Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1874)
- Date
- 1874-11-03
- Page
- Seite 754 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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thun; aber es ist doch etwas .Anderes, ..sich mit einer völlig unfertigen. Sache zufrieden erMren, oder auf die Durchführung energisch dringen^.. Die Sache.ist aber.charakteristisch für unsere Stadtverwaltung. . Paderborn, 18. October. (-Privatmittheilung.) Gestern wurde im hiesigen israelitischen Waisenhause ein neuer, , sehr geschmackvoll eingerichteter Betsaal feierlich eröffnet.; Der.alte Betsaal war. nicht geräumig genug und mußte, bei der wachsenden Zahl der Zöglinge zu den.Benutzungsräumen hinzugezogen werden. Hexr Rabbiner vr. Schwarz hielt die Weiherede. Der Oberpr^äsident von Westphalen, Herr. v. K.ü h l wett er, wohnte der . Feier bei und. sprach sich später dahin aus> daß bei der 'Menge, der Zöglinge und den wachsenden Ansprüchen, es angemessen ..sein würde,, bie. beiden Geschlechter zu trennen, und für die Mädchen , etwa in.Cöln, wo die Töchterschulen sehr gut sind, ein eigenes Waisenhaus zu gründen, wozu sich ein Wohlthäter finden möge. Wir wissen nicht, ob dies den Wünschen und Abfichten, des Fräulein Nathan entsprechend ist. Vom materiellem Standpunkte aus wäre der Gedanke kaum zu empfehlen. Denn was. israelitische Waisenhäuser verhältnißmäßig sehr theuer macht, ist der kostspielige,, erforderliche. Gesammtapparat an Haus, Utensilien, Auffichts-, Lehr-:.und Haushaltungspersonal u. s. w., bei einer verhältnißmäßig: geringen Zahl - von Waisenkindern.. Eine Trennung nach den Geschlechtern, also zwei Waisenhäuser, würden demnach der jüdischen Wohlthätigkeit mehr Opfer. auferlegen..als nöthig ist; und wenn sie Beide von Sammlungen existiren müßten, so wäre stets eines, wenn nicht beide, durch die Concurrenz gefährdet. Der Gedanke des Herrn Oberpräsidenten wäre höchstens annehmbar, wenn.wenigstens das eine,Waisen-. Hans sofort vollständig mij .Fonds versehen würde. Eine Hauptquelle der Einnahme hat. das hiesige Waisenhaus aus den, Jahreszeit-Stiftungen, und es wäre hart für dasselbe, diese mit einer andern so nahe gelegenen Anstalt theilen zu mästen. Wir sind hierauf etwas näher eingegaygen, damit nicht dieser Gedanke in Cöln etwa verfolgt würde, anders gss wenn das Mädchenwaisenhaus sofort mit ausreichenden Mitteln versehen würde.- Sonst, wir sagen es unumwunden, .würde das . Unternehmen das Grab für beide Anstalten werden. Aus dem Elsaß, im October. (Privatm.) Sie fragen mich, wie ich bei meinen vielfachen Reisen durch das Elsaß die politische Stimmung - unserer Glaubensgenossen gefunden habe. Ich will es Ihnen offenherzig mittheilen und glaube, daß. meine Meinung.-..vollkymmen begründet ist. Hs findet hierin, ein Unterschied zwischen den großen Städten , und dem Lande, d. i., den Landstädten, und den Dörfern,, statt. In den großen Städten ist die Mehrzahl. d?r . Juden noch sehr französisch gesinnt, und obschon manu sich der, Ruhe^ Ordnung und. Sicherheit freut, welche die deutsche. Regierung .des Landes ihm-sichert, so vermögen die französischen Wirren und: Parteikänipfd. doch nicht Hre 'Sympathien füp Frankreich zu verlöschen^ halten sie vielmehr lebendig. nochdazu,.: da ihr?. gewerblichen. Verhältnisse. sie .noch..immer mehr auf> Frankreich,, qls auf Deutschland hinMrey,)Ganz anperS bei den Juden , auf dem Lande; diese sindder deutschen Regierung herzlich fröh und sehr anhänglich. Der Grund liegt.wesentlich — in der deutschen Justizpflege. - Unter den sranzösischen Friedensrichtern haben die Juden auf. dem Lande meist einen übelen Standgehabt, da iene stets, auch in,.den gerechtesten und., -offenbarsten Fällen, auf Seiten der Gegner, standen, und.conftquent den Juden durch alle möglichen Mittel ihr Recht verkümmerten.. Die deutsche Justiz kennt dies nicht; fie geht g?ra-e und unerschütterlich nach dem Gesetze, protegirt undöenachtheiligt Niemanden nach Bergunst oder Feindschaft, und der starke SchM.. der hinter dem Gesetze steht, sichert jedem sein Recht und seine Freiheit. Dies ist es, was ich . durchaus beobachtet habe. — Soll ich Ihnen nun auch ein Wort über die religiösen Zustände und Aussichten sagen, so sieht es in den Landgemeinden gerade wie in den kleinen Gemeinden der Schweiz sehr übel aus. Aller Orten fehlt es an jedem genügenden Religionsuntertzchte. Die Kinder lernen nichts als Hebräisch lesen. Bon Uebersetzen der Gebete, von Verftäudniß der Bibel, vom Bewußtsein dessen, was eigentlich Judenthum ist, gar. keine Spur. Was Wunder, . daß t>ie; Alten die gewohnten Ceremonien. üben, die Jugend aber immer religionsloser wird. Die französische Consistonaleinrichtung.hat hierin alles gehen lassen, wie es geht. Elberfeld, 25.' October. (Privatm.) „Herr vr. Schönflies, der erst vor einem halben Jahre als Lehrer der Gewerbeschule nach Elberfeld berufen wurde, . verläßt diese Stellung zu Ostern 1875 und geht nach Lübeck als Director der dort, vom Staate zu begründenden Gewerbeschule." ... (Man sieht, daß eine tüchtige Kraft sich doch ihre Pahn zu brechen vermag. Uebrigens ist es doch eine Freude, gerade Lübeck einen Juden zum Schuldirector. wählen zu sehen, Lübeck, das - 1816, also vor noch nicht 60 Jahren, die letzte Juvenvertreibung-. ausführte, nachdem .1810 die Thore Lübecks den. Juden durch ■ die Franzosen eröffnet worden. Erst 184 8 sah diese Verbannung aufheben.) Trier, 18. Octbr. (Privatm.) In Nr. 42 berichtet ihr Corresp. .aus Hannover über die Sedanfeier in dev jüd.. Gemeinden der Provinz Hannover. Da sonst über.dieselbe pon anderswoher nicht berichtet worden, so könnte es den Anschein haben, als ob die jüd. Gemeinden in anderen Theilen des.Reiches ihre patriotische Theilnahme durch, gottesdienstliche Feier.^Adiesem Tage nicht bethätigt hätten. Dem ist aberMicht so,.^H^D»viel ich weiß, fand eine solche Feier fast an...allen. Im Trier z. B. war sie mit einer Predigt des. OberraNmeO! C a h n verbunden, urorüber.. die „Triersche Zeitung" .ausführlich und lobend zu berichten sich veranlaßt, sah.. (Es ist dies so . selbstverständlich, daß darüber von all?n Seit?« zu berichten ganz überflüssig gewesen-wäre. So z. B. fqrid auch hier in.Bonn eine gotteKienstiW-.Fefp's m der SynagogeMt,, und so. fast Überall. Redastion.)