Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1874)
- Date
- 1874-11-10
- Page
- Seite 770 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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haben die Gemeinden gethan und was thun sie Noch, um sich' bedeutende/ Gelehrte und -ausgezeichnete - Känzelredner heranzubilden? Nichts! lautet: die trostlose.Antwort. Vergebens machte man: sie, schon vor vierzig Jahren /daraus aufmerksamforderte sie mit - - belehrenden und begeisternden Worten üuft . diesen für jede Religionsgenossenschaft so überaus wichtigen . Punkt in's Auge zu fasten und etwa Nachhaltiges dafür zu thun. War es, doch die-Berliner Gemeinde oder /vielmehr ihr damaliger Vorstand, welcher die Ausführung dieses. Planes geradezu verhinderte, nachdem das preußische.Ministeriumjener Zeit seine' Einwilligung dazu, gegeben: hatte. - Je wohl, - die Sünden, auch die Unterlassungssünden der Väter strafen sich an den Kindern, noch dazu wenn auch .diese in demselben Hehler beharren. < Aus der flachen Hand wachsen die. bedeutenden Männer nicht hervor, und wenn man einen Stand gänzlich vernachlässigt, so entziehen sich ihm alle aufwachsenden großen Kräfte. Die ausgezeichneten Männer, welche jeßt dahingegangen oder Greife sind, waren mit kaum einer Ausnahme Deutsche. Nur Wenige davon hatten, was man nennt, nur eine auskömmliche Stelle, die große Mehrzahl nur eine dürftige. Selbst die jetzigen. Gehälter, wie sie seit kurzer Zeit lich normirt haben, überragen die früheren um das doppelte und dreifache-. .Es war somit Alles; gethan, um -einen Nachwuchs für die jüdische : Theologie in Deutschland - zu erdrücken. Keine Lehranstalten, die die. Jugend anlockten und einen Flor verbürgten und ärmliche Stellen, die noch dazu denen, welche sie inne hatten, mehr Herzeleid als Befriedigung, mehr Kampf als Wirksamkeit gewährten. Dies ist die Antwort auf die Frage, warum die jüdische Jugend Deutschlands sich vom Studium der jüdischen Theologie so' gänzlich/ferm hält; dies ist auch die Aut» wort auf die Frage, warum es so überaus'schwer halten wird, irgend einen genügenden Ersatz für Geiger behufs seines Amtes in der Gemeinde zu finden! ~? Magdeburg, 26. October. (Privatm.) Im Jahre 1871 wurde hier ein „Israelitischer Wittwen- und Waisen-Unterstützungsfond" gegründet, dessen erster Bericht in diesen Tagen veröffentlicht worden. Der Gedanke fand so vielen Anklang in der Gemeinde, daß gleich bei der Gründung über 5000 Thaler zum Fond und über 600 Thaler Jahresbeiträge gezeichnet wurden. Herr Oberstabsarzt: vr. Rosenthal stattete jetzt den Bericht des Curatoriums ab.' Die Mittel';des Vereins sind bedeutend gewachsen, besonders auch da . die/Ansprüche an denselben bis jetzt glücklicherweise noch mäßig warem Doch schon jetzt erfreut er sich mancher schönen Abhülfe in der Noch. Bis zum 30.' September 1874 beliefen, sich die Einnahmen für den Fond,' durch die Jahresbeiträge außerordentliche Geschenke und Zinsen, auf 11,353 Thaler. Für Waisenkinder und Wittwen wurden verausgabt 512 Thaler., so daß/ nach Abzug der- Kosten für Drucksachen und den Vereinsboten der Caffenbestand in Effecten zum Werthe von 10,538 Thalern und baar 189 Thaler beläuft; Gewiß; ist außer dem Segen, weichet dev Wirksamkeit eines solchen Vereins entfließt, auch'noch das Beispiel zu würdigen, welches durch diese Schöpfung / echten Wohlthätigkertssinnes unsere Gemeinde gegeben hat. München, im October. Nach der vom , Cultusminister w. Lutz kürzlich in öffentlicher Sitzung der Abgeordneten vorgelegten Uebersicht über das Schulwesen in Bayern, giebt es im Königreiche 7016 Volksschulen, darunter 124 israelitische. Die Gesammtschülerzahl ist in den Werktagsschulen 632,599, wovon 5883 israelitische. Die Feiertagsschulen zählen 208,705 Schüler, worunter 1207 Israeliten. Breslau, 27.. October. Am hiesigen cvnfessionslvsen Johannisgymnasium, an welchem Vr. Badt, außer der Stelle eines . ordentlichen Lehrers, die eines jüdischen Religionslehrers bekleidet,' wurde j ü d i s ch e R e l i g i o n als - öffentlicher Prüfungsgegenstand ' bei dem letzten Miturientenexamen behandelt, und vr. Badt .war als Examinator bei demselben Mitglied der Prüfungscommission. ' , ' Breölald, 30. October. (Privatmitth.) vr. W. Ebstein, bisher Privatdocent an der, medicinischen Facultät zu Breslau, ist als ordentlicher Professor und Director der Klinik-nach Göttingen berufen worden, vr. Ebstein hat den ehrenvollen Ruf angenommen. ' Hannover, 6. Oktober. (Privatmitth.) Die Juden der hiesigen Provinz standen bekanntlich auch seit der Besitzergreifung von 1866 nicht unter dem preußischen Gesetze vom 23. Juli 1847, sondern verblieben unter den bezüglichen Gesetzen des ehe-. maligen Königreichs Hannover. Die Führung der Civilstandsregister ging daher für die Juden dieser Provinz mit dem ersten October von den Vorstehern der jüdischen Gemeinden' auf die vom Staate' eingesetzten Civilstandsbeamten über, sowie auch das Gesetz über die obligatorische Civilehe für sie in Kraft trat. . Hierüber haben die beiden Landrabbiner ein Circulär erlassen, das wohl auch auswärts das Interesse der Leser in Anspruch nehmen dürfte. Ob es gelingen wird, die Listen auch freiwillig . und ohne amtlichen Charakter fortzuführen, ist eine Frage, welche: in Preußen thatsächlich verneiirt worden ist, namentlich in größeren'. Gemeinden, da' Viele unterlassen, Anzeige von-den betreffendem Vorkommnissen zu machen, und jedes Zwangsmittel hierfür aufgehört hat. Das Circulär lautet: - '• ■ Hannover, 16. September 1874. Mit dem 1. October d. I. tritt das Gesetz über die Bdur-/ kundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung vom 0. März d. I. in- Kräfte Dümit endet die amtliche Führung der Geburts-, Trattuttgs- und Sterberegister durch die'Listenführer der Synagogengemeinden," wie solche durch Bekanntmachung des vormaligen Hannoverschen Ministeriums des Innern vom 4. November 184§ vorgefchrieben war.