Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1874)
- Date
- 1874-11-03
- Page
- Seite 757 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Bürgermeistern mehrerer kleiner Orte.Bekanntmachungen er? schienen, durch welche demjenigen, der: auf dem Felde oder sonstigen Grundstücke.eines Juden arbeitet, für den Tag 1 fl. und, wenn es mit Zugvieh.geschieht, 4 ,A.Mrafe ^auferlegt. Daß solche Strafbestimmungen und ihr Vollzug nicht. allein ungesetzlich-, sondern widergesetzlich und ein empörender Hohn auf die Staatsgesetze sind, genirt diese Leute nicht; aber, dasist, doch zu - verwundern und wirft ein helles, Licht - auf die. Zustände in Galizien-und auf die ganze Verwaltung in diesem. Kronlande, daß dergleichen unter den Augen der Oberbehörde geschieht und ganz ungerügt bleibt. Es versteht sich, daß die Betheiligten bei den Oberbehörden Beschwerde erhoben haben. Wir hörten jedoch bis jetzt nicht, baß etwas dagegen .geschehen ist. Allerdings, ist diese Agitation auf ökonomischem Boden im Großen und auf die Dauer nicht zu fürchten; aber im Kleinen und für den Einzelnen, den sie. trifft, kann sie . sehr empfindlich werden; , und was das! Schlimmste ist, die Feindseligkeit zwischen den, verschiedenen Bevölkerungen des. Landes wird dadurch immer mehr genährt. Hier I e u i l Nekrolog.*) R. Hirsch Kalischer. Thorn, den 19. Oktober. Gestern hat unsere Gemeinde einen Mann zu Grabe geleitet, dessen Namen man nur zu nennen braucht, um das . Herz eines Jeden , der ihn kannte, zu erschüttern. R. Hrrsch Kalischer starb am 12. d. M. nach kurzem Leiden, m einem Atter von beinahe 80 Jahren, nach einem Leben unausgesetzter Arbeit für Erhaltung jüdischen Wesens und Förderung jüdischen Wissens. Er war nicht nür ausgezeichnet durch eine viel umfassende Gelehrsamkeit und außerordentlichen Scharfsinn, sondern auch, durch seltene Charaktereigenschaften, welche ihn nicht nur zur Zierde und zum Stolze der Judenheit, sondern geradezu zu einem Vorbilde aller Menschen zu machen geeignet sind. Tenn' von all seiner unablässigen Arbeit im Dienste des Judenthums, von seiner fast 40jährigen Thätigkeit als Rabbinatsverweser -der -hiesigen Gemeinde \ von seinen schriftstellerischen Leistungen, von seinem aufopfernden Streben für die Besserung aller Verhältnisse der Juden aller Orten und insbesondere'Palästinas, von seiner Hilfeleistung jeglicher Art durch Wort,-Schrift und That, zog er nie, einen materieller^. Nutzen , trotzdem er selbst in sehr bescheidenen Verhältnissen lebte und'bis vor vierzehn Jahren ein mühevolles kaufmännisches Geschäft betrieben hatte. Alles, Alles , was er zur Hchung des Judenthumes und jüdischen Geisteslebens that, *)'Obgleich wir mit der Richtung des Verewigten nicht übereinfiimmten) und manchen Ansdrück für Erguß einer erklärlichen Zuneigung halten, geben: wir - doch den Nekrolog wörtlich so wieder, wieer uns zugekommen. - " Redaction. kann nur eine starke Hand der Negierung.helfen,.und. diese-fehlt bei uns ganz und gar. Es ist durchaus, nicht gleichgültig. ,für einen Staat, wenn er so ungestört die, Flammen der,Zwietracht und den nationalen Brand, der in sich selbst immer neue Nahrung findet, fortwnchern läßt — bei der'ersten Gelegenheit bricht die Feuersbrunst aus, und das Ganze fällt zusammen. . , Rußland. Petersburg, 15. October. Von Seiten der Regierung soll eine neue und besondere Zählung der jüdischen -Bevölkerung in Rußland und in Polen stattfinden,- um auf Grund derselben, das Wehrgesetz unzweifelhafter durchführen zu können. Zu dewhöheren Lehranstalten, deren Absolvenz zum einjährigen Militärdienste berechtigt — dem sonstigen sechsjährigen gegenüber r ~ findet. ein großer Zudrang statt, ganz besonders von der jüdischen, -Jugend. Es ist dies immerhin eine mittelbare, aber.sehr segensreiche Wirkung der allgemeinen Wehrpflicht. ... .... r e t o it. that er unentgeltlich. aus reiuster Liebe zur Sache, mit Aufopferung seiner Gesundheit, mit Hintansetzung ,seiner eigenen Jutereffen, im uneigennützigsten Dienste der Idee. . , Ein. Schüler des Chaweih Z)aath, des. R. Akiba Eger und anderer Gelehrten jener Zeit , ausgewachsen im ausschließlichen Studium des Talmud und ihm mit ganzer Seele hingegeben, erwarb er sich schon früh den Ruhm eines der gründlichsten Kenner der talmudischen Literatur, und legte die Früchte seiner Studien in einem umfangreichen Werke, UOwvb trata», einem Commentar zum llvwvn.lwin nieder, welcher, abgesehen .von seiner halachischen Bedeutsamkeit , ein ganz besonderes Interesse dadurch in Anspruch nimmt, daß er meist in reinem Hebräisch, in der Sprache des Maimonides, geschrieben ist. Zwei Folianten, dieses Werkes sind im.Jahre 1854 erschienen,, d.erübrigeTheil ist als Manuscript vorhanden, an welches.der Verfasser'noch kurz vor seinem Tode die letzte Hand anlegte. Lange vorher hatte er .einige selbstständige Abschnitte des PDD72Nin einem VTin ■ p» betitelten Werke behandelt. Vön -.Nah und Fern legten ihm Rabbiner verwickelte kasuistische Fragen , und halachische Probleme jeglicher Art vor, welche er jederzeit.,mit größter Leutseligkeit, Gewissenhaftigkeit, Präcision und Pünktlichkeit beantwortete, und wobei. ebenso sehr die Leichtigkeit und. Eleganz. der Sprache) wie die Schärfe seines . .Verstandes und ,die . tiefe Kerjntniß der talmudischen Literatur bewundert wurde.. Dabei hatte er längst eine auffallende Selbstständigkeit und Eigenartigkeit des Denkens bewiesen, und aus eigenem Forschungstriebe hatte er sich .über die Schranken, in welche namentlich die Talmudgelehrten seiner Jugendzeit gebannt , waren, erhoben und sich in unermüdlichem ,Fleiße..die Kenntniß. der, philosophisches ' Literatur des