Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1874)
- Date
- 1874-10-13
- Page
- Seite 701 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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für., das Abendland.. Er-.gesteht.: hiermit zu,. nicht, allein, daß ^äS^Zudench«M'---isechS^:9ah'rh«nderte nach der. Geburt des Ehristenchnms^ noch die üvolleLebenskraftü:zu > meiner-?«euen i gleichartigen Geburt hatte, sondern doch' noch auch einen Inhalt besitzen mußten den es seinem . Zweitgeborenen übergab, : der doch, durchausnicht:.blos ein Abklatsch -des Christenthums geworden. In einen so grellen Widerspruch mit sich selbst ist: Herr. .Renan gerathen, weil. 'er.das eine: Mal mit Salvador: sprach, das)' andere Mal als christlicher Theologe und: als Schematiker. - Das. Hauptgewicht liegt für Renan in. der Behauptung, daß. das Iudenthum „seinem. Schmerzenskinde", dem Christenchume, „Alles gegeben habe", so daß ihm eben zum Leben nichts übrig : geblieben, so daß es .keinen Inhalt und keinen Zweck übrig .behalten. Hierin liegt abex. der Irrthum, die Unwahrheit. Schon -indem das paulinische .Christenthum das ganze Gesetz mit allen' seinen Principien und deren Durcharbeitung aufgab, hat' es vom -.Inhalte des Iudenthums einen großen Theil von höchster Bedeutung nicht herübergenommen, sondern ihn zurückgelaffen, und doch handelt es sichnoch. in der Gegenwärt um diese Principien und.- ihre .Verwirklichung iyr Leben der Gesellschaft und der Individuen.- .Dies ist die eine.Seite, um das „Alles" des Herrn Renan in das rechte Licht zu stellen. Ob das Christenthum wirklich jene Beseitigung: desGesetzes vollständig ausgeführt habe, oder z. B. den Sabbath, die - Taufe, einige Züge aus dem israelitischen Priesterthume und die Grundlage des canonischen Rechts u. dgl. demIudenthume entlehnte, berührt uns hier weiter nicht. Aber die andere Seite ist, daß das Christenthum zwar einen bedeutenden Inhalt des Judenthums herübergenommen, diesen aber .so veränderte, daß die Copie dem Original fast ganz unähnlich wurde. Wir wollen diesganz objectiv und nur als Thatsache mit einigen. Zügen Nachweisen. Was das Christenthum als seine wesentliche Grundlage.herübernahm, war der Gegensatz gegen den Pantheismus und Polytheismus,; die Lehre von einem einzigen Gotte, dem Schöpfer des All's und der Wesen. Aber aus diesem Grunde veränderte es den Monocheismus zur Trinität, zu einer dreifachen Persönlichkeit der Gottheit; die Gottebenbildlichkeit. der. menschlichen Seele zur Erbsünde; darauf die reine Geistigkeit Gottes zur Menschwerdung der einen göttlichen Persönlichkeit; die Barmherzigkeit Gottes, welche den reuigen Sünder bei aufrichtiger Umkehr versöhnt, zur Erlösung durch den Tod des menschgewordenen Gottes. Hieraus folgten weitere Veränderungen : die dem Iudenthume einwohnende nationale Aus- . schließlichkeit wurde, im Christenthume zur Ausschließlichkeit des Glaubens. -In jenem lebte die Ansicht, daß Israel das auserwählte Volk - für den Monotheismus: sei, ohne jedoch die übrigen Rationen von dem Heile bei Gott durch die Ausübung der Tugenden in Gottesfurcht auszuschließeu;-- in . diesem mußte der Glaube, an die . Erlösung Jedenddr nicht an diese glaube, vom Heile ausschließen. Der -Unterschied hethätigte sich in dem furchtbaren Brande der Religionskriegeder.sichzunächst, hieran entzündete.. - An die - Stelle des israelitischen Sittengesetzes setzte sich eine Idealität der Moral, welche .über die Natur des Menschen hiuausgiyg und . deshalb für dierealeMoral und das Recht, gefährlich: wurde. -.Diese, sowie die. ganze '.Aufhebung des Gesetzes unddie Tendenz-des. Glaubens bewirkten eine vollständige Veränderung der Lebensanschauung- Die Verachtung des Diesseits vor der Verherrlichung des Jenseits, die schrankenlose Entsagung des „Fleisches",.: die Entwürdigung der Arbeit in ganz antikem Geiste, folgten als Consequenzen und begründeten eine vollständige Verschiedenheit vom Iudenthume. Ob in Letzterem hier und da ein Anknüpfungspunkt, ein Keim dazu vorhanden gewesen, ist hierbei von keinem. Gewicht. Thatsächlich waren und sind diese Verschiedenheiten vorhanden, und einige dieser Momente unterscheiden auch wesentlich das Christenthum vom Islam, der zwar den Monotheismus viel strenger aufrecht erhielt, auch einige Stücke mehr aus dem Gesetze herübernahmallem Diesem jedoch den heidnischen . Fatalismus und den asiatischen Despotismus einmischle. . Kank nun, bei diesen hochbedeutenden Verschiedenheiten, Herr Renan sich gar nicht zu der einfachen Logik entschließen, daß das Iudenthum -och noch einen Zweck des Daseins haben mußte, den. es neben und zwischen dem Christenthume und dem Islam zu erfüllen hat? Mit dem „Alles", was das Iudenthum dem Christenthum gegeben haben soll, ist es nichts; was das Letztere vom Ersteren-übernahm, hat es gründlich verändert; das Iudenthum mußte sein eigen Selbst erhalten, schon um davon auch dem Islam, bei dessen Geburt sechs Jahrhunderte später, zu übergeben, der diesen Theil auch seinerseits „ wieder höchlichst veränderte. Das Iudenthum hatte also noch Lebensinhalt für sich genug und nährte sich von diesem in voller Energie die folgenden Jahrtausende. Es konnte sich gar nicht aufgeben, denn das, welchem es sich aufgeben sollte, Christenthum und Islam, war völlig-,, andersartig geworden. Die Existenz um seiner selbst Willen, d.. h. um seiner Bekenner Willen in-denen es energisch lebte — sie haben es in Tausend Qualen und Toden, bewiesen — war ihm: geboten. Aber auch die Existenz für die gesammte Menschheit. Christenthum und Islam waren Entwickelungen.von einem höchsten Principe seitwärts und müffen sich daher , nach dem Gesetze der.Entwickelung zu diesem zurückentwickeln.. Schon die protestantische Reformation und die ganze Entwickelungsgeschichte der .neueren Zeit geben hierüber die klarsten Zeugniffe ab. Auch hat inmitten des Christenthums und -des Islams, der Pantheismus seinen Platz nicht völlig geräumt, hat diesen vielmehr in den letzten Jahrhunderten wieder sehr, ausgedehnt , und ist zu einer bedeutenden Macht geworden. . Das--Iudenthum mußte daher die Standarte des reinen Monocheismus,is die Standarte aller der Consequenzen .aus diesemdie Standarte aller-.dpr Principien, der sittlichen und socialenwelche, in seinem. Gesetze .zum Ausdruck gekommen- -hoch empor halten, für sich, sowie, für die auf dem. Wege der Ent- 42*