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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-11-10 · Heft 46 (10.11.1874) · p. Seite 765

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 46 (10.11.1874)
Date
1874-11-10
Page
Seite 765 (sequence 3)
Language
German
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7'65 Ehe; eben nur als. bürgerlich geschloffenanzusehen und - diese! selbst als für sie nicht bestehend zu betrachten. - - n; -Hier-lomckt'aber die Frage über das. Verhalten der-Gemeinden den gemischten, civiliter getrauten Ehen gegenüber hinzu. Soweit dies den jüdischen Theil des Ehepaars betrifft, ist die Frage im Obigen beantwortet. Anders ist es aber be-! treffs der Kinder.• Zu bestimmen, welcher Religion die Kinder angehören, in welcher Religion sie erzogen werden sollen, ist Vas Recht der Eltern allein, und die Synagoge, die auch solchen Kindern die Aufnahme durchaus nicht verweigert/ also dem Knaben nicht die Beschkeidung, dem Mädchen nicht die Namengebung, muß doch fest darauf beharren, diese Acte nicht eher vorzunehmen, als bis die Eltern, selbst das Verlangen stricte gestellt haben, , und-zwar beide Ellern, wenigstens haß sie mit der Kenntniß des christlichen Theiles und ohne Protest von diesem geschehen: Etwaige Anforderungen anderer Verwandten, etwa der Großeltern, dürfen nicht berücksichtigt werden, sondern nur - der ausgesprochene Wille der Eltern, es sei denn> daß die Eltern verstorben waren. Hierin muß die Synagoge ihre Würde und ihren Charakter bewahren. Wenn sie bei dem unehelichen Kinde einer jüdischen Mutter nur auf das Verlangen dieser letzteren zu hören hat, so ist dies einem . gemischten und civiliter getrauten Ehepaare gegenüber ein Anderes: in-diesem Falle muß die Willensmeinung des Vaters nicht minder-zustimmen: bevor die Synagoge das'Kind in ihren Verband aufnimmt. ■. ' vr. Abraham GeiM Auf den eben geschlossenen Grabhügel legen wir' im Geiste einen Palmzweig und ein ftisches LorLeerreis nieder; den ersteren dem unermüdlichen Kämpfer für das, was er als Ueberzeugung in seiner Seele trug, das wohlverdiente Lorbeerreis für den rastlosen Arbeiter auf dem Gebiete des Geistes, der Wissenschaft. Im diesem Kampf und dieser Arbeit fand er allein seine Befriedigung; sie füllten sein ganzes Leben aus, -und mitten aus ihnen, aus der noch vollkräftig. geübten Thatigkeit wurde er herausgerissen. '^ . Der Kreis wird immer mehr gelichtet. Von jenen Männern, welche? im dritten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts auf dem Gebiete des Judenthums erschienen, um mitjugendlicher - Kraft und Begeisterung, mit mächtigem Auffchwung und schöpferischer Begabung, mit Entschiedenheit und Thatkraft in die träge Maffe die Funken neuen Lebens und Bewußtseins auszustreuen-und zu Hellem! Feuer anznfachen,: den erstarrten Stoff wieder zw beleben und energisch umzugestalten, und diesem Beginnen ein ganzes Lebenvoll treuer- Hingebung zu widmen: von diesen Männern ist Einer nach dem Andern geschieden, und nur -noch wenige sindübrig geblieben, des Rufes haxrend^ der '/ sie -von hinnen chescheidet.? Sind -die Lücken, die -sie hinter sich ließen, ausgefüllt? Ist: der rechte Ersatz eingetreten für diejenigen, welcheheimgegängen? -Wir überlasten die - Antwort' deü Sachkundigen und UrtheilsfähigeU. — Die Geschichte zeigt uns, daß auf jedem' Gebietes äüf deui politischen; wissenschaftlichen; künstlerischen und technischen,' Zeiten eintreten, welche-eine Anzahl begabterGeister,: die mit ausgezeichneten-Erfolgen arbeiten, hervorbringen, und daß diese nach ' langen'Perioden erst--- ihre- --gleichgeäMte«. Nachfolger-finden.' Man wird uns fragen: warum haben diese Männernicht für unmittelbar von ihnen geschulte Jünger gesorgt? Nun; sie haben dieses Bedürfniß von vornherein erkannt, aber die-von ihnen erst zu begeisternde Masse versagte ihnen die erforderlichen Mittel für solche Veranstaltung; und dann,;; sie hatten so viel in?! ihren nächsten Kreisen Und' darüber hinaus zu kämpfen/ daß ihre meiste Zeit davon in Anspruch genommen würde; und endlich und was die Hauptsache war, vor Allem hatten sie ihren Beruf zu erfüllen, durch Wort und Schrift, besondersdurch' die; letztere, auf die Masse begeisternd unv dieneuen Schöpfungen gestaltend'-zu wirken^ Dies war. Lehrthätigkeit genüg: ' Die rechten' Jünger muß der Genius geben, den die Vergunst des Geschickes verleiht und austheilt: — Unter diesen Männern war Geiger einer der ersten und bedeutendsten.' ' : üv;,: ' - Wir haben hier weder eine' eigentliche Biographie, noch-ein erschöpfendes Urtheil zu geben vor. Wir mögen nur eine Erinnerungsskizze aüfstellen, nachdem der erste Schmerz über"'den Verlust, den das Judenthüm erlitten, sich gemildert hat, und fühlen uns hierzu" berufen und" verpflichtet, und: -zwar gerade, darum, weil wir bei siarker Analogie der Tendenzen doch r in Ansichten und Zielen sehr auseinandergingen, und die .persönliche Verbindung zwischen uns fftets nur ein lose war^Ä . Blicken wir auf die äußere Laufbahn des Verewigte«/-so kann man sie nur eineglückliche undglänzende -nennen, wie-sie ein Rabbiner selten erlebt, und' -man möchte - sagen;' für jeden Kampf und jede Anstrengung, die er - bestanden, ward , ihm Befriedigung und Lohn, soweit - diese vom Außen Herkommen können/ Im Jahre 1810 zu Frankfurt am Main! geboren, . wurde er bald, nachdemer zu Heidelberg und Bonn studirt hatte, -nach Wiesbaden berufen (1835). - Von-- hier wurde -er l840 nach Breslau berufen. Die schweren Kämpfe, die ihn hier erwarteten, da die beträchtliche orthodoxe Partei der-Gemeinde alle Mittel anwandte, ihm den Eintritt in fein Amt zu verschließen, wurden durch-den Sieg belohnt, den. er errang, -durch die friedliche Lösung, welche. die ganze.Frage• der Gemeindeorganisationgerade in. dieser Gemeinde erlangte,! durch die Anerkennung als erster Rabbiner der Gemeinde, die ihm bald darauf wurde. Bis zum Jahre 1864 wirkte: er daselbst und folgte dann einem Rufe .nach -Frankfurt am Main, 'so durch die Befriedigung; erfreut,' in seiner Vaterstadt selbst , eine .ehrenvolle-Stellung einzunehmen.- Schon.'1869 langte an ihn die Berufung - nach Berlin/nach dieser "größten Gemeinde Deutschlands, welche in diesem AugenbliMüber 36,VW

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