Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1874)
- Date
- 1874-10-13
- Page
- Seite 702 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mikelring fortschreitenden MenschheitSchön ^an 'sich' 4vär seine Existenz cmlebendiger^Proteft gegen^alle Entstellungen »der'von ihm begründetem Göttesrdee/ und-»ist« dies' Lks -Äüf-'den heutigen -Tag: -Daß nach dieser Richtung hin der; von der Macht der ^Eritwickelung--den Christen wie den -Juden abgenöthigte Eintritt 'der Juden ns das allgemeines Cutturleben; die-' -neuere-Bearbeitung des Judenthums-und die'allmächtige Würdigung desselben im -allgemeinen Bewußtsein,' -nichL ohne Einfluß und Wirkung -auf: die Allgemeinheit bleiben und bleiben'werden, ist doch sichtbar -genügt um anerkannt -werden zu können, und hiermit ist der volle. Beweis für den' Lebensinhalt -und den Zweck des Judenthums gegeben. J ■ * i - Kurzsichtige Geschichtspfuscher, welche die große Geschichte der Menschheit nach - ihren engherzigen Ansichten und Vorurtheilen ’ construiren und einfach aus dem Leben schaffen wollen, was nicht -in ihren gefächerten Kram sich einfügen läßt! Jeder Tag straft 'Euch Lügen. Jhr^ wollt rückwärts die Vorsehung spielen und 'nach Vergunst oder Feindschaft den welthistorischen Erscheinungen ihre Rollen zutheilen, ihre Lebensdauer bestimmen, ihren Lebensgang vorschreiben — und doch vermögen Eureschwachen Hände -nicht das Gewicht eines Tages zu tragen, Eure hlöden Augen nicht, die Nebel von gesternzu durchschauen! Wenden wir uns nun zu - dem, was Renan von den Juden sagt.' - - ' (Schluß folgt.) Ein abermaliger Strauß in Ungarn. '. Wenn die Franzosen , hinsichtlich der bürgerlichen Gleichstellung der Juden wirklichan ' der Spitze der civilisirten Völker in Europa marschirten, so waren es die Ungarn, welche sich hierbei im äußersten Hintertreffen placirten. Beijenen zählt die Emancipation der Juden - bereits -über achtzig ' Jahre, bei den Ungarn noch nicht acht Jahre. Bekanntlich konnte selbst der . ungar. Reichstag von -184 8 sich hierzu nicht entschließen und nahm -erst 1849 während-seines letzten Todesröchelns zu Debrecyn oder Scegedin einen Anlauf zu - diesem Acte. Es bedurfteerst des 'gewaltigen Stoßes von 1866; um das ungarische Staatsschiff -über diese Untiefe hinwegzubringen. Bis dahin, hartnäckige Ausschließung der Juden, überall vermittelst der veralterten Institutionen zurückstoßende Behandlung, . nicht selten Mißhandlung und Bedrückung; Also ersd acht - Jahre und doch erheben tchon heißblütige MagyareneinZetergeschrei, einen Verdam- 'müngsruf über die Juden;-Und:'spaten-die Heftigsten: Drohungen 'nicht, weil ihrer :Meinung nach -die^Juden sammi und: sonders 'Nicht'schon ganz magyarisch geworden undsich: noch hier und ^>a-der deutschen Spräche^ bedienen/^ Dabei darf-man-nicht -vergessen, daß eine EmariciMPnraüfbeM Papiere noch bange keine tN Äev Wirklichkeit -ist:& VÄrurtheile- und Ausschließung : werden I durch einen niedergeschriebenen Verfässungsparagraphen-noch lange nicht .überwunden. Jede kleinste! Berlvirklichüng; z/ B.!- die Anstellung.: in öffentlichen AemtLrn; muß erst e r k ä m pf.t ' werden; die gesellschaftliche Ausschließung: bleibt'dieselbe wie zuvor. .-Was haben in den acht Jahren die Magyaren gethan; um die »jüd. Masse zu mägyasiren? Haben sie nur: einen Pfennig, hergegeben, um magyarische Schulen für die: Juden zu fördern? Haben sie nicht, äks eine-magyarische Rabbinerlehranstalt gegründet: werden sollte;:hartnäckig, einen Riegel vorgeschoben?: : . Oder .glauben diese Herren, daß sie durch beständiges Grollen, Schmähen:: und Ver-. leumden die Juden zum Anschluß an das Magyärenthüm anziehen? Fühlen s i e, die sich für so große -Politiker halten, 'gar nicht, daß sie auf diesem Wege die Juden immer wieder auf sich selbst verweisen, in ihnen das Bewußtsein, als Abgesonderte. behandelt .und gemißhandelt zu werden, immer wieder wachrufen, und sie so zur Absonderung zwingen? . . . Ist es nicht ein sonderbares Geschick, das überall den Juden bereitet wird? Sobald sie mit ganzem Herzen - sich mit - den Völkern, zu denensie gehören,-zu amatgamiren streben, allen Zweigen des öffentlichen Lebens in Politik, Industrie, Literatur, Wissenschaft und Kunst ihr Contingent stellen — schreit man über sie und klagt-! sie-des Strebend an, die christliche-Welt beherrschen zu wollen/ Da aber,- wo -sie, meist gezwungen, sich zurückhalten und innerlich, aber unaufhörlich, an ihrer Amalgamation arbeiten —- da schreit rftan wieder über sie und klagt sie der. Absonderung, ja der Nationalfeindschaft an! . - Ungarn ist noch immer ein glühender Boden. Das Land wird von einem bunten Völkergemisch bewohnt. In diesem ragen die Magyaren hervor und haben: dje Suprematie erworben. Was sie hierin denösterreichischen Waffen verdanken , lehrt die Geschichte. Die Deutschen haben oft genug auf den ungarischen Schlachtfeldern ihr Blut in Strömen vergossen, um den Halbmond zürückzuschlagen und - -die christlichen Provinzen ringsumher zurückzuerobern und dem Magyarenlande hinzuzufügen. - Die Magyaren allein hätten es nicht vermocht. Aber so etwas vergessen die Völker, und die in ihnen es wissen könnten, wollen es nicht wissen. Doch dies geht uns-hier nichts am Es,ist Thalsache, daß die Magyaren gegenwärtig die- Suprematie indem Völkergemisch/ welche das transleithanische Königreich bewohnt, besitzen. .In der Schweiz ist es anders. Da sitzen Franzosen, Deutsche und Italiener' neben--und untereinander, und da keiner dieser Stämme die Qbherrschaft beansprucht, sondern jedem Gleichberechtigung-und- Freiheit zustehen,- herrscht vollständige Einigkeit und-Friede. In Ungarn ist es natürlich; daß jeder der dortigen Völkerstämme diese Suprematie der Magyaren haßt und sich nicht gefallen' lassen will. Dies treibt wieder die Magyaren zu-harten Maßregeln^an, machte sie -äusschließlich und'feindlich gesinnt' gegen alles, was nicht-ganz wie-sie - aus si eht; Darum' istrund bleibt Ungarnein glühender Böden,- Ler^ noch: lange nicht 'vor-- fürchtbaren Ausbrüchen-gesichert ist. Es ist-nicht Unsere/Sache,- die