Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1874)
- Date
- 1874-10-06
- Page
- Seite 687 (sequence 5)
- Language
- German
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rubricirten Werkes im Selbstverlag erscheinen ließ, überall die! finden, auf die deffen wissenschaftliches Streben mit Recht Anfreundlichste Aufnahme und das liebreichste Entgegenkommen j spruch machen darf. Rabbiner D. Oppenheim. ^eAhuAi^wccc^xxe&bcuj. Deutschland. Berlin, 23. Sept. sPrivatmitth.) Ich komme noch einmal auf die Unionsverhandlungen zurück, welche vor Kurzem in der Zusammenkunft altkatholischer, anglicanifcher und griechischkatholischer Theologen stattgefunden. Das Organ der Ersteren, der „Deutsche Merkur", veröffentlicht die vierzehn Thesen, über welche die bei der Versammlung Anwesenden übereingekommen sind. Ob diese Herren auch ihre ganze Kirche oder selbst nur eine größere Anzahl ihres Standes hinter sich haben, läßt sich jetzt noch nicht absehen. Unter den vierzehn Thesen sind es die ersten drei, welche selbstverständlich unsere volle Billigung haben. Sie lauten: „1. Die apokryphen Bücher des alten Testamentes sind nicht eben so canonisch, wie die im hebräischen Canon enthaltenen Bücher. 2. Keine Uebersetzung der heiligen Schrift kann eine höhere Autorität beanspruchen, als der ursprüngliche Text. 3. Das Lesen der heiligen Schrift in der Volkssprache darf nicht verboten werden." Unsere besondere Beachtung zieht die fünfte These auf sich, welche lautet: „Glaube, der durch Liebe wirksam ist, nicht Glaube ohne Liebe, ist Mittel und Bedingung der Rechtfertigung des Menschen vor Gott." Diese These ist eine wesentliche Einschränkung und, nach unserm Standpunkte, eine Verbesserung des .auguftinisch - lutherischen Glaubenssatzes, der die Rechtfertigung durch den Glauben allein bewerkstelligen läßt. Das Judenthum erkennt freilich diese Unentbehrlichkeit des „Glaubens" nicht an. Äm Grunde behält dieser „Glaube mit Liebe" dieselbe Ausschließlichkeit betreffs der Bekenner aller anderen Religionen, wie der „Glaube" allein; denn immer bleibt der Glaube an den Inhalt der christlichen Dogmen die Bedingung der „Rechtfertigung vor Gott", d. h. der Seligkeit. Das Iudenthum dagegen, so streng es für den Israeliten die Erkenntniß des einzigen Gottes zur Bedingung macht und jeden Abfall verpönt, würdigt jedoch den Umstand, daß jeder Mensch, nach der göttlichen Fügung selbst, in seine Nation und Religion hineingeboren und darin erzogen ist, also für seine specielle Vorstellung von der Gottheit nicht verantwortlich sein kann, und hält deshalb den talmudischen Grundsatz aufrecht: anb «5*» ■DViyn .nma *|taPön Dbwb pbn „Die Gerechten aller Völker haben Antheil an dem ewigen Leben." Unter Tön ist derjenige zu verstehen, welcher in der Ehrfurcht vor der Gottheit — welche Vorstellung von derselben er auch damit verbindet — einen tugendhaften Lebenswandel führt. Dieser Grundsatz ist aus dem innersten Marke des Prophetismus geflossen, und nachdem ihn die Talmudisten so formulirt hatten, fand er im Iudenthume niemals einen Widerspruch. Auch der Islam hat , die Bedingung des „Glaubens" aufgestellt und die Ausschließlichkeit decretirt. Durch die oben citirte These ist neben dem „Glauben" doch auch der „Liebe" ihr Platz zurückerobert, und dies genügt uns in praktischer Beziehung. - Denn wenn die Menschen nur Liebe untereinander üben, so mögen die Herren Theologen immerhin über die Seligkeit Andersgläubiger disponiren. Diese hängt doch nicht von ihnen ab, sondern von einem höheren Richter. — Die übrigen zehn Thesen gehen uns nichts an. Sie versuchen eine Reihe kirchlicher Dogmen zu rectificiren, indem sie dieselben ihrerseits bekräftigen und aufrecht erhalten. Was ich über das filioque gesagt habe, wird durch das, was der „Deutsche Merkur" darüber berichtet, nur bestätigt. — . Der hiesige Vorstand hat sich an den jetzt hier versammelten Congreß deutscher Architecten gewendet, ihn ersuchend, die Ursachen der schlechten Akustik in der neuen großen Synagoge zm ermitteln und Rathschläge zur Abhülfe zu ertheilen. Der Congreß hat sich dazu bereit erklärt und einige Mitglieder dazu abgeordnet, welche den ganzen Bau zu diesem Zwecke einer Untersuchung unterziehen werden. Bekanntlich sind die Ursachen guter oder schlechter Akustik in den Gebäuden, namentlich in großen Räumen, für die Baukunst ein noch zu lösendes Räthsel, und doch hängt hiervon häufig ab, ob das Gebäude seine Bestimmung erfüllen kann oder nicht. Wahrscheinlich ist die Akustik von sehr verschiedenartigen Bedingungen abhängig und darum ein Räthsel. Hoffen wir, daß die zu erwartenden Rathschläge die richtigen seien und nicht etwa vergeblich große Kosten machen werden. Eines ist mir in dieser großartigen Synagoge stets aufgefallen: warum hat man die Kanzel, statt am Ende des Raumes vor der h. Lade, nicht in die Mitte vor einer der Seitenwände angebracht? wie es z. B. in Pest geschehen, wo die Synagoge noch viel größer ist und an 7000 Personen fassen kann. Auch dort muß sich zwar der Redner sehr an strengen, aber er wird doch von der gesammten Zuhörerschaft verstanden, was in der Berliner Synagoge auf den Frauengallerien gar nicht, bei den Männern nur zum Theil der Fall ist. Dabei verliert die Predigt durch die gewaltige Anstrengung des Redners: viel von ihrer Würde und alle Abwechslung im Tone und im Ausdruck, und der beste Redner muß hieran zum Theil scheitern, sicher aber seine Gesundheit zu Grunde richten. Köln, 23. Sept. Der Commissionsrath Herr S. Benedik Hierselbst hat der israelitischen Gemeinde zu Frechen 2000 Thlr. als Geschenk überwiesen, um solche zur Errichtung einer Mauer um ihren Begräbnißplatz zu verwenden. Der etwa 10 Minuten