Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1874)
- Date
- 1874-10-20
- Page
- Seite 716 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/3224737-3226960-3227004--32996-3255993- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
9 b j y >;i selben enthoben worden, wollen wir nicht voraussetzen, da wir selbst mitten in der Polemik gern objectiv bleiben. Untersuchen v tänHA» Jährest das Gefühl' des^JHatsachlichen (le seniiment de^'fait) verloren hat." Wenn wir diese Phrase recht verstehen, so bedeutet sie: Die Juden schaben seit -tausend Jahren, also ungefähr seit Karl dem Großen/ außerhalb^ des -Zusammenhangs Arrttt denk Thatsächlichen gestanden und deshalb die Bewegung deffelben nicht gekannt, , nicht.empfänden und verstanden. Warum, Renan diesstUnkenntniß-.der; Außenwelt' seit „fast lausend Jahren" datirt/ nicht.'ein.;HMes''Jahrtäusend! längst; ftitdem'die christlichen Käiftr^ die Juden', desürömischen'Bürgerrechts beraubten, und die Cöncile-sie-in-dieengsten- Fesseln^ schlugen; sieht man nicht ab. Genug,^Herr.Mnan^denkL^sich.,^daß^die..Juden. allesammt^alle diese Zeiten.hindurch des Morgens die Thore ihrer Ghetti verließen, umherttödelten, und des Abends hinter denselben Thören verschwanden. Hieran erkennt man aber, dast.Herr Renan das Thätsächliche.7jener. Zeiten; .selbst-'-nicht;kennt und - in seinen; kri-- tischen" Phäutasien'-däs' Gefühl^für däfsAbe verlören' -hak/" Aller-- dings standen während des Mittelalters und bis zur neueren ZeitunZeh?.ure,-MenschenmassM'7außexhalbi des Zusammenhangesmit>dem Thatsächlichen,-soweit, siemicht, darunter zu »leiden,- .daran^ schyrer,- zn> tvagssnchatten..-. -Da;-war ^zuerst das - gesammte? Land-- Volk-; die, Leibeigenen, die zur , Scholle gehörten;-.da »war, das mie^ dere-sBolt? in.; den Städten .und ffelbstndie Zünfte/.-, die. nur,-bisweilen; r im; einem, rfurchtbaren; Sturme; gegM, die,:drückende;Herrschastz'der„patricischen Geschlechter -sich! - erhoben/; washatten diesealle; mit; dem,-Thatsächlichen M schafstn-,-oder welches -Gefühl -des > Thatsächlichen) besaß?«-sie? Die; gesammte» Machtfüllelag, in; den Händen7wer»Fürsten/- der-Lehnsherren;-und dev» Geistlichkeit/ sowie , in<,,den!^freien!-Städtenin-- den.Hgnden der'patricischem Magistrate«) -M.diesen Letzteren gehörten» freilich-auch die-Judennichtp^abev. zwei.^Ursachen,, wirkten -- für -sie,- welche sie-unaufhörlich; mit dem; Thatsächlichen, »im» ftstesten- Zusammenhange-hielten.) Bekanntlich genügten. auch- -im^ Mittelalter - Faust- und -Schwert .-nicht/ um--,einen,»Kamps, zu-,führen, um die, thatsächlichen Händebder? Welt, »zu» «irgend - einemiZielo^zu-» bringenj es-war,, stets-moch, ein; dritter-Factor -chazu nöthig,' das Geld.. Nun .hatttzMan.absichtlich; die-Juden,> austden,-alleinigen»Geldhandel -beschränktihnen»sebesandere Erwerhs- und- Hülfsmittel.-.entzqgen>,-sie «hierfür mit Pri-i vilegien , versehen. .. Sie hatten also-wesentlich .in».-großenwie »in kleinen) Kreisen in das »Thalsächliche7 mit.»> hineinzusprechen; siemußten sich. sehr genau-'; von", allen,-Thatsachen unterrichten, , von- Allem,wasvorging/.genau, Kenntniß verschaffen?, undo erhalten,, und, wie,-von selbst/mit-dem-Thatsächlichen in -stetemZpsammenhange - bleiben.»,?-Die; Geschichte-, erweist dies-hinlängliche Aber: noch,)ein,-zweites Motiv - kam - hinzu- Jhr^ Geschick.-war stets wenden », Gewalthabern,;; von? deren Verhältnissen und Schicksalen» ab- und'/der Wanderstab mußte stets in der freiesten Ecke ihrer Häuser stehen, um sofort ergriffen werden zu können. Sie waren keine gle^# adscripti. Jeder WechsÄaH dem ^sthle eines eMs LehnsMtn fall eHzes SHMModer Sma^he^^oKiM dr^e/MHngnißvoll sein, wahrend die Mllwnen der ^Leibeignen uS Städter nicht davon berührt wurden/'außer daß die Leiden des Unter Thatsächlichen mehr als jede andere Menschenclaffe; sie mußten es unaufhörl'ichMobachten, jede Bewegung/,,jede Veränderung, um stets auf die Folgen gerüstet zu sein, -stch^womöglich'dävvr zu schützen/ oder/ wenn'es ni'chk anders ging, stch,därünter'zü beugen. Alles dies war. hüben und drüben auch' zur'Zeit des-Absolutismus der Fäll, wo die ungeheuren Heerdendes Volkes außerhalb der re- ,gierenden-Kreise^ standen, ^kaum..ein-.Bewußtsein. dessen, »was. vor-, ging,, hatten, und noch nicht durch eine Tagespresse--davon» in Kenntniß' gesetzt wurden. Die Geschichte'der'Höfe mit ihren „Hofjuden"'giebt -die Belege für den ununterbrochenen Züsammenhang-,.der Judemmilndem Thatsächlichen/ auch' in, dieser-Zeit-- Däs^ Wort' des1 Hörrn - Renan" ist', daher' völlig' unwahr,' ickO müßte viel mehr die anderen Volksmassen 'treffen, als die Juden.' Oder verstand Renan darunter, weil die-Juden in dieser Zeit noch immerlebhaft die' Messiäshoffnüng hegten, die ihren thatsächlichen? Zuständen so -völlig widersprach- Dann ist Renan ein sehr schlechter Seelenkenner. Freilich hegt man die Hoffnung nur im Zustande'des büißlüsts undbös'EleUb's^ aber diese Hoffnung lebt nuv..im abgesonderten».Schrein des» Herzens-und hindert an »der Thätigkeit- und-am scharfen -Verständnistdes' Lebens) gar-nicht.» Sie ist der-blaue . Himmel-:, der - sich/über die Erde» wölbt-; und ^der den.;Landmann,'»- obgleich.; er » zu » ihm-, aufschaut^. nicht, . hindert/ sein?»Feld»;mit »Einsicht^ und-, Fleiß zu bestellen. : KoMmew>wiv^>zuv-.z-w eiten. -.Phrase: »Ein-Volk,-.das nicht» eine-: lesbare - Seite geschrieben , hast." Herr-Renan, meint-hiev; wahrscheinlich», wieder,»seine -„fastrtausend Jahre/,?? Denn- -da er. selbst^ein ganzes-,Buch züber-ben Talmud,schreibenftwill, so,müsse»? doch?-in diesem», lesbare Seiten-'.sein, und-» wenn--Renan-'selbst sie - nicht M lesen versteht,» i müssend,andere, sie,. gelesen» Habens, aus -die, er „sich", verläßt.'---Wir sagen ,dies-,nicht ohneGrund>.-,denn»Renanf selbst »nennt -.im - Vorwort- -.einest früheren^ Buches jüdische Gelehrte^ - deren-, Hülfe;!er sich bediente..»,.-Wennaber».sein »erster »Satz denv Gefchichtskenner - keine». Ehre»-, machte, - wobei»- mam ihy noch»?entz' schuldige»,konntedenn-,eine ^ausreichende Geschichtskenntniß ,findet; man nichtr-allzuoft »bei» den--theologischen.-'Schriftstellern-»;,so must dieser^zweite-Satzaus,, dem-' Munde,; eines Professors'! der< semi-? tischen»Sprachen)säst,»entrüsten^wenn ty. ihn^sdMK'Hervn,Pro-, fessor,'» nichte-geradezu» lächerlich-, macht«,- Eine ^Literatur,.,-hie Mete; Tausende ».von -Bänden^süllt, ,-für. welche;, die-bedentendsten; Biblio-, theken große Manuscriptschätze gesammelt haben, und für welche/ und? sogar nut..für'-einbn?Mnen-'ZH)esst derselben,''-.dle.'rHsffche,