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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-10-20 · Heft 43 (20.10.1874) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 43 (20.10.1874)
Date
1874-10-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Diese Zeitung' erscheint wöchentlich einmal,in 2,-iS 2>/z Bygev. Preis _»der deren _tt berechnet. * Alle Änchhandlungeu, - Postämter und ZeitungS - Expeditionen . nehmen'Bestellungen an.- Herausgegeben von Rabbiner Lu-mg Phiüppson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. ' Sn redactionelleaAngelegenheiten wende man sich an Dr. L. p-llippfon in Bonn; hinsichtlich^ des Bezugs und der Inserate an LoumgSrtner'r Suchhan-lnug in Leipzig. Inserate/welche Lis vonner«. tag eingehen, finden inder darauffolge»- - den Nummer Berücksichtigung. ' 38. Jahrgang. Leipzig, den 20. Oktober 1874. . [JW 43. Inhalt. Leitende Artikel: Renan und die Juden. HI. — Literarischer Wochenbericht: Berlin, Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland:i Bonn, Berlin, Dresden, Hannover, Cöln, Alzey.— Oesterreich-Ungarn: Pest, Prag. —». Frankreich: i Paris. Schweben: Stockholm. — FeuilletonProfessor Gmseppe,Levi'aus Bercelli. — Korrespondenz: Lautersweiler>— .Vermischtes -r Nachtrag: Erfurt. jCelteud^ SLxtiiie£. Bonn, den 14: October. Nenan «nd die Juden. NI.*) Den Haß Renan's gegen das Judenthum konnten wir uns leicht erklärend Zunächst als librs-peuseur ist, es ihm zuwider, wenn erdas Christenthum 'zersetzt zu haben glaubt, noch eine positive Religion zu finden, welche unabhängig von diesem besteht, und an die er-mehrfache Hebel nicht anlegen kann, die er bort angewendet hat. Alsdann als christlicher Theologe, der Renan mitten in seiner Kritik verbleibt. Endlich als Schematiker, der die Geschichte der Menschheit - und insbesondere der Religionen construirt und dem nun das Judenthum durchaus nicht in seine Gefächer paßt. Muß denn^aber nun die Feind-- seligkeit gegen das Judenthum durchaus mit leidenschaftlicher Gehässigkeit gegen die Juden verbunden sein? Könnte ein Mann, wie Renan,' trotz seiner obigen drei Eigenschaften nicht-wenigstens billig, oder wenn er will, theilnehmend für die Glieder ' dieses Stammes sein? Könnte er, der sich seiner Meinung nach „so frei -in der Sphäre der Humanität" bewegt, nicht wenigstens diese armen verirrten Menschen 'beklagen, und das unselige Ge-- schick/ das sie so'viele Jahrhunderte hindurch betroffen- und das einso düsteres -Blatt -in der Menfchengeschichte anfüllt- - betrauern? Nichts -von allem Dem; mit einer schonungslosen Härte - spricht er von seiner selbstgezimmerten sella ourulw herab sein Urtheil ' *). Wir' bitten im Artikel!! S. 702 SP.2 Z.7 v.o. „die allmächtige-Würdigung" durch „dieallmälige Würdigung" zu verbessern.' über die Juden aus. Renan kann freilich nicht mehr das Schicksal der Juden für „einen Fluch Gottes" ausgeben — aber -die Lei--' denschaft ist erfinderisch — sind die Juden nicht" von Gottverfluchtso sind-sie . doch seit der Geburt des Christenthums todt,' „wandernde Skelette^/ „einVolk von Gespenstern": Däßdiese Ausdrücke eines kritischen Geistes und besonders eines wissenschaftlichen Geschichtsforschers völlig unwürdig sinb und gar - keinen Sinn haben, bemerkten wir schon oben: Sie sollen ja-auch nur einen Ersatz hergeben für die von den christlichen Theologen, für 'die Juden bereits abgenutzte Bezeichnung : sie feien Mumien! Wie lächerlich dies alles klingt, wenn man von einem Volke spricht, das bereits achtzehn Jahrhunderte todt existiren soll, von dem dieselben Leute behaupten, es habe jetzt die Herrschaft über die christlichen Völker erworben oder -erstrebe sie, besonders die Herrschaft über die Presse-, wozu doch - wohl ein lebendiger Geist gehören müßte; wie lächerlich es klingt, wenn man sieht, wie viel man sich überall, in Rußland wie in Ungarn, in Deutschland wie in England, in Frankreich wie in Amerika,- mit diesem todten Volke beschäftigt, unaufhörlich über - es schreibt, sprichtklagt und schmäht — 'wir haben es zu oft hervorgehoben, um es noch einmal zu thun. Ihre ärgsten Gegner gestehen den Juden zu, daß sie seit -einem Jahrhundert eine -große Culturumgestaltung an sich vollbracht haben — ist dies einem todten Volke möglich- odergehört eine mächtige Lebenskraft dazu, solch' einen Proceß zu vollbringen? Warum -nun Renan sich .dieser? ganzen Sippe angeschloffenkönnen wir nicht wissen, - und wollen persönliche-Motive, wie z. B:- daßihn ein Jude auf -dem Lehrstuhle der semitischen Sprachen ersetzt hat, als er unter dem kaiserlichen Regime, des-

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