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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-10-13 · Heft 42 (13.10.1874) · p. Seite 703

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 42 (13.10.1874)
Date
1874-10-13
Page
Seite 703 (sequence 5)
Language
German
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Vorgänge, mit den Sachsen, Croaten und.' anderen slavischen Völkerschaften: zu?:beurtheilen.: Wir.halten uns: nuran'die Thatfachen- und : bd; liefert uns die Behandlung der- Juden ein abermaliges-Zeugniß gegen die Tendenz der Magyaren. Zuerst :sträubt - man. sich immer und immer.wieder, während man. doch auf-seinch/Freisinnigkeit pocht, gegen , die Gleichstellung, und dann wirft.man sich sofort in:die leidenschaftlichsten Anklagen , daß nicht/ die ganze jüdische. Volksmaffe alsbald jedes deutsche Wort von ihren Lippen verbannt, was sie bei dem besten Willen gar nicht vermöchte.;.. Denn darauf laufendoch eigentlich alle An- . .klagen hinaus,:;iinb . dies ist der einzige greif- und erweisbare Punkt. .Wir sagten also mit Recht, daß die Magyaren krankhaft gesinnt sind gegen alles, was nicht magyarisch au s fr eht. Zahllose ^Beweise sind dafür anzuführen, daß die Juden in den magyarischen Landestheilen dem Magyarenthume mit ganzer Seele anhängen, daß ihre Jugend die magyarische Sprache als ihre Muttersprache erlernt und die deutsche nur schulmäßig oder als den noch immer vorhandenen Jargon. Dies hilft aber alles nichts, man schmäht sie und stößt sie herzlos , von. sich. Zu diesen Auslassungen veranlaßt uns ein Vorgang, der in Ungarn großes .Aufsehen macht. Ein hervorragendes Mitglied und. Führer der -magyarischen Linken, Cse.rnL.tony, veröffentlicht, im „Ellenör" eine.Reihe von Artikeln „über unsere Juden", welche eben so gut „gegen unsere Juden" betitelt sein könnten. Es waltet darin -ein Geist/ der Ungerechtigkeit und des Haffes,! wie man ihn ungerechter und gehässiger nicht in. den-Reihen der. Ultramontanen finden; kann. Der Haß macht eben blind/ läßt Alles im schwärzesten Lichte, sehen und führt daher zur äußersten Ungerechtigkeit. Die: Verwunderung darüber war um so größer und um so allgemeiner, als. auch nicht die geringste Veranlassung dazu gewahrt -werden , kann. Es liegt keine jüdische Frage vor, kein die Juden berührender. Gesetzentwurf, und auch nicht das Kleinste ist geschehen, was einen solchen Angriff in voller. Schlachtrüftung, mit -geschärften undvergifteten Waffen undgewaltigem Schwerter- - klirren, motivier hätte. -i Man. könnte das Ganze sür einen Feldv zug des Don' Quixote, : als einen Sturm - des. Ritters von der traurigen - Gestalt gegen die. Mühlen ansehen, wenn micht die . Vorurtheile gegendie Juden zu sehr bloß unter der Oberfläche -ruhten/ und., jedenfalls.der Ungarn so nöthige innere. Frieden auch . .hierdurch/gestört , würde. : Es versteht sich, daß - weder die . Juden, - noch:.die öffentliche Presse,.dazu .schwiegen. Unter: den elfteren /trat, am ersten Laubhüttenfesttage, der Rabbiner vr. K a y s e r l i n g -/diesen Angriffen auf der-Kanzel entgegen.- :iWirgeben hierüber -: einen /Bericht des//Ungarischen Lloyd", vom- 27. Septbr. wieder, :: weil: er? zugleichdie Hauptpunkte - jener., Artikel; im: /,Ellenör^' - bek?rührt/ . Ernlautet:? :::. --:: 7 77 ü ’. •.;/ 7? : i?,, / -Durch: vier. Artikel, die: in:den - letztverfloffenen Tagen m :,/Ellenör/veröffentlicht wurden,? hat Herr Ludwig.-E s.exn LiM Y. in ganz:- unvorhergesehener : Weise .- eine > ,/Äudenftag^^ heraufbeschwerem ,Me -Artikelchaben: in:, dem Kreisen / unserer / israelit. Mitbürger .eine. so große Anftegung. hervorgerufen-' daß selbst der hochgeachtete Rabbiner.der? hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Se.-Ehrwürden Herr vr. Kayserling, sich bewogen fühlte, . diese «Frage zum Gegenstand seiner , .aus Anlaß des Laubhüttenfestes -gehaltenem Kanzelredezu machen.- Seine Predigt , war höchst Wirkungspoll,- weil , sie den -Gefühlen - der zahlreich erschienenes Andächtigen: - in .beredten. Worten Ausdruck gab- und -in , würdigem Tone die. schweren Beschuldigungen zurückwies/ welche gegen eine, ganze Confessionsgenoffenschaft erhoben - wurden. Es war. .-eine „politische" Predigt, inwelcher vr. Kayserling auf die. Vorwürfe des Herrn Csernätonh antwortete. .Der Redner, knüpfte , an die Symbole des heutigen israelitischen Festes (Palmzweig-, Eßrog, Myrthe. und Weide) an, welche zusammen den Frieden, die Eintracht, die in . Israel ^errschen. sollen,. sinnbildlich, darftellen. . Natürlichohne Csernätony zu nennen,., gedachteer. der herben Anklagen, welche gegen das ungarische Judenthum,. angeblich wegen Mangels? an Patriotismus, geschleudert wurden. Pflicht der jüdischen Kanzel sei. es, sagte-. Redner, solch'.unberechtigte Angriffe zu widerlegen. Jedermann; stehe es frei, den-jüd. Tempel zu besuchen,, die jüdischen Gebetbücherwelche, auch mit-ungarischen Uebersetzungen versehen sind, - zu lesen: und sich zu. überzeugen, daß an jedem. Sabbath, an jedem Feiertage, gebetet werde , daß der Allmächtige dem Vaterlande Eintracht und Frieden: schenke, seine Stämme.einige, Einsicht und Kraft, den. Räthen der Krone, Ehre und Ruhm dem Vaterlande: verleihe, sein Ansehen nach Außen hebe.. An dem von heute über acht Tage folgendem tage flehen die Juden um Regen für die Saaten; beten sie, etwa blos für den jüdischen. Ackerbauer, fürdie jüd, -. Grundbesitzer? Und nicht-etwa erst seitdem -den Juden das Joch der Knechtschaft abgenommen - worden, seitdem,, sie freie Bürger im freien Staate sind, sei es so,, sondern auch früher, als ihnen angesichts her allgemeinen Bedrückung das Herz blutete, haben sie sich stets als treue. Söhne des Vaterlandes erwiesen. Der Grundzug der Mischen Religion, sei die allgemeine Menschenliebe., Ueberhaupt sei jede Religion eine, Religion.dev: Liebe, sofern ihre Bekenner sie gehörig zu erfassen vermögen. Die Palme sei ein - Symbol der -Gerechtigkeit,, welche die Religion Israels athmet; frei von Dem Nationalitätenhaß, ohne.Sprachenunterschied, ohne Kastenwesen.- -Vielleicht:, sei den Juden .jetzt, wo. sie Barone und Grafen -werdenwo sie Sitz und Stimme in der: Reichsvertretung. errhalten können,; jedes, Gefühl,für Recht und Pflicht.abhanden gekommen? Israel ist nie undankbar gewesen. Unduldsamkeit habe die: ungarische Ration-nie gekDnt. -Die -Hrpen.nseien der ungarischen Ration noch. heute : dankbar,-dafür, daß ihre Vorfahren -in-dlesew: .'Staate/ im - Verhältnisse zu den Juden in anderen Läydern in, einer hollMenswerchMMge/warey,, daßi Ungarn-die aus Döhmen, Mähren und. .Deutschland pertriebenen Israeliten:.auf- :genommen.habe.:/-Die Juden, .haben aber- .dafür - auch: mit.Gut und: Blut - amuExringem / des ^SiegesL der- Freiheitmitgeholfey; nöch.heutei-leben Mütter- -welche die Söhne, Wittwen, welche/die

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