Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1874)
- Date
- 1874-11-10
- Page
- Seite 776 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Schüler einem regelmäßigen Schulbesuch entgegenstellen. Es heißt z. B. aus Widdin: „Die Schüler, welche die Schule besuchen, entmuthigen schnell und bleiben oft nach Verlauf einiger Tage fort" Und doch wird diese Schule vom Sohne des Gouverneurs der Stadt besucht. — Die Israeliten in Canea haben eine Petiiion an die hohe Pforte gerichtet, auf welche hin der Sultan den Israeliten von Creta das Recht verleiht, in der Generalversammlung von Creta, welche jedes Jahr in Canea stattfindet, und zu der bis jetzt nur Türken und Grieben gehörten, vertreten zu werden. Die israelitische Gemeinde hat sofort den Herrn Aba Dalmedico zu ihrem Mandatar erwählt. Es wurde ihnen auch versprochen, daß sie bald in den örtlichen Gerichtshöfen vertreten werden sollen, so daß bald Israeliten neben Türken und Griechen darin fitzen werden. Rumänien. Bukarest, 11. October. (Privatmitth.) Am Simchath- Thorafeste fand hier zum ersten Male in der hiesigen israel. Gemeinde eine Confirmation für Mädchen statt, Schülerinnen der hiesigen israelitischen Schule, welche mit außerordentlichem Erfolge in allen Unterrichtszweigen, sowie in der israelitischen Religion vom Director Dr. Beck geleitet wird. Die Confirmation fand im hiesigen Chortempel statt und hatte Tausende von Personen angezogen. Nach einer ergreifenden Rede des vr. Beck über die Bedeutung der feierlichen Handlung ging er zur Religionsprüfung über, welche über alle Maßen befriedigend aussiel. Sicher verdient Herr Vr. Beck für seinen rastlosen Eifer den wärmsten Dank. — Gestern Abend wurde Hierselbst zum Besten der Bekleidung armer israelitischer Mädchen ein komisches Theaterstück von einer Anzahl zwölfjähriger israelitischer Mädchen vortrefflich aufgeführt, und brachte eine schöne Summe für den gedachten, wohlthätigen Zweck ein. (So löblich der Zweck, so können wir doch das öffentliche Auftreten von. zwölfjährigen Ieuil Rabbi Mardochai, der Reisende. Die geographische Gesellschaft in Paris hat, wie wir angekündigt, eine wichtige Mission dem afrikanischen Rabbi Mardochai anvertraut. Man wird mit Vergnügen genauere Details über die Vergangenheit und die jetzt sich öffnende Laufbahn'dieser merkwürdigen Persönlichkeit lesen. Mardochai Aby Serouy ist geboren in einer kleinen Oase des südlichen Marokko, welche Arka heißt; sein Vater war ein armer Israelit, der seine Familie mit großer Anstrengung ernährte. Der Knabe wurde schon in seinem neunten Jahre von einer unbezwinglichen Wanderlust und Lernbegierde ergriffen. Es Mädchen, noch dazu, wie in der Correspondenz bemerkt ist, „in einem öffentlichen Theater" nur höchst mißbilligen.. Dahin gehören wahrlich keine zwölfjährige Mädchen, deren Schamhaftigkeit dadurch gemindert, deren Eitelkeit und Coketerie geweckt mto. genährt wird. Es ist weltbekannt, daß in Bukarest eine sehr laxe Sittlichkeit herrscht — um so strenger muß die weibliche . Jugend erzogen und in sittlicher Zucht erhalten werden. Wir bedürfen für die jüdische Jugend der Cultur, aber ohne deren Auswüchse! Redaction.) Leon Jacobsohn. Rußland. Petersburg, im October. Von hier wird der „P. Z." geschrieben: Die israelitische Bevölkerung macht den Behörden aus Anlaß der Durchführung der Bestimmungen zur Ableistung der allgemeinen Wehrpflicht viel zu schaffen. Ueberall macht sich das Bestreben derselben geltend, von der Dienstpflicht auf irgend eine Weise loszukommen. So hat es sich u. A.' in Litthauen und Reußen herausgestellt, daß in den Bevölkerungslisten kaum ein Drittel der Israeliten eingetragen war. Diesem Unwesen soll nun energisch gesteuert werden. Die Ortsbehörden sind angewiesen worden, diese Listen, wo es nur möglich ist, auf Grund genauer Ermittelungen zu ergänzen. Außerdem ist bestimmt worden, daß die Rekrutenbehörden denjenigen Israeliten-, welche einbernfen sind und ihr Alter' durch kein Document belegen können, ohne Ausnahme das Alter nach ihrem äußern Aussehen bestimmen sollen. Da sich ferner herausgestellt hat/ daß auch die Familienverhältnisse der Israeliten sich als falsch erwiesen^ haben — kinderlose Personen haben sich falsche Söhne zuschreiben lassen, damit sie als „Einzige" Dienstprivilegien erhalten — so ist seitens des Ministeriums verordnet worden, daß denselben aus Familienrücksichten keine Erleichterungen gewährt werden dürfen. l e 1 o n. war dasselbe Fieber, welches schon den Fleischergesellen Rens Caillie zu der Entdeckung von Centralafrika geführt hat, das noch ein Geheimniß für die Europäer wäre ohne die muthigen Unternehmungen jener tapfern Forscher. Mardochai verließ sein armes Dorf, durchreiste Spanien, Italien, Griechenland und kam bis nach Jerusalem, wo er in Folge seiner ernsten Studien und anhaltender Arbeit nach vier Jahren zum Rabbiner ernannt wurde. Als er zurück nach Akka kam, fand er seine Familie noch ärmer als'er sie verlassen; der Wunsch, seinem alten. Vater ein wenig Erleichterung zu verschaffen, bewog ihn in jener geheimnißvollen Stadt Tombuktu, die bis dahin Israeliten sowohl wie Christen verschlossen geblieben war, Handel zu treiben.