An jenem Tagewird der Ewige einzig und sein Name 7 einzig sein/' Wie der Satz „Höre, Israel u. s. ro." der Grundsatz der Synagoge für Israel geworden, so dieser Vers für die Zukunft der ganzen Menschheit; sie wiederholt ihn daher, oft und besonders in ihrem Schlußgebete. Dereinst, besagt unser Spruch, wird die gesammte Menschheit Gott als einig-einzig anerkennen und den Einig-Einzigen anbeten. In einem letzten Absatz (Cap. 14) faßt der Prophet zum Schluffe feine -ganze Schilderung: der Zukunft-noch einmal zusammen, um sie in bestimmteren Linien zu zeichnen. Den Mittelpunkt derselben,.gewiffermaßen die geistige Höhe, wo er alles bildliche und phantastische

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