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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-11-10 · Heft 46 (10.11.1874) · p. Seite 768

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 46 (10.11.1874)
Date
1874-11-10
Page
Seite 768 (sequence 6)
Language
German
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einer gewissen Parteifärbüng dienten, deshalb Schwankungen, Willkürlichkeiten und 'einer schimmernden Oberflächlichkeit huldigten. Außerdem erschienen von Geiger viele Aufsätze und Bemerkungen in der „Zeitschrift der Deutschin morgenländischen Gefellschast." Es isthier nicht die Stelle, diefchriftstellerische Thätigkeit Geigers in ihrer ganzen Ausdehnung darzustellen. -Als seine Hauptwerke haben wir seine'Schrift über „Urschrift und Uebersetzungen der Bibel" (1857)- sowie seine ,-Vorlesungen über das Judenthum und dessen Geschichte^, endlich seinen j,Divan Juda Halevy's" und „Salomon Gabirol" und seine,-Dichtungen" hervorzuheben. Schon hieraus-erkennt mandaß die ^wissenschaftliche Thätigkeit Geigers sich über alle Perioden des Judenthums) über Bibel, Talmud^ und das mittelalterliche Schriftthum erstreckte und hierbei auch auf die verwandten Dialcete und deren literarische Ueberreste einging. Es liegt hier ein außerordentlich reiches Material von Specialitäten von ihm vor, welches noch , lange zukünftiger Forschung und Sichtung zu Wegweisern 'und Stützpunkten dienen wird/ Ueberblicken wir das Ganzeso ergiebt 'sich uns, daß Geiger mehr Philologe-als Theologe war, mehr einen kritischen als schöpferischen Geist, besaß, mehr sonderte und schied als zusammenfaßte. - Er folgtedaher in der geschichtlichen Auffassung und-Deutung mehr seinen linguistischen Forschungen und Ergebnissen,- als dem Geiste und inneren Zusammenhänge - der Dinge. Sprachliche Resultate und Voraussetzungen aber geben zwar greifbare Anhaltspunkte, verleiten jedoch, da sie für die ganze Erscheinung nur em schwankendes, weil leicht veränderliches und einseitiges Kriterium darbieten, leicht zu Hypothesen:' Verstand es daher Geiger wohl, das Bild einer Zeit zu entwerfen und charakterisirend auszuführen, so mischte doch sein kühnere Geist solche, Hypothesen in dasselbe oder zeichnete es vielmehr aus diesen Hypothesen 'heraus. Oft fanden daher'-die Ansichten Geigers ' über geschichtliche And literarische ' Gegenstände einen allgemeinen und entschiedenen Widerspruch, womit wir nicht gesagt -haben wollendaß nicht dennoch manche derselben durch weitere'parteilose Forschung^ bewährt und zur Geltung gebracht werden mögen. Aber immer wirkte er selbst durch seine abweichenden Ansichten, anregend und scheuchte damit die Geister von dem Schlendrian hinweg, in welchem sie so gern verbleiben und sich ergehen. Wir glauben -daher, daß die wissenschaftlichen Arbeiten Geigers, wenn die Aufregung der Parteien sich wieder einmal beschwichtigt haben wird, erst recht hervorgeholt, beachtet und wirksam werden; Vieles wird' als unhaltbar ausgeschieden, Vieles und Bedeutendes als fundamental erkannt werden. Indem wir die Feder niederlegen, - fühlen wir wohl, daß wir nur ein schwaches- Bild entworfen und die Umrisse kaum scharf gezeichnet haben.' Aber man wird in dieser Stuüde auch nicht mehr von uns verlangen. Wir wollten nur den Eingang zu einer vollen und unparteiischen Würdigung eröffnen. Es liegt in der Natur der Sache, daß, wenn ein bedeutender Mann scheidet, eine große Lücke zurückbleibt, die nicht sobald ausgefüllt werden kann. Länge Zeit wandten sich in der französischen Nationalversammlung die Blicke' auf den leeren Sitz Mirabeau's, wenn in einem schwierigen Momente eine rasche und entscheidende Lösungersehnt ward.' Aber die Zuversichtin die Lebenskraft der Gesammtheit, die jede Wunde vernarbt und jeden Verlust reproducirt, darf uns nicht verlassen. Vor . Allem hat sich - an Israel die Wältung der göttlichen Vorsehung-zu aller Zeit bewährt, die rechten Männer immer wieder 'zu erwecken , welche die schwankende Mauer stützen und ihre Riffe wieder ausbauen. ^edmt^6u.ctclattcfabeu.. Deutschland. Bonn, 2. November. Wir erhalten aus Berlin über einige Jrrthümer in < der Correspondenz „Berlin, 27., October". in Nr. "44 d. Ztg. folgende Berichtigung, die wir gern mittheilen. Die besprochene Kritik über die Aufführung des Uriel Akosta und der Widerruf derselben, waren nicht im „Perliner Börsen- Couxi er", sondern in „Salings Börsen-Blatt" enthalten. Der „Berliner Börsen - Courier" sprach sich, vielmehr in wohlwollender Weise-über jenen der Wohlthätigkeit gewidmeten Act aus, wie er denn, ohne selbstverständlich die Interessen des Judenthums zu vertreten, bei jedem Anlaß dieselben nach besten Kräften zu wahren suchte. Uebrigens sind von den hier existirenden vier Börsenzeitungen sowohl die „Berliner Börsen-Zeitung" als die Meue Börsen-Zeitung" und „Salings Börsenblatt" 'weder im Besitz von Juden, noch von Juden redigird: Lediglich bei dem „Berliner Börfen-Courier" findet beides statt. Leipzig, 27. October (Privatmittheil.). Wenn Sie jüngst ihren Widerwillen aussprachen, mit den Kirchenzeitungen, .sei es der „Neuen Evangelischen" in Berlin oder --der „Evangelisch- Lutherischen in Leipzig, also mit Prof. Meßner dort oder Prof. Luthardt hier in dauerndem Hader - zu stehen und verrottete Ansichten zu bekämpfen, welche der Lebensnerv dieser Männer sind und darum ihrem dafür geneigten-und gleichartigen Leserkreise von ihnen-, immer wiederholt und unverändert vorgetragen werden, so müssen Sie doch gestatten; von Zeit zu Zeit einige ^Bemerkungen gegen diese Herren Theologen zu machen, schon damit diese sich, nicht in dem von .ihnen.gern gehegten Wahne.wiegenman schweige vor ihnen, fei es aus Furcht oder Refpect, sei es weil man nicht erwidern-könne. Die Lorbeeren, welche.die Ultramontanen in der unvernünftigsten Verfolgung der Juden gepflückt

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