Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1874)
- Date
- 1874-11-10
- Page
- Seite 769 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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haben; eg sind freilich nur papierne- Lorbeeren, die auch nur bei ihren seigenen /-Anhängern als solche angesehen werden — sie lassen die Wortführer der evangelischen und lutherischen Pietisten nicht schlafen. Bekanntlich zeichnen sich die Ultramontanen we- ' nigstens durch männliche Energie und rücksichtslose Entschieden-, heit aus,. Eigenschaften, die den protestantischen Pietisten abgehen. . Was sie aber nach keiner Seite, wo eine wirkliche Macht vorhanden' ist, wagen, das unternehmen sie gegen die machtlosen Zudem die sie freilich zu einer lächerlichen Höhe von Potenz aufbauschen. Es geschieht hier das umgekehrte, wie in der Fabel vom Frosch. Nicht der Frosch will sich zum Ochsen aufblasen, sondern die Ochsen wollen den Frosch aufblasenum sich im Kampfegegen denselben für Löwen auszugeven. Der Frosch laßt sich dies nicht gefallen. - Doch das thut nichts; man schafft ' sich.ein Schattenbild von einem Frosch und bläst und bläst in dieses hinein. Das Ende ist/ daß der! Frosch ganz wohlgemuth bleibt und nicht platzt, während die Herren Ochsen sich den Athem ausblasen und elendiglich zusammenfallen. Doch hierin sind diese Evangelischen nicht einmal original; sie empfangen ihre Almosen von Weisheit aus den Händen der Ultramontanen. Da hat ihnen z. B. das von den Ultramontanen neuerdings in Cours gesetzte Wort „die Verjudung des öffentlichen Lebens" überaus gefallen, und sofort ist Prof. Luthardt bei der Hand, einen gleichnamigen Artikel in Nr. 43 seines Blattes als einen höchst dürftigen Abklatsch von Constantin Frantz zu liefern. Dabei verschweigen sie, daß die Ultramontanen es wieder, aus einer andern Quelle bezogen haben, nämlich von Bruno Bauer, der - es auf der radicalsten, gotteslästerlichsten Stufe, seiner Wandelungen (1842) erfunden hat. Also, wie so oft,: Ultramontane, Pietisten und Gotteslästerer in einem Bunde/ Diesmal ist Herr Luthardt ganz offen: er kann den Gedanken nicht vertragendaß Juden in der Reichsstadt Nürnberg und da in einigen alten .Häusern wohnen. Er sagt es offen, in einem Ghetto würde er sie dulden, aber in einem mit altem Schnitzwerk versehenen Hause nimmermehr! Das ist ihm eine Beleidigung des deutschen Volkes. Der! arme Mann, er ist wirklich ein halbes Jahrtausend zu spät geboren! . Seine 'einzelnen. Auslassungen sind der Widerlegung wirklich nicht werth; z. B. die Juden sind Herz- und gemüthlos — gerade das Gegentheil spricht ihnen: die Welt zu; die Juden hätten keine Tiefedes Verstandes — nun, auf die Hiefe des Verstandes, den Prof. Luthardt mit seinen Gesinnungsgenossen doch überhaupt als unberechtigt-erklärt, machen wir keine Ansprüche. ... Nur! das. Eine _ möchte ich accepiirenProf. Lüthardt sagt, unumwunden, die allgemeine.: Humanität sei das Niveau des Äudenthums. Was nun den eigentlichen Inhalt : des Artikels ausmacht, /sind die bekannten.-Phrasen^von^^er- Herrschaft der Juden..über das Capital und die Presse. Hierzu - fügt er moch,; . daffdie ganze Gesetzgebung .des modernen Staates, unter dem. mächtigen Einflüsse .der-..Juden stehe.. -Diese-Leute -haben: doch gar keine Kenntniß von dem geschichtlichen Verlaufe selbst.ihrer Gegenwart. Unsere neuere Gesetzgebung stützt sich auf die eng-- lische, - auf die der Nordamerikanischen Union und' auf die der Nacht, vom. 4. August 1789. Aber von diesen Stützpunkten aus . hat sie sich vom deutschen Geiste ergriffen, fortentwickelt und . gestaltet -sich lebendig weiter. An allen diesen Gesetzgebungen hatte aber keine einzige Judenseele auch nur den geringsten Anrheil, -und es ist ein. wahrer Hohn auf die gesetzgebenden Versammlungen, sie/von der verschwindend kleinen Zahl von Juden, die in denselben seit einigen Jahrensitzen, sammt den Regie-' rungen beherrscht auszugeben. Es/ fällt uns bei allen diesen Expectorationen nur das Eine auf: Für wie dumm und ohnmächtighalten diese Leute die dreihundert- Millionen Europäer mit ihrer, mehr als Zweijahrtausende allen Cultur, daß sie sie von - den .kaum vier Millionen europäischen Juden beherrschendes Christenthums berauben, der . Nationalität entkleiden, und in allen wichtigen . Lebensmomenten ° unterwerfen lassen, von den Juden, welche-erst seit einigen Jahrzehnten - in das allgemeine Leben eingetrelen sind! Es gehört , ein „tiefer Verstand", wie ihn-diese Herren besitzen, dazu, solchen Unsinn, auszuhecken, und eine außergewöhnliche Portion Unverschämtheit oder Blödsinn, ihn .öffentlich vorzutragen! Wenn ich die Schreibereien dieser Männer lese, sobekenne ich einen ordentlichen Respect vor jedem einfältigen Dorfjudendenn er erscheint mir nun wie ein Simson, der .„mit einem Eselskinnbacken tausend Philister schlägt" Berlin, 25. October. Als einen .neuen Fortschritt auf. dem akademischen Gebiete haben wir hervorzuheben, daß jüngst ein Jude, der Professor der Medicin, Dr. Hirsch zu Berlin, von seiner Facultät zum -diesjährigen Decan gewählt worden. Es ist dies bas erste Beispiel in .seiner- Art. Prof.. Hirsch ist auch- Mitglied der vom- Staate .eingesetzten deutschen Cholera- Commission. Berlin, 26. October. (Privatmitth.) Den Eindruck, den das - plötzliche Hinscheiden Geigers gemacht hat, 31t; schildern, würde schwer sein. Je unerwarteter und unvorbereiteter es kam,, desto allgemeiner und tiefer war dieser Eindruck, und man kann^ dreist behaupten, daß — außer seinen abgesagten Gegnern — i Niemand war, den nicht eine sehr schmerzliche Empfindung über-/ kam. Freilich mag - es unter dies er großen-.' Menge nur eine - kleine Zahlsein,; welche-irgend, eine Schrift von Geiger gelesen hat, und - die - - daher 5 den ganzen erlittenen Verlust - zu ermessen.. vermöchte, aber-sie hatten ihn . doch, gesehen und gehört und von seinen. Verdiensten vernommen; er hätte ihnen imponirt und der Tod verhüllt 'bekanntlich auch das, was während des Lebens als. -Schärfen und.-Spitzenungesehen wird.: Andere wieder gaben sich - der Klage Lvöllig: hin und meinten-, daß die jüdische Wissen-/ schast. diesen Verlust nicht überleben werde. Dies war die Stirn-/ mung, die den/Hingeschiedenen zum Grabe! begleitete, Hierauf/ erhob-sich: in allen die Frage, wie -nun die leergewordene Stelle besetzen.?-.'Man schaut sich um. und findet,-nirgends was man.- sucht-.,/.ViMcht: kommt ds hg. abermals zum .Bewußtsein: was-