Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1874)
- Date
- 1874-11-17
- Page
- Seite 784 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226960-3227008--33068-3256069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
; i 784 UTf aufzupflanzen, daß solche überall von Freund und Feind gesehen und unterschieden werden können. Eine solche Zeit war .»&• in A^uiien, und deD na- LänDw gekommU>' wo Jü^ent^üm, Christen thum< und Jslar^ unmittelbar sich . berührten-und^ aufeinanverstießen, und nicht blos mit den Waffen der Faust, sondern auch des'Geistes sich bekämpften. Wa^ die Waffen der Faust betrifft, so braucht man das Iudenthum auch hiervon nicht auszuschließen,' .. Nur Dß,.seine .Bekenner, blo^ den leidenden Theil dabei spielten. Christenthum und Jslam'tratßisi in diesem Streite mit genau formulirten Dogmen und Glaubensartikeln auf. Da erschien es Maimonides und seinen Genoffen kein systematisches Religionsbuch. Ganz besonders ist zu betonen, daß sie außer den . objectiven'Lehren eine Menge subMiver Aeußerungen religiöser Gedanken und GesühlHenchälr. Mstegt dies iS itzM Mattck, da sibi .einerseits Htm EeMnhalt zugleich in eiüem gesckjichtlichbn Bericht;.- in 'eine' historrschp Darstellung einkleidet, anderseits uns eine Sammlung "von Reden', lyrischen Gedichten und Abhandlungen über specielle religiöse Themata;giebt., .Hieu spielen, nothwendjgerweise die^ geschichtlichen SitualtioM" i und'Wie' persönlichen Empfindungen eine große Rolle. Beleuchten wir dies durch einige Beispiele. Einem aufrührerischen oder' in heidnische Unsittlichkeit Versunkenen Volke gegenüber wird nothwendig, aüch für das - Iudenthum bestimmte Formeln aufzustellch, um dessen BekennerN und Gegnern deutlich und erkennbar zui machen, was der. Lehrinhalt des Judenthums, dessen ffigenthümlichkeit und Verschiedenheit von den anderen Religionen sei. , Nun,, ähnliche Zeitverhältnisse sind wiedergekehrt.. Die Religion^ und. Confesfionen gleichen offenen Heerlagern;, auch das. Iudenthum ist wieder aus seinen Verschanzungen und Ummguerüngen in das offene Feld hinausgeschritten. Es ist ihm die'.Freiheit gMorden, sich unumwunden aussprechen zu können.. Zugleich ist der Geisteskampf heftig entbrannt, doch -nicht. blos die verschiedenen Kirchen sind auf dem Kampfplatz erschienen, sondern auch mehr, oderweniger feindliche Parteienwelche die Fahnen der -Philosophiedes selbstständigen-. Denkens und Forschend entfaltethaben, n allerdings selbst wiederum in mannigfache Gruppen - zerspälten;- die, einander nicht minder; heftig AefehdeM Hierzu.. kommt, der unleugbare Umstand, daß im Verlaufe dieser großen Entwickelung innerhalb des Judenthums'selbst die: ehe-, malige Einförmigkeit gewichen ist und verschiedene Richtungen eingeschlagen worden; endlich, daß - die sorgfältige Kenntniß des Judenthums in .seinen eigenen Bekennern sich, vermindert hat.' Da: Erscheint es. abermals geboten,. den Lehrinhalt des Judenthums genauer.sichtbarzu: machen, -seine Charakteristika schärfer hervorzuheben/ um Bekenner und Gegner, welcher Art die Letzteren auch seien; nicht'in Zweifel darüber zu lassen...- Denn es ist ja natürlich, daß! Gegner theils absichtlich; -theils. ohne solchen Willen- Pie . Lehren des von ihnen bekämpften Judenthums verfälschen und ihm JrrthüMer unterschieben, noch' dazu;- .da sie hierin auf alten - ausgetretenen Wege^ wandeln. Durfte sich doch vormals das Iudenthum hiergegen nicht, einmal vertheidigen. , Wir brauchen es aber Niemandem zu sagen-- .daß unsere Zeit, Glaubensartikel oder Grundwahrheiten zu formuliren und als bindend aufzustellen, die am schlechtesten gewählte wäre. -Die Geister der Gegenwart lasten sich am wenigsten binden; es würde: darüber-sofort von allen Seiten ein heftiger Streit-. entstehen,- der nur an Drachensaat fruchtbar wäre,-Und welcher.-statt Sicherheit desto. mehr Schwankungen und. Zweifel schaffen würde. Es .fragt sich, daher/ ob nicht.ein anderer Weg zu demselben Ziele - oder doch , nahezu ihm führen würde? - Und als ein solcher erscheint uns-der. folgende. Die heilige Schrift giebt Uns/ wiebekannt/ der begeisterte und entflammte Redner. die-, Strafandrohungendie' fürchtbäre Vergeltung auf's nachdrücklichste hervorgehoben; er wirv. nicht,der Barmherzigkeit Gottes) der. Läuterung und einstigen Wiederherstellung ganz uneingedenk sein, aber er wird doch die Schrecknisse des drohenden Verhängnisses zum Vordergründe und zum Hauptcharakter , seiner Rede machen. Wir werden hierin eine mit Recht betonte Seite der religiösen Lechre, aber durchaus keine allgemeine und objective Religionswährheit erkennen; wir müssen die Subjektivität der Situation erst abstreifen , .um-den objektiven. Kern zu fasten.. Wenn' der Psalmist, von- Feinden schwer bedrängt, von Feinden, die er zugleich als Feinde des Rechts, also Gottes ansieht, um Rache schreit, um den Untergang seiner Feinde, so ist, dies eine subjektive Empfindung, an sich berechtigt und begründet, aber nicht von allgemeiner Geltung, sondern nur ein Anhalt für solche Personen, die in eine ähnliche Lage gerathen sind. Wenn in Koheleth streitige Meinungen, im Hiob solche/ von Personen repräsen'tirt, cmfgeführt sind, so können diese eben nur als subjektiv angesehen werden, als Ansichten, die un-ter gewissen Umständen und Voraussetzungen währ, . aber wicht von allgemeiner Geltung sind. Aber mitten in Viesen Belehrungen aus geschichtlichen Situationen, zeitlichen Verhältnissen und persönlichen Empfindungen, ferner mitten unter den speciellen Lehren und Gesetzen werden auch grundlegende, objective Lehren und Heilswahrheiten erlheilt, welche das Fundament der Religion des ganzen religiösen und sittlichen Gebäudes bilden und entscheidend waren und sind für das Wesen und die Entwickelung ^er israelitischen Religion. Suchen .wir nun nach diesen genauer, so giebt es sich zu erkennen, daß diese Grundlehren von der heiligen Schrift selbst.als solche bezeichnet werden, nämlich dadurch, daß sie mit einer. gewissen Oftentätion, wenn wir dieses Ausdrucks uns hierbei bedienen dürfen, aufgestellt sind und sich deutlich von ihrer Nachbarschaft ubheben. Wir . werden dies im Verlaufe bemerklich machen. Wenn -wir nun diese von. der heill Schrift selbst als objektive Grundwahrheiten hervorgehobenen.Lehrsätze aussuchen und.zusammenstellen, so erhalten wir. eine Befriedigung des^ oben bezeichneten Bedürfnisses in der angemessensten und unbestrittensten Weise. - Wir erlangen ein charakteristisches Bild - der israelitischen Religionslehre, das für: Freund.und Feind,: für Bekenner .und Gegner zweifellos: und maßgebend :äst:;? wir.