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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-11-10 · Heft 46 (10.11.1874) · p. Seite 777

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 46 (10.11.1874)
Date
1874-11-10
Page
Seite 777 (sequence 15)
Language
German
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Er ging mit seinem jüngern Bruder Isaak fort und durchstreifte in nur 44 Tagen die ganze Wüste, vie Akka von Aruan trennt, einer Stadt, welche nur noch 7. Tagemärsche von Tombukiu entfernt ist. Diese Reise auf Kameelen, mitten durch ein verödetes Land, das ohne Wasser, einem Sandmeere gleicht, und von Räuberbanden vielfach durchzogen wird, war nur mit vieler Gefahr und Anstrengung zu machen. In Aruan wurden die beiden Reifenden von dem Scheik der Araber gefangen genommen und mit dem Tode bedroht, wie es bereits im Jahre 1826 dem christlichen Forscher Major Bing ergangen war. Mardochai wandte die ganze Feinheit seines Geistes und seine Kenntniß der arabischen Sitten an, rief selbst das religiöse Gesetz feiner Feinde an, und erlangte endlich nach vielen diplomatischen Künsten die Erlaubniß, sich unter ihnen niederzulassen, unter der Bedingung eines jährlichen Tributes, zu dem er sich verpflichtete. Wohl entschlossen nach Tombuktu zu gelangen, brachte der Rabbi das Jahr 1858 in Aruan zu, nur die günstige Gelegenheit ausspähend, seinen Aufsehern zu entschlüpfen, und den Aufenthalt unter ihnen benutzend, sich durch Handel zu bereichern. Auf der ganzen Welt öffnet der Schlüssel des Goldes die Thüren: Der arabische Scheik, der zuerst so zurückweisend gegen seinen Gefangenen gewesen, autorisirte denselben nach Tombuktu zu gehen, nachdem er von ihm durch eine ansehnliche Summe bestochen worden war. Der tapfere Mardochai kam unter den größten Gefahren, als Araber verkleidet, dort an. Anstatt, wie er es gehofft hatte, dort Schutz bei seinen Landsleuten, den marokkanischen Kaufleuten, zu finden, sah er in ihnen nur seine eifrigsten Verfolger, die seinen Tod forderten. Mardochai wandte sich aber an die moslemitische Negierung, bot ihr einen jährlichen bedeutenden Tribut an und erhielt somit, trotz der Jntriguen seiner Feinde, das Recht, Handel, zu'treiben. Er arbeitete mit Hülfe seines Bruders von 1861— 1862; als er darauf nach Akka zurückkam, hatte er sich ein kleines Vermögen erworben. Er ging wieder nach Tombuktu zurück mit einer bedeutenden Ladung und einigen seiner Verwandten und Glaubensgenossen, mit denen er eine israelitische Colonie zu gründen beschloß. Die Geschäfte der Neuangekommenen glückten, und Ende des Jahres kehrte der jüngere Bruder des Mardochai mit einer sehr. bedeutenden Ladung von Straußenfedern, Goldpulver und Elfenbein, welche eine Summe von ungefähr 50,000 Frcs. repräsentirte, nach Marokko zurück. Ein arabischer Stamm begegnete. ihm aber, raubte ihm alle seine Schätze, und er mußte sich glücklich fühlen, mit dem Leben davon zu kommen. So mußte sich bis zum Jahre 1869 der Rabbi Mardochai den schrecklichen Wechselfällen eines Handels unterziehen, der in einer Gegend unternommen war Zwo das Wort „Recht" ein unbekannter Begriff ist, und wo das Recht des Stärkeren immer triumphirt. Jedesmal, wenn eine Thätigkeit und die Geschicklichkeit der Leute seines Stammes sich ein kleines Vermögen erworben hatte, sah er es geraubt von den Arabern der Wüste. Gegenwärtig belehrt durch eine lange und harte Erfahrung, kommt er nun, seine Dienste der geographischen Gesellschaft in Frankreich anzubieten, die sich beeilte, seine Unterstützung und Vorschläge anzunehmen. Herr vr. Coffin wird den Rabbi Mardochai wahrend einiger Monate anstellen und ihm die Entdeckung der unbekannten südlichen Gegenden Marokkos übertragen. Während der Ausführung dieser für die Wissenschaft so viel versprechenden Expedition sind zwei Abgeordnete der Commission für Handelsgeographie, Herr Guerin Brecheux, Präsident des Tischlerinnungsvorstandes , und Herr L. Hielard, Vicepräsident des allgemeinen Jnnungsvorstandes, beauftragt, eine neue Expedition nach' Tombuktu für Mardochai vorzubereiten. Sie haben sich verpflichtet, eine Ausrüstung herzu stellen, um das Vermögen oes armen unermüdlichen Reisenden neu zu begründen. Mit Hülfe dieses trefflichen Mannes werden wir ohne Zweifel dahin kommen, zum ersten Male Verbindungen mit jenen Gegenden von Afrika anzuknüpfen, die bis jetzt noch für unsere algierischen Landsleute verschlossen waren. Unsere Erzeugnisse werden von ihnen mit Reichthümern ausgewogen werden. Für Dinge, die bei uns wenig kostbar sind, von den Negern aber sehr geschätzt werden, wie Kurzwaren, Glassachen, Baumwolltücher, Calikots u. f. w. werden wir aus jenen reichen Gegenden Gummi, Straußenfedern, Elephantenzähne, Palmöl, Goldstaub und Edelsteine einlauschen. Der Rabbi Mardochai war der Gast des Herrn Heinrich Duverrier, des berühmten Reisenden im Lande der Tuaregs. Herr Duverrier hat ihm auch die nöthigen Anweisungen gegeben, damit er von seiner Expedition wiffenschaftliche,. mit Hülfe des Barometers und Thermometers gemachte Beobachtungen mitbrächte. Der Rabbi Mardochai ist vor Kurzem nach Marseille abgefahren, von dort begiebt er sich nach Marokko, dem Ausgangspunkte seiner Forschungen.— Seitdem die hier mitgetheilte Biographie erschienen ist, hat man neuere Nachrichten von dem israelitischen Reisenden. Herr August BeauMier, französischer Consul in Mogador, schreibt an die geographische Gesellschaft, um ihr die Ankunft Mardochai's am 21. August dieses Jahres anzuzeigen. Der kühne Reisende ist am ' 31. desselben Monates von Mogadör wieder abgereist, um einen ersten 14 bis 20tägigen Ausflug nach dem unabhängigen Sous zu machen. Er hat von Paris eine 'große Ladung mitgenommen, zusammengesetzt aus einer unglaublichen Menge von unbedeutenden Ladenhütern aller Art, die hier werthlos sind, dort aber durch großen Absatz ihn; einen beträchtlichen Gewinn sichern. Es sind

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