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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-10-06 · Heft 41 (6.10.1874) · p. Seite 690

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 41 (6.10.1874)
Date
1874-10-06
Page
Seite 690 (sequence 8)
Language
German
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600; Die Anweisung behufs i Auszahlung der i pro 187 4 neu-- bewilligten Alterszulagen für. die Etementarlehrer ist vor »einigen Tagen eingegangen. Von -den fünf Lehrern in Iutroschin erhallen die beiden katholischen: zu den ihnen bisher gewährten 40 je 20, der erste evangelische und'der jüdische neben den bisherigen 20 je 10 Thlr. jährliche. Zulage. Im Bucker Kreise erhielten drei 'jüdische. Lehrer zu^den^ihnen bisher gewährten 40 je 20 Thlr. jährliche Zulage, während in Jchenhausen in Bayern drei jüd. Lehrern zu den ihnen bisher gewährten 350 fl. je 100 fl. jährliche Zulage gewährt worden ist. — Wegen der noch immer schlechten Besoldung wird der Lehrermangel in unserer Provinz immer empfindlicher. ' Neubrandenburg (Mecklenburg), 25. Sept. (Privatmitth.) Mehr noch als die großen, bedürfen nie-kleineren Gemeinden der Unterstützung durch'die Presse. Gestatten Sie daher auch folgender Mittheilung 'einen Raum. Wie in Mecklenburg-Schwerin, Rostock und Wismar, so hatten in Mecklenburg-Strelitz, Neubrandenburg, Friedland und Woldeg k das Privilegium, daß diese Städte keine Juden bewohnen durften; jedoch waren in . diesen drei letzteren Städten unseren Glaubensgenossen' die Thore nicht so fest verschlossen, wie in den ersteren. Wenn auch heimlich, so siedelten sich doch nach und nach,, namentlich in Neubrandenburg, einige Glaubensgenossen an, und als diese wahrend der Kriegsjahre im Anfang dieses Jahrhunderts auch die städtischen- Kriegslasten mittragen mußten, so entschied die Landesregierung^ daß - sie 'dadurch auch das Recht erlangt hätten, sich dort aufzuhalten. Es wurden ihne^l Concessionen zum Handel ertheilt, worin bemerkt war, daß ihr Wohnsitz Strelitz oder Fürstenberg sei, mit der Erlaubniß sich in Neubrandenburg aufzuhalten. Ende der dreißiger Jahre erhielt zuerst Jacob Barsdorf eine Concession aus Neubrandenburg als Wohnsitze und so folgten später Mehrere, jedoch wurde ihnen die Bedingung gestellt, ihren Beitrag zur jüd. Gemeinde in Strelitz zu bezahlen. Strelitz ist 4 Meilen von hier entfernt, dorthin mußten die hiesigen Glaubensgenossen die Leichen ihrer Verstorbenen zur Beerdigung bringen, dorthin mußten sie Gemeindebeitrag zahlen, obgleich sie hier auch einen Schächter und Lehrer, sowie ein Local zum Gottesdienst halten mußten. Diesen Uebelständen abzuhelfen, war der Wunsch der hiesigen Glaubensgenossen, und im Jahre 1864 willigte die Regierung in diesen Wunsch, und seit der Zeit bilden sie eine selbstständige Gemeinde, welche damals neun Familien zahlte. Unsere erste Sorge war, einen Gottesacker zu schaffen, die Stadt gab uns bereitwilligst einen Platz dazu gegen Grundpacht, jedoch die Mauer um denselben kostete uns über 600 Thaler. Seit dem Freizügigkeitsgesetz von 1866 hat sich unsere kleine Gemeinde bis circa zwanzig Familien vermehrt, wozu auch noch die in Friedland, Woldegk und Stargard seit dieser Zeit angesiedetten circa zwölf Familien gehören, so daß dasjenige Local, welches wir bisher als Synagoge benutzt haben, wenigstens für die hohen! Festtage nicht mehr ausreicht, ein größeres Miethslocal können wir nicht finden, und so sind wir gezwungen eine Synagoge zu bauen.- Hierzu fehlen uns jedoch die Mittel, und so verfielen wir auf die Idee, eine Lotterie einzurichten, deren Ueberschuß uns ein Grundcapital zum Bau einer Synagoge liefern soll. Unsere Landesregierung hat uns bereitwilligst die Concession dazu ertheilt. Oesterreich-Ungarn. Pest, 27. September. , (Privatmitth.I s5it glücklich heimgekehrte und von aller Welt gefeierte' österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition hat für uns das besondere Interesse, daß der sie begleitende Arzt, vr. Repes, ein Jude ist.! : Grostwardein, im September. Ueber die Parteistreitigkeiten in der hiesigen israelitischen Gemeinde schreibt „Nagyvärad :" Zwischen-den Orthodoxen und Fortschrittlern der hiesigen israel. Gemeinde läuft schon seit langer Zeit ein Proceß, der auch bisher schon die Efsigmutter vieler Unannehmlichkeiten und Feindseligkeiten gewesen, und außerdem haben beide Parteien zur Bestreitung der Proceßkosten bereits• Tausende verausgabt, nur um sich gegenseitig zu ärgern. Die Parieileidenschaft hat auch in dieser Woche einen ärgerlichen Vorfall hervorgerufen, dessen Schauplatz der Tempel ver Fortschrittspartei war. Der Vorstand der Fortschrittspartei wollte in das Gebäude eine Thür schlagen lassen, wozu aber der orthodoxe Vorstand seine Einwilligung nicht geben wollte. In Folge davon geriethen die beiden Parteien so aneinander, daß die Polizei sich in's Mittel legen mußte, um dem Skandal ein Ende zu machen. Lemberg, im September. Das. orthodoxe Judenthum in Galizien hat durch einen jüngst veröffentlichten Erlaß des Unterrichtsministeriumseine ernstliche Anfechtung erlitten. - Um den schädlichen Einflüssen Einhalt zu thun, welche die jüdischen Winkelschulen auf die geistige und körperliche Entwickelung der schulpflichtigen Jugend ausüben, sah sich der Unterrichtsminister veranlaßt, die Errichtung der sogenannten talmudischen Schulen in der Zukunft zu beschränken und von der Genehmigung der politischen Behörde abhängig zu machen. Da überdies-die Erfahrung lehrt, daß die Heranbildung der israelitischen Jugend in den talmudischen Wissenschaften oft von Personen geleitet wurde, denen die Berechtigung hierzu und jeder pädagogische Beruf abgeht, so sollen die Concessionäre für eine solche Schule in der Folge verhalten sein, über ihre Qualificatiqn sich auszuweisen. Außerdem wurde angeordnet, daß alle Schulen dieser Art von der politischen Behörde in steter Evidenz gehalten werden. Dre Bezirkshauptmannschaften haben die Weisung erhalten, dieselben einer strengen Ueberwachung zu unterziehen und häufige Visitationen vorzunehmen. '

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