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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-10-20 · Heft 43 (20.10.1874) · p. Seite 718

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 43 (20.10.1874)
Date
1874-10-20
Page
Seite 718 (sequence 4)
Language
German
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die Folter geworfeN^werdenr'. . : ^DaS Martyrium der Juden ist seitdem um viells milder. geworden; aber aüfgehört hat es. ^öch -mcht7ü^Denn^z.-BiU'!dulden. zu müssen, daß' Einem die Phrasen"de^ Herm MenMan-' den Kopfgeworfen werden und 'fie-'Mderlegen'Mfoll«r^während'l^daffelbe-'.im^ Grunde schon so -oft-gesagtuM-widerlegt'-wordenist auch ' eine Art Folter- Wir dägegen^ müßten-' inallen diesen unwahren und' unwürdigen Be- -hauptungen geradezu einen „partiellen Irrsinns des Herrn Renan - sehen- 'wenn! wir-nicht - wüßtenwas die- Leidenschaft' des Hasses hervorzubringen vermag, ohne doch ' als Irrsinn bezeichnet und entschuldigt werden zu können. — Nur in denletzten Worten seiner l Auslassung> geben wir Renan Rechtdaß nämlich der jüdische-Stamm, aus' den - Zeiten seiner Verfolgungen ,-bleich, über' das Licht verwundert-. verAmmert^j hervorgegangen. Aber 'Herr Renan sehe sich: dies e Juden - seitdem an. Ihre Verwunderung über das Licht' hat sich schnell gelegtsie sind jetzt völlig daran gewöhnt, und verwundern sich vielmehr über die Dunkelheit, in- -der noch so viele Köpfeauch die sich hell dünken, wie z.-B. Herr Renan, leben.- Sie haben sich des Kummers entschlagen, haben'' die „verkümmerten Gestalten" gerade aufgerichtet, und statt der „bleichen", rothe Wangen bekommen. Wir fürchten 'fast, daßgerade deshalb die Juden noch immer so vieler Feindschaft begegnen. - Wären die Juden die „bleichen und ver- * kümmerten" Gestalten' aus den Ghetti geblieben, schwerlich hätte Renan sich! mit' so vieler Wucht auf sie - geworfen und sie ange- - schrien: --Wie könnt Ähr wagen zu leben, da i ch Euch für todt erklärte, für todt seit achtzehn Jahrhunderten? Wie könnt Ihr wagenmir zu widersprechenda Ihr ja keine lesbare Seite zu schreiben vermöget? Wie könnt Ihr wagen, mich belehren zu wollen, die Ähr doch nur partiell-irrsinnig seid, während ich auf ein viel größeres Maß davon - Anspruch mache? Wie. .." Doch wir wollen Herrn Renan nicht länger anhören. Gehet hin, Ähr Männer-des Wortes, Ihr Helden der Paradoxien, ' denen unsere-Zeit so leicht die Aureole des Erfolgs zuertheilt, die freilich in der nächsten Stunde erblaßt und in der folgenden erlischt. Ihr - möget - immerhin -mit Euren schon tsdtesbleichen Lippen über die großen weltgeschichtlichen Erscheinungen, welche. - Jahrtausende überstanden haben und für die noch Millionen von Herzen schlagen, Eure aus dem einseitigsten Denken und dem engherzigsten Fühlen, aus Neid und Haß entsprungenen Urtheile schleudernsie fallen auf Euch selbst zurück und bleiben höchstens eine Zeit lang auf Euren Grabmälern stehen, bis auch diese verschwunden find.: Literarischer Wochenbericht. Berlin, 6. October. Max'Ring hat unter dem Titel „Unfehlbar" einen neuen Roman in vier- Bänden veröffentlicht, welcher-zu den ^bedeutendern Erscheinungen auf diesem Gebiete gehört und ein höheres Interesse als das der bloßen Unterhaltung 'befriedigt. Wieder Verfasser schon früher in die'Erzählung gern . Zeitfragen - verflocht, fo hat er - es - diesmal in hervorragendem Maße gethän. -Mie Reaction 'nach den Freiheitskriegen mivihrer zum Katholicismus : neigenden-Tendenz-,- welche den * Volksgeist ergriff und schließlich den Staat selbst gefährdete-: bis er^sich energisch auftaffte -und von der Schlinge^ des Gegners '.Befreite, die Hindernissewelche besonders den Bekennern des Judenthums erwuchsen und diejenigen, die an dem Streben der Zeitstchmit Eifer betheiligten, zum Glaubensabfall: drängten, die- Alles< ausgleichende Liebe und Humanität, welche^ unter den Differenzen und Conflicten mannichfaltigster Art' als alleinige Versöhnen» erkannt wird —: dies: Alles * ragt mit seinem Wesen und Wirken noch so weit in unsere eigne Zeit, hinein und tritt an-den-dort geschilderten Zuständen und den handelnden. Personen' so - lebensvoll in-die Erscheinung, daß man sich : fortwährend in die Verhältnisse des Romans versetzt fühlt-und daran Theil : zuhaben glaubt.' Hier steht uns der.tapfre und ehrgeizige Officier, der nach dem Frieden die militärische Stellung: aufgeben muß, weil er: ein Jude istin seinem Leiden und Irrendort der Jefuitenpater bei seinen verborgenen Operationen zur Hebung der Kirchengewalt,. oder der frei- und hochsinnige, aber doch so innig zu seinen Glaubensgenossen haltendejüdische- Hofagent deutlich vor Augen, hier ängstigt uns das weibliche. Werkzeug Roms durch seine verächtlichen, dort ein andres durch seine fanatischen Schritte, während wir bald wieder über .den kleinbürgerlichen Joseph lächeln, der trotz seines beschränkten geistigen Horizonts mit seinem naiven und laulern Jnstinct - das Rechte ahnt und; üBt : Aber auch an wirklich geschichtlichenzum Theil sehr hochstehenden Persönlichkeiten, die handelnd in den Gang ver Entwickelung eingreifen, fehlt es nicht, bis zuletzt das Ganze von einem - befriedigenden Ergebniß der Thatsachen und von sittlich -hebenden Wahrheiten gekrönt erscheint. Wir können namentlich auch jüd. Lesern das Werk zur Lectüre. bestens empfehlen.r R., Bonn, 6. Oct. Im Jahre 1848erschien in;Madrid von von Jos6 Amador de los Rios eine Schrift über die geschichtlichen Verhältnisse der Juden-in Spanien.unter. dem Titel: EsUidios lüstörieos politicos y liteparios sobre los Judios de Espana, eine ausgezeichnete Schrift, vom Geiste n echter Vorurtheilslosigkeit und Wahrheitsliebe dictirt.. Sie -war es auch, die wir unserm bekannten Memoire zu Grunde legten, als wir die damaligen Oortes Constituyenies um den Widerruf:-des Verbannungsdecretes vom 2. August 1492 ansuchten. .: Diese Schrift soll jetzt bei. D. Jos6 Gil Dorregaray: in Madrid erweitert zu einer : Historia soeialr, politica y. religiosa . de;. los Judios . de Espana. y-Portugali. . also zu einer.ausführlichen-Geschichte /der Juden in'Spanien und Portugal/: in socialer, /Politischer:: und religiöser-! Beziehung erscheinen. Wir/chalten es für.eine/Pflicht, daß unsere- Glaubensgenossen .die Herausgabe-', dieses. Werkes, das drei oder vier Bändevon .450—500. Seiten fassensoll, durch.Subscription-unterstützen. -Der Band wird 50:,Realen

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