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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-10-06 · Heft 41 (6.10.1874) · p. Seite 694

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 41 (6.10.1874)
Date
1874-10-06
Page
Seite 694 (sequence 12)
Language
German
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Pfarrhäusern hervor. Daß sich dann einmal in der Reihe ein ausgezeichneter Kopf einstellt, ist kein Gegenstand von besonderer Bedeutung." -■ „Nun," fügte ein Anderer hinzu, „das haben auch: wir in vielen Rabbinerfamilien erlebt, nur daß -hier öfter eine absteigende Linie stattfindet, der Sohn und Enkel dem großen Vorfahren nicht gleicht Und seine Stellung mehr der Pietät, als-dem eigenen Werthe zu verdanken hat" „Ja," ergänzte ein Dritter, „Maimonides empfiehlt sogar die Erblichkeit des Rabbinats und zieht sie aus der Erblichkeit -der israelitischen Könige her. Um so mehr hat es mich längst gewundert, daß bei den deutschen Rabbinern - der jüngsten' Periode das Gegentheil stattfindet, und von keinem der bekannten Rabbinern meines Wissens ein Sohn den Beruf des Vaters gewählt hat." „Dies deutet," fügte ein Anderer hinzu, „auf ein Zerwürfniß mit dem Berufe hin; die Söhne haben im Hause der Eltern die Unbehaglichkeit, Unzuverlässigkeit und Schwierigkeit dieses Amtes zu sehr kennen gelernt. Ich muß gestehen, diese Wahrnehmung betrübt mich, wenn ich sie mit dem Umstande verbinde, daß an den theologischen Lehranstalten zu Breslau und Berlin nur sehr wenige Deutsche studieren, sondern meist Ausländer aus dem Osten. Wir werden daher unfern rabbinischen Bedarf -später wieder aus jenen Ländern beziehen müssen, wie dies noch vor einem Jahrhundert der Fall war, und ich brauche nicht erst auseinanderzusetzen, daß dies nicht ohne Gefahr geschieht." Als das Gespräch auf diesem Punkte angelangt war, fuhr Lebrecht dazwischen: „Freunde!" sagte er, „wir kommen ja von unserm Gegenstände ganz ab, und ich habe meine - geschichtlichphilosophische Skizze nicht zum Besten gegeben, um auf das deutsche Rabbinat angewendet zu werden. Leo ist-uns vielmehr -noch schuldig, uns mitzutheilen, weßhalb er seine Frage an mich gerichtet hat, und was ihn mit so ernsthafter Besorgniß erfüllt?" (Schluß folgt.) Zur Liographie Diegos d'ÄgMar. Der chursächsische Gesandte in Berlin, Graf Zinzendörf, . berichtete seinem Hofe in einer Depesche vom 8. September 1783, es habe ein portugiesischer Jude, dessen Namen er nicht nennt, dem Ministerium in Berlin Vorschläge bezüglich des Tabaks gemacht. Er findet es angemessen, dieser Mittheilung hinzuzusügen: C’est un des juil's porlugais qui coiinne ou le sait.se distiogüent absolument de'la classe ordinaire et evilenl meine d’avoir corinexion avec les autres. *) *) Das Urtheil über portugiesische Juden lautete in früherer Zeit von Seite der Staatsmänner sehr günstig. -In unserem' Studiumzur Jubelseier der Wiener Universität S. 18s rheilten wir ein Votum des österreichischen Residenten in Hamburg vom I. 1722 über die portugiesischen Juden daselbst mit. ' Cörr. Wie bekannt, war es auch inDesterreich ein. portugiesischer Jude,' Diego d'Aguillar, welcher Vorschläge bezüglich des Tabaks machte, über welchen mein - verehrter Freund L. A. Frankl Nachrichten in der Allg. Zeitung des Judenthums im Jahrg. '1854 -gab. Ich hielt es. nicht für -überflüssigdie betreffenden Meten im Archive des- Reichs-Finanzministeriums einzusehen , ' und ' ich fand speciell einige Resolutionen-der Kaiserin Maria Theresia, die sie eigenhändig geschrieben, welche wir auch mit der eigentümlichen-Orthographie werden folgen lassen, die, wie wir glauben, nicht ohne Interesse sind. 'Diego d'Aguillar zahlte 1741 für das Tabaksgefälle,jährlich einen-Pachtschilling von fl. 260,000. Nach damaliger Sitte, wo jede Staatseinnahme zu gewissen Staatsausgäben verwendet wurde, 'fielen von obiger Summe dem' niederländischen Rath 'fl. 126,000, den niederösterreichischen Ständen fl. 50,000 'und dem Magistrat der Stadt Wien ebenfalls fl. 50,000 zu. (Es waren das nämlich die Interessen der mit diesen, "juristisch gesprochen, moralischen Personen abgeschlossenen Anlehen,) Im Jahre 1743 zahlte England an Oesterreich 300,000 'Pfund Sterling Subsidien. Zwei Personen bewarben sich darum, diese Summe zu übernehmen und sie in österreichisches Geld ümzusetzen (eine „Börse" war damals noch nicht in Wien; sie wurde erst im Jahre 1812 begründet). Es waren dies Palm und'Aguillar. Auf den betreffenden Vortrag der Hofkammer rescribirte die Kaiserin: „an den werth der offerti ist gar khein Zweiffel und Gomparaison, und glaube würde er (Aguilar) sich niemahls unterstehen was zu a^ineiren, was er nicht halten könnte. Die Hälffte von der rimesse habe ihm versprochen, also liegt es nur an der andern Helffte von der kann disponirt werden. Wen der anstand wäre wegen der englischen negöliauten welche dann Goore konnte überlassen werden. Aguillar hat ein Bruder in engelland und ein großer negotium auch specio ist also auf dise arth die sach zu endigen und ^'asner (österreichischer Geschäftsträger in London) zu schreiben, damit man nicht wider in mehr Gonl'nsion wie vor ein jahr kommt. Maria Theresia. Als Aguillar im Jahre 1747 bat, daß man ihm einen Theil der Caution, die er auf den Pachtschilling für das Tabakgefälle erlegte, zurückerstatte, da in Folge der Kriegszeiten Geld schwer aufzutreiben war, bemerkte die Kaiserin: „scheint mir billig; ich bin ihme vill schuldig-ohnedem also ihme zurückzustellen." „ „wann Aguillar nicht reversiren will d'as! er wann die kavriee aus pruge (Bruck) genug Taback verlassen wolle, so habe kein Bedenken aufs seine Ehrlichkeit ihme die Gauüon. zurückzustellen, die übrigen schulden mögte nicht darein mischen." Wenn man weiß, wie feindselig insbesondere zu jener Zeit, wo bie -Juden aus Böhmen'vertrieben waren (vergl. hierüber meine Schrift), die Kaiserin gegen die Juden war, so wird man

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