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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-10-27 · Heft 44 (27.10.1874) · p. Seite 740

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 44 (27.10.1874)
Date
1874-10-27
Page
Seite 740 (sequence 10)
Language
German
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vermischet. Dieser nun' hat, auf Grund einer Licenz von Seiten derautonomen orthodoxen Gemeinde, deren Mitglied er ist, und nach- Verständigung der 'Bezirkshauptmannschaft, die Localität auf seine Kosten vollständig eingerichtet. Der sodann zur Oberstadthauptmannschaft berufene'L.Str. produckte in der Thal die erwähnte Licenz, welche er gegen Erlag von 13 fl. erhallen, — und damit war der Weg jedes weiteren Einschreitens abgeschnitten. ' - ■' '. ' ■.' ■ Es' lag hier offenbar von Seiten der Unternehmer schnöde Gewinnsucht, von Seiten der autonomen orthodoxen Gemeinde —' welche doch kaum 100 Mitglieder' zählt und ohnehin ihr eigenes Bethaus besitzt'— die böswillige Absicht vor, die Mnttergemeinde in ihrer Würde zu verletzen, sie materiell zu schädigen) die Muttergemeinde, deren vielfache Wohlthätigkeitsanstalten —• Schulen- Spital, Armen Unterstützungen u. s. w. — mit riesigen Opfern erhalten werden müssen, welche in gar vielen Fällen auch von Mitgliedern jener Gemeinde in Anspruch genommen werden. So in' der Hauptstadt Ungarns', einem Brennpunkte der Intelligenz und Aufklärung. Welch' verderbliche Folgen mag dieses, von der Legislative sanctionirte Mißverhältniß erst in den Provinzgemeinden Hervorrufen, wo Zwist und Hader ein noch weit ergiebigeres Terrain haben? BieliH (Oesterreich-Schlesien), 6; October. lPrivatmitth.) Eine Trauerbotschaft bringe ich Ihnen heute: unser würdiger Rabbiner, 'der in allen Kreisen der hiesigen Bürgerschaft überaus beliebte vr. Frankfurter ist nicht mehr. Em treuer Führer seiner ihn hochverehrenden Gemeinde, ein treuer Herzensfreund Allen, die ihm näher standen, vereinigte der gar so früh •— im vierundvierzigsten Lebensjahre Verklärte mit einem reichen theologischen und schulmäNnischem Wissen die rühmlichsten Eigenschaften eines sittlich ernsten, edlen Charakters. Pünktlich in der Ausübung seiner Amtspflichten, anregend, wo es galt, das Wohl'der Gemeinde zu fördern , predigte der nun Entschlafene während seiner fünfzehnjährigen Amtswirksamkeit nicht nur in beredten Worten, sondern auch in deutlich sprechenden ThateN die Tugendlehren-unserer Religion. Wie schmerzlich berührt uns daher der Gedanke, daß sich hier das Wort der heiligen Schrift (Amos, Cap. 8, B:'9 und 10)'erfüllt hat: ,,'Jch lasse die Sonne am Mittag untergehen." j,Eure Freudenlage sollen sich verwandeln in Trauer." Wenige Stunde nach dem Eintritte des Festes der Gesetzfreude'verschied'vr. Frankfurter, der, trotz seiner damals schon — in'Folge eines Lungenlewens— eingetretenen Körperschwäche, noch am ' ersten Neujahrstage' zu seiner im Gotteshause versammelten Gemeinde gesprochen hatte. > . . *•••■• Montag fand die' Beerdigung' des theuren Todien statt. Nach der Abhaltung eines Gottesdienstes in der Synagoge, bei' welchem' "Hen? Kreisrabbiner " Friedmann aus ' Teschen die Predigt hielt, 'ordnete' sich der Zug, welchem'sich auch viele nichtisraelitische 'Bürger und die Stadtverordneten, sowie die Lehrer des Gymnasiums und der'Realschule angeschlossen hatten, und, auf dem Friedhöfe angekommen/ hielten Herr Dr. Glaser, Rabbiner in Lipnik-Biala, Herr vr. Cohn> früher Director der hiesigen israelitischen Gemeindeschule, jetzt Rabbiner in Oels, und. Herr Dr. Müller, Rabbiner aus Böhm.-Leipa Trauerreden. Das Grab ist geschlossen, aber offen sind die Wunden, die. der Tod den Herzen'eines greisen Elternpaares, einer trauernden Wittwe, den weinenden Kindern, den zärtlichen Geschwistern, den vielen Verwandten und 'Freunden des Dahingeschiedenen geschlagen. Gott tröste sie alle in ihrem Seelenschmerze! - . Frankreich. : ' Pariö, 15. October.' (Arch. isr.) Herr R. Bischofs- Heim, Sohn des jüngst verstorbenen ausgezeichneten Financiers, hat dem Observatorium von Paris 26,000 Frcs. zu einem großen, sorgfältig gearbeiteten Instrumente geschenkt. — Der russische Großfürst Konstantin, der jüngst Paris besuchte, hat auch den neuen Tempel der rue de la Vieioire in Augenschein genommen. Diesmal fehlten die Herren Minister nicht: den hohen Gast begleiteten die Minister der öffentlichen Arbeiten und des Unterrichts. (Und doch hätten sie wohl, als der Tempel eingeweiht wurde, auch ohne den Schutz der fürstlichen Person erscheinen können' und würden nichts riskirt haben!) Sie wurden empfangen durch den Präsidenten des Consistoriums, Baron Gustav von Rothschild, den Präsidenten der Tempelverwaltung Dreyfuß und den Baumeister des Tempels Aldrophe. Rumänien. Bukarest, 2. October. (Privatmittheil.) Die Logit der hiesigen Zeitungen ist den Juden gegenüber mindestens eine sonderbare, aber in ihrer Eigenart consequente. Jüngst zog em heftiger Artikel des in New-Iork erscheinenden „Jew Meffenger" die Aufmerksamkeit und den Zorn der Bukarester Blätter auf sichi ' Wie beantwortete' man' jenen Angriff? ' Vor uns liegt die gestrige Nummer des' „Journal-de Bucarest", und die Gegenrede gipfelt in den Sätzen: Die Rumänen sind das duldsamste Volk von der Welt; die Juden sind in Rumänien niemals, ihrer Religion wegen angegriffen worden; die Schwierigkeit besteht blos in ihren politischen und socialen Verhältnissen, undhierüber hat nur das rumänische Volk selbst zu befinden; auch sind hie rumänischen Juden viel zu patriotisch gesinnt, als daß sie Irgend eine Hülfe des Auslandes annehmen mögen. Was soll mun bedeuten, daß die" Juden in Rumänien nicht ihrer Religion wegen vÄsolgt worden?' Düs kann doch nur heißen, daß man ihnen die Ausübung ihres Eultus" nicht verboten hat.' Dann hat 'es" aber' außer' dem ehemaligen Spanien und Norwegen)' sowie einigen deutschen und österreichischen' Provinz'en'- niemals, auch nicht im finsterste.n Mittelalter, selbst nicht im 'Kirchenstaate

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