Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1874)
- Date
- 1874-11-10
- Page
- Seite 774 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ms, der den Palmen vergleichbar ist." Mit einer ergreifenden Schilderung dessen, was 'der Verstorbene seinen Kindern gewesen, wie er „der geistigen Ausbeute seines Sohnes" noch in den letzten Tagen seines Lebens sich gefreut, schloß die Trauerfeier. Der Sarg wurde von den Vorstehern der Beerdigungsanstalt dem Grabe übergeben, Dr. Aub sprach ein kurzes Gebet an der Gruft des entschlafenen Freundes, und die Erde rollte auf den 'eingesenkten Sarg - nieder. Friede dem Entschlafenen! Würzbukg, Sk. Ockober. (Pvivatuntth.) Gestern 'stand vr. Rittler, Redacteut des dahier erscheinenden „Fränkischen VolKblattes", vor den Schranken des Schwurgerichtes. Derselbe war angeklvgt, eines Vergehens gegen §. 130 des Strafgesetzbuches sich dadurch schuldig gemacht zu haben, daß er durch die Aufnahme des vom „Vaterlande" -gebrachten Auszuges aus der Broschüre „Der Nativnalliberalismus und die Judenherrfchaft", von Constantin Frantz, zu Gewaltthätigkeiten gegen eine Volksklässe aufreizte. Die Hauptanklage beschränkte sich jedoch nur auf zwei in erwähntem Auszuge sich befindlichen Stellen. An der 'einen Stelle wird nämlich den ftdmmen Lesern des „Frän-, tischen Couriers" eingeredet, daß der jüdischen Jugend schon in der Schule der Haß gegen die Christen eingeprägt werde, ja daß der Talniüd diesen Haß sogar gebiete. Den zweiten und Eigentlich deni Hauptpunkt1 der- Anklage bildete der am Schlüsse des - incriminirten Artikels sich befindliche Passus: „Die Christenhetze * sollte sich in eine Judenhetze verwandeln^" Wie zu erwarten stand, suchte rDr. Mittler Mit aller Mühe zu beweisen, däß ihNr jede Absicht einer Aufreizung ferne lag, und betonte nättreNtlich, daß jedem Katholiken 'eigentlich fein Katechismus jede: Gewaltthat verbiete. -Für die Hetzepredigt sollte schließlich 'der Setzir herhalten, der anstatt „Christengesetze" „Christenhetze" und anstatt ^Jüdengesetze" „Juvenhetze" gelesen. Der zweite Staatsanwalt, Herr Schmidt, legte jedoch In zwei langen erläuternden! Reden dar, daß hier eine Aufreizung im strengsten Sinne des Wortes vvrliege, daß diöse Aufreizung gegen einen bedeutenden Theil der Bevölkerung gerichtet, und daß ähnliche Aufreizungen M dem Borurtheile, das noch die niederen Klassen beherrscht, von größter Gefährlichkeit feien. 'Der Ansicht des-Herrn Staatsanwalts schloffen sich auch die Geschworenen an, die die an sie -gestellte Schüldftage bejahten, vr. Mittler wurde hierauf vom Schwurgerichtshose <in eine Gefängnißstrafe auf die Dauer von dr Wochen verurtheilt. Wir haben Übrigens ln lln. Rittler 'einen Mann, ddr jetzt nicht zum erstenmale mit dem Strafgesetzbüche in EoNstict gerathen, da es kctum noch ^ein Jahr fein dürfte, seitdem dN IHM 'eine dreiwöchentliche unfreiwillige Muße 'vorübergegangen. Ich'könnte Ihnen auch aber den persönlichen ^Chüvü'ktdr ddtz in-Frage stehenden Jnvividuüttis, däs 'uNter den JMtchceMn 'ddt -Hentzeit nicht den - letzten Platz dinttimmt, tttzenthüütkiche Mittheilungen machen , die btt der BLthündlNNg verlesenen amtlichen'LeuüiNnvszeugnksse 'bidten 'mir hierzu Material in * Fülle > die Persönlichkeit ist jedoch, zu. unbedeutend, als daß man ihr noch weitere Worte widmen sollte In Kürze-sei nur erwähnt, daß fast sämmtliche Leumundszeugnisse ihn als aufreizenden römischen Agitator hinstellen und zugleich'als Solchen bezeichnen, der auch den Freuden dieser Welt durchaus nicht abhold ist.^) II. E—. Oesterreich-Ungarn. Wien, im October. (Privatmitth.) Wie jährlich übersende ich Ihnen den Jahresbericht (ven 13.) „des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirenden in Wien". Aus dem Vorwort entnehmen wir.folgende Stellen: „Die Zahl der Mitglieder des Vereines war in dem abgelaufenen Schuljahre 100. Was die Unterstützung der Studirenden anbelangt, so haben wir auch im vergangenen Jahre uns sorgsam bestrebt, denjenigen Hilfe und Unterstützung angedeihen zu -lassen, von denen wir uns die Ueberzeugung verschafften, daß sie dieselbe durch ihr Verhalten und ihr fleißiges Studium verdienen, abgewiesen wurden nur diejenigen Petenten, aus deren Vorlagen -wir nicht ersehen konnten, daß sie einer Unterstützung würdig sind. Vorgelegt wurden dem Vereine 230 Gesuche, von welchen aus dem vorangegebenm Grunde bloß 209 berücksichtigt werden konnten.' Unter diesen waren 2 Studirende der Philosophie, .49 Hörer der Rechte, 139 Studirende der Medicin und 19 Studirende der Technik. Dem Vater lande nach waren: 2 aus Wien, 3 aus dem Lande Niederösterreich, 91 aus Ungarn, je 36 aus Böhmen und Galizien, 28 aus Mähren, je 3 aus österreichisch Schlesien, aus den Donaufürstenjhümern nnd Slavonien, je 1 aus der Bukowina, Dalmatien, Triest und Preußen. Leider können wir.die. Bemerkung nicht unterdrücken , daß in diesem Jahre die Zuflüsse unseres Vereines spärlicher denn je waren., und daß .gerade die Jetztzeit größere Anstrengungen bei Unterstützung der Studirenden erheischt, da die Theuerung des Lebensunterhaltes stets zunimmt, während das Einkommen der Studirenden bei den bedrängten Zeitverhältniffen in steter Abnahme begriffen ist." Die Einnahmen betrugen bei 1921 fl. Jahresbeiträge, .564 st. Spenden nnd 757 st. Zinsen (?)**) 3458 fl., dieAusgaben ebensoviel, indem der Saldo - Vortrag ungefähr derselbe blieb. Unter den Jahresbeiträgen bemerken wir nur einen einzigen aus Pest und einen von Alb. Cohn in Paris (40 Frcs.), sonst rühren '*) Denjenigen, welche 1jth Strafantrag für den „Fränkischen -Courier" bei der Königl. Staatsanwaltschaft gestellt Haben, müssen wir den besten Dank wissen. -Warum aber hat man in München, dem Vedlrgsorte der von uns in Nr. 3't und ‘33 besprochenen Broschtire sdes 'Eonstantiu Frantz, bie. Anklage, gegen..diesen micht'erhoben? Nedaetion. **) So im Manuseript. ' -