Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1874)
- Date
- 1874-10-27
- Page
- Seite 739 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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739 Grätz. 14.: October. (Privatmitth.) Am. h,. L)ctober verschied der hochbetagte hiesige Rabbiner Herr Elias GuLtmacher. Es war ein Mann von großer rabhinischer Gelehr? samkeit und vielen Tugenden. .Zu bedauern ist es-, daß er sich in den letzten Jahren, seines Lebens zu jenem chassidischen Schwindel hat mißbrauchen lassen, der so viel Aufsehen und so großen Unwillen hervorgerufen hat. Jetzt, ist es an der Zeit, an dem frischen Grabe des sonst so ehrwürdigen Greises der ganzen Sache zu vergessen, chenn das böse Spiel nicht etwa auf . eine andere Weise erneuert werden sollte.. Daß wir jedoch nicht in die viele Augenverdreherei, die-bei'dieser Gelegenheit stattfindet, einstimmen können, versteht sich von selbst.' Aus der Rheinprovinz, 15. October. (Privatmittheil.) Am zweiten Tage des Laubhüttenfestes veranstaltete der in weiten Kreisen rühmlichst bekannte Synagogenchor zu Esten in der dortigen Synagoge zum Besten der Abgebrannten in'Meiningen ein geistliches Concert, das recht zahlreich besucht war und den schönen Ertrag von 230 Thalern lieferte. Die verehrlichen Leser dieser Zeitung werden sich noch erinnern, daß vor einundeinhalb Jahren der genannte Synagogenchor in gleicher Weise für die Ueberschwemmten an der Ostsee ein glanzendes Zeugniß von seiner Leistungsfähigkeit und seinem edlen Opfersinne ablegte. Auch von dem diesmaligen Concert kann mit Recht gesagt werden,, daß die Leistungen des Gefammtchors, sowie die der einzelnen Künstler resp. Künstlerinnen den Beifall des aus allen Confesfionen bestehenden Publicums in hohem Maße entbieten. Zum Schluffe darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, wie auch der Cantor, Herr S. Graf, dem die Leitung des Chores obliegt, durch Umsicht, Fleiß und Ausdauer, die er in seiner Eigenschaft als Dirigent bekundete, sich die allgemeine Anerkennung' erworben hat. L. Oesterreich-Ungarn. Wien, 12. October. Die von der Familie Rothschild für Wien gewidmeten 300,000 fl. sind in folgender Weise , ihrer Bestimmung zugeführt worden: Es wird zuerst eine Stiftung von 150,000 fl. Nominalcapital Oesterreichischer Papier-Rente, errichtet , die den Namen des verewigten Freiherrn Anselm v. R othschild tragen wird, und bleibt es noch späteren Berathungen Vorbehalten,. welchem Zwecke deren Ertrag zugeführt werden soll. Der Effectivwerth beträgt jetzt 108,000 fl., und laufen die Zinsen seit dem 1. September a. e. zu Gunsten dieser Stiftung. Ein Betrag von 20,000 fl. ist am 3.1. August, und zwar 12,000 fl. an die christlichen und 8000 fl, an die jüdischen Armen Wieys bereits vertheilt worden. Bon den restirenden 222,000 fl., wurden 68 wohlthätige Institute bedacht, und zwar allgemein mit 130,000 fl. und israelitische mit 92,000 fl. . Baron Hermann T e des c o. hatden,Betrag-von L000. fl,- für die Zwecke, . der österreichischungarischen Nordpol --Expedition,- namentlich zur Deckung der für die Rückkehr der Pqlarfahrer. aufgelaufenen Kosten gespendet. ,;t,. Pest, 2. October. .Die hiesige „Bürger-Zeitung" schreibt: Wie ungerecht und grundlos die Angriffe des Herrn Csernätony gegen das ungarische Judenthum, seien, . das. ist fast m der ge-. sammten Tagespreffe, so auch in diesen Blättern, bereits zup. Genüge erörtert worden; —.; nichtsdestoweniger muß, jedoch zugestanden,..werden,,..daß E Regierung und Legislative in Bezug auf da<8 ungarische Judenthum per fas eL.nefas fo Manches ver-. schuldet, hat, was die geistige und moralische einheitliche Entwickelung seiner Gesammtheit behindert, den fortschrittlichen Geist ip, seinem freien Fluge stört. — So wirkte u. A. jener Reichstagsbeschluß höchst schävlich auf die jüdischen Gemeinden und ihre Institute, wonach die Creirung der. sogenannten autonomen orthodoxen Gemeinde sanctionirt wurde, und wodurch es in jeder Gemeinde einer selbst noch so unbedeutenden Fraction beschränkter Fanatiker, oder böswilliger Egoisten anheimgegeben ist, die. alte Muttergemeinde zu schädigen und in ihren Grundveften. zu erschüttern. — Zur Illustration dieses Mißverhältniffes und der daraus entspringenden schreienden Ungerechtigkeiten, diene folgender .Fast.. Die. Pester israelitische Religionsgemeinde, deren stabile Tempel und Synagogen zur ' Zest der israelitischen. Hauptfeiier- - tage für das israelitische Publicum nicht genügenden Raum bieten, — ist. daher genöthigt, alljährlich sogenannte Aushilfsbetlocale zu errichten. Nun hat sich die schnöde.Gewinnsucht..unserer Tage, auch dieses „Artikels" zu bemächtigen--gesucht; an allen yrten und Enden eröffneten . Private und Gesellschaften,, ohpe, jedwede Berechtigung, Betlocale , nicht so sehr zu Gott Jehova.als. zu. Mammons Ehren. Und als es dem Gemeindevorstande schon zu bunt kam, schritt derselbe bei..der Oberstadthauptmannschaft da-. gegen ein, welche im Principe die Ansicht adoptirte, daß es vom Wandpunkte der öffentlichen Moral nicht, zulässig sei,, den Gottes-- dienst zum Gegenstände der Gewinnsucht zu machen, — demgemäß sie den Gemeindevorstand aufforderte, die Betreffenden namhaft zu machen, damit gegen dieselben das Verfahren ein-, geleitet werde. Soweit wäre Alles ganz correct gegangen. ., Ganz.anders aber gestaltete sich die Sache. inpraxiHauptsächlich war es nämlich auf eine Locasität in der. Josefstadt abgesehen, welche eben vor Kurzem noch eine der verrufenstem Tanzlocalitäten, aus - MyraMißpücksichten . _ polizeilich, gesperrt - worden war, und welche nun . die Eigentyümer, in Ermangelung eines einträglicheren Zweckes,. zu einer gottesdienstlichen Anstalt (für bie. iö.raetUifc^en ^»au^t^eiertage) .mit nahe an 500 Betsitzen eingerichtet hatten. Zur Oberstadthauptmannschaft vorgeladen, erklärte der Vertreter,. der Eigenthümer, dieselben haben mit der Betlocalität als. solchenmchts,, gemein, .sondern..fle^.Habensdie> Localitäten an einen gewiffen,L. Str.^ zu ihm belchbigenZwecken ' ''.. " ' ' 44 ’ .