Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1874)
- Date
- 1874-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein unparteiisches Organ für Ms Wische Interesse. Herausgegeben von. ' Rabbiner vr. Lu-wig AhiLippson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung' in Leipzig. 38. Jahrgang. Leipzig, den 17. November 1874. . W? 47. Diese Zerümg - erscheint wScheutlich - . einmal m 2 biS ilk Bogen. Preis 1 Vierteljährig 1 Thlr.- Inserate to erben .mit^2 Ngr. wr die Petitzeile oder deren ' Raum berechnet: Alle Buchbaudlungeu, -. Postämter, und Zestungs»Expeditionen. , - ' nehmen Ja redactioneven Angelegenheitm - wende man sich an Dr. L. Philip-so« in Bonn; hinsichtlich deS Bezugs und der Inserate an SamnzSrtner?« LuchkaiiLlanz . in Leipzig. Inserate, welche biS Lonaer»- ' tag eiugeben, finden Inder darauffolgenden Nummer Berücksichtigung: - «^ ... Inhalt. ..Leitende Artikel:, Bekenntnißsprüche in der heiligen Schrift. —. Der Centralfriedhof in Wien. — Zeitungsnachrichten:. Deutschland: Berlin. — Oesk erreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: Oxford. — Rußland? Petersburg.Feuilleton: Das Testament. — 'Vermischtes. — .Nachtrag: Aus Ungarn. Jlcitcudo (Xtfclile£. ‘ ' Bonn-, ben 11. November. . Bekenntnißsprüche tu der heiligen Schrift. wiEs ist durchaus nicht unsere Absicht, hier den llänggeführtem und doch meist unfruchtbaren Streit zu erneuern, ob' das Iudenthum sg. Glaubensartikel habe oder nicht? Haben solle odernicht? Thatsache ist, daß die Bibel und der Talmud keine solche! Glaubensartikel oder „Grundwahrheiten^ ohne deren Bekenntniß Niemand Jude sei, die also für den Glauben eines Juden bindend seien, formulirt, aufgestellt und aneinandergereihl Habens so daß eine wirkliche Autorität nicht besteht, dergl. zu formuliren und aufzustellen. Ebensosehr ist es aber auch Thalsache,- daß es dennoch versucht worden, und daß nach einigen schwächeren Experimenten Mäimonides dreizehn Glaubensartikel uormirte, die Synagoge siezwar" nicht eigentlich - sanctionirte, doch aber bei-, fällig ailfnahm, indem diese' Glaubensartikel des Mäimonides in vielen- Gebetbüchern wörtlich, zur Privatandacht abgedruckt, aber auch ineine poetische Form gebracht, als ein Gebet vor oder nach dem - Gottesdienste ausgenommen -würden. Bekanntlich entstanden Überdieselben auch literarische Streitschriften, unter denen die- „Jkkarim". von Albo am geschätztesten ist, der jenedreizehn auf drei reducirte, welche -auch der-- jetzigen Anschauung Mehr entsprechen. Man wirdfragen, , warum -schlugen Mäimonides, seine Vorgänger und - Nachfolger diesen Weg ein, das Judenthum an bestimmte: Glaubenssätze zu binden; während Bibel und Talmud dieses nicht thaten? Denn wenn auch selbstverständlich: jede Reli--: gionslehre gewisse Grundwahrheiten enthält» die - ihr: Wesen aus-, machen - -und r von denen die anderen - Lehren und Vorschriften - ge-' wiffermaßen ausstrahlen, so ist es doch ein ganz Anderes,-.jenewörtlich zufixiren -und dann! als 'unbedingte Glaubensformelm aufzustellem - Entweder die Gesammtheid-der bezüglichen :Religionsgenoflenschaft ^mmmt diese an und hat-sich alsdann die Schwingen- - seines Genius mit -ehernen "Ketten gefesselt, -. die zu brechen außerordentlich'-schwer sind, oder aber es entsteht theils über die Wahl und Zusammenstellung, theils über die einzelnen Ausdrückeheftiger. Streit, der leicht zu -Spaltungen und Secten: führen kann.- War dies Letztere nun im damaligen-Judenthumewenig zu fürchten, -weil es, vorzugsweise auf dem- Boden des. Gesetzes stehend, -solchen -dogmatischen Erzeugnissen keinen großen;, jedenfalls keinen: entscheidenden Werth beilegte; so fragt sich doch,- wie kamen jene hochverdienten Männer hierzu? Die Antwort ist nicht schwer en finden. Es giebt Zeilen, wo die verschiedenen Religionen wohlumwallten - und ummauerten feindlichen -Festungen, gleichen, zwischen.denen keine Communication stattfindet, die wohl, wenn sie. es . vermögen, einander vernichten oder soviel-von ihrer Besatzung: rauben, wie es durch Gewalt - oder Verlockung möglich, ist, sonst-aber von < einander' abgefchloffen existiren, dann . aber kommen Zeiten,, in-welchen: diese Religionen offenen Feldlagern: ähnlich'sind; dieeinandersehr wohl in die: Reihen sehen können und deren Parteigänger--'jmmerfpxd'.'in -'-Perührungkommen/.'sei es in Angriff und Abwehr, sei es in Ver-: und Unterhandlungen;' Jn solchen Lagern isi-esnothwendig, Standarten und Fahnen mitden Farben/-Abzeichen und Mappen auf die Höhe' des-Lagers'