Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1874)
- Date
- 1874-11-03
- Page
- Seite 751 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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unserer Artikel Und äuS dem ganzen Zusammenhänge reißt und hierin sich sogar, gelinde gesagt, absichtlicher Verdunkelung schuldig macht. Hiermit will sie uns der Widersprüche zeihen, macht dann diese künstlichen Widersprüche zu Facten. die sie dem Iudenthume selbst aufbürdet. Solche Mittelchen verschmähen und verachten wir, und Prof. Meßner vermag nicht usis 'nachzuweisen, daß wir ein einziges Mal aus den Vorrathskammern seiner „N. E. K." solche Körnlein hervorgeholt haben, an denen sie so reich ist. Auch hüten wir uns wohl, die „N. E. K." mit dem Christenthume zu identificiren; dazu ist sie zu unbedeutend und hat zu viele Nebenbuhler, die mit ihr gar nicht übereinstimmen. Das Beispiel der „N. E. K.", häufig in ihren Spalten trotz deren Beschränktheit Artikel „aus dem ÄudenthuML"1 zu bringen, z. B. wieder in ihrer Nr. 33 und 38, wird uns nicht verleiten, unsererseits ähnliche Artikel „aus dem Christenthume zu bringen. Wir halten es nämlich für gerechter, jede Religion oder Confession ihre inneren Processe in sich selbst durcharbeiten zu lasten und nicht mit täppischer Hand hineingreifen zu wollen. Wir werden auch die „N. E. K." nicht zum Vorbilde nehmen, wenn sie in jenen Artikeln durchaus nichts weiter will, als aus gelegentlichen Bemerkungen, wie sie sie aus unseren Arbeiten herausreißt, das Iudenthum als in der "Zersetzung" begriffen erweisen; nicht zum Vorbilde, um unsererseits das Christenthum in der „Zersetzung" zu zeigen. ' Wir überlasten dies christlichen Autoren, z. B. erst jüngst dem Philosophen' E. von Hartmann; ja, wir glauben nicht einmal in dem Maße daran,' wie solche Autoren, und werden dies nächstens in einem Artikel über die jüngste Schrift Hartmanns zeigen, da er in dieser auch über das Iudenthum, jedoch in ganz anderer Weise, spricht. Er weist diesem doch noch eine Stelle für die Zukunft an. Dies kommt aber eben daher,' weil wir nicht von so kleinlichem Gesichtspunkte, wie Prof: Meßner, an die Erscheinungen unserer Zeit treten und mit der Würdigung der Vergangenheit uns beschäftigen; weil . wir uns nicht, wie Prof. Meßner, von engherzigen Leidenschaften, von Haß und Neid bewegen und in unseren Urtheilen bestimmen lassen. Daß er dies in Bezug auf Iudenthum und Juden thut, erweist er schon dadurch, daß ’ er dem ultramontanen Frantz, dessen Schrift wir neulich beurtheilten, die Hand reicht und drückt und mit ihm übereinzustimmen erklärt. — Welcher Manöver endlich Prof. Meßner sich bedient, dafür nur ein Beispiel aus Nr. 38 seiner „N. E. K." Er führt S. 595 eine Stelle von uns an, worin wir uns über die allgemeinen Zustände in der ganzen civilisirten Welt aussprechen. Schon die von ihm citirte Stelle zeigt dies überklar. Wenn wir zu Ende derselben sagen: „In allen Gebieten der Kunst ist Ebbe. Wir haben weder Dichter noch Malet, weder Bildhauer noch Musiker noch Schauspieler von origineller und bleibender Bedeutung, was noch davon übrig ist, stirbt allmälig hin, ohne ersetzt zu werden. Woher sollten sie kommen in einer materialistischen, des geistigen Schwunges beraubten Welt? Das sind die Folgen des Atheismus und Materialismus, wie sie unbestreitbar Geschichte und Erfahrung uns erweisin" -—wenn wir diese Worte sägen, so erkennt' schon aus ihnen jeder Verständige, daß wir hiermit nicht die Juden allein meinen können, sondern, die ganze Gegenwart. Denn wir können doch von den Juden allein nicht die Dichter, Maler, Musiker und Schauspieler verlangen und nicht den Juden allem'den Atheismus und Materialismus züschreiben. ' Also wie gesagt, jeder Verständige, wenn ihm auch nicht unsere ganze Abhandlung vorliegt, muß aus'dem von Prof. Meßner angeführten Bruchstück erkennen, daß wir die Zustände in der gefammten civilisirten Welt meinen. Der Prof, der'Theologie aber scheint seine Leser nicht zu diesen Verständigen zu richnen, denn er will ihnen einreden, als ob wir hiermit die Zustände innerhalb des Judenthums schildern wollen. Denn fährt fort: „Und so schreibt ein Mann und solches bekennt derselbe, welcher kurz zuvor behauptet hatte, daß gegenwärtig das Iudenthum recht vergeistigt sei und die Höhe oder den Leuchthurm bilde, zu dem alle fliehen würden. -Widersprüche solcher Art sind überaus trauriger Natur; sie^zeigen, daß die Zeit der innerst Einkehr und der Wendung zum Besseren noch nicht gekommen ist. Darum bietet auch das heutige Iudenthum im Allgemeinen noch einen tiefbetrübenden Anblick dar.". — Nein, nicht das Iudenthum bietet „einen tiefbetrübenden Anblick", sondern Ihr, die Ihr Euch solcher Künste und Täuschungen bedient, nur um Eurer Heerde zu sagen: bei uns ist es schlimm, bei den Juden aber noch schlimmer! Es ist doch klar, daß, wenn wir ein Zeitbild von den gegenwärtigen allgemeinen ' Zuständen entwerfen, und auf diesem Hintergründe das Judenthum auf seiner geistigen Höhe und in der Verwirrung der Parteien auf dem Gebiete der Religion und der Weltanschauung als festen Leuchtthurm zeigen, dies eine reine Logik und nicht im Entferntesten ein Widerspruch ist. Meßner konnte dreist sagen, das ist ein Jrrthum, eine Verblendung, eine Selbstüberschätzung oder was er wollte — aber ein Widerspruch.mit uns selbst liegt nicht darin, und er konnte ihn auch nur herausbringen, indem er unfern ganzen Gedankengang verfälscht und uns da vom Iudenthume sprechen .läßt, wo wir -von der zeitlichen Beschaffenheit in der ganzen civilisirten Welt sprachen. Wir freilich befänden uns in der angenehmen. Lage, uns dann eines Jrrthums zeihen zu sehen, den schon Moses begangen, den die Propheten, die Verfasser, der Hagiographen, den die talmudischen und späteren jüdischen Autoren sämmtlich begangen hätten. Aber der Widerspruch in diesen Ansichten gehört Herrn Professor Meßner allein und ist ein Product seines eigenen Geistes. Verlangt er nach einem „tiefbetrübenden Anblick," so braucht er wahrlich nicht auf das Iudenthum, und nicht einmal auf unsere. Arbeiten zu sehen — er hat es viel näher, er braucht, sich nur in der protestantischen Kirche umzusehen und kann ihn schon in seinen ^ygeyen. Blättern finden.Doch..'nein^ Herr- Professor! wozu die Verstellung? Wenn das Iudenthum so beschaffen wäre, wie Sie