Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1874)
- Date
- 1874-10-06
- Page
- Seite 686 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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686 Es ist erfreulich, daß auch jüdische Gelehrte von dieser Zeitströmung ergriffen wurden und wissenschaftliche Reisen zu den Zwecken unternahmen, die Geschichte, Antiquitäten und überhaupt die politischen und socialen Zustände der Juden in den von Europäern am wenigsten gekannten Ländern zu erforschen. R. Benjamin, zubenannt der Zweite, Abraham Firkowitsch, R. Jacob Saphir und Joseph Halevi sind die vier vorzüglichsten Reisenden, deren Reisewerke und Forschungen sich die ungetheilteste Anerkennung der gelehrten Welt erworben. Unter diesen gebührt aber die Palme Herrn Jacob Saphir, dessen Forschungen üüf dem Gebiete der biblischen Wissenschaft die reichste Ausbeute lieferte. Herr Saphir aus Jerusalem, von Geburt ein Pole, unternahm 18 5 4 als palästinensischer Sendling, mat» mbm bN^nö"* rnbtt), eine Reise nach Egypten, Arabien, Aden und Ostindien und veröffentlichte 1 86 6, durch den Verein Mekiza Nirdamim, unter dem Titel: Eben Saphir, den ersten Theil seiner in einem elastischen Hebräisch geschriebenen Reisebeschreibung, der gleich beim Erscheinen wegen der reichen Fülle von interessanten Nachrichten und gelehrten Notizen allgemeine Beachtung gefunden hat. Ebenso interessant und lehrreich ist der jetzt erst nach langer Unterbrechung erschienene zweite Band, der uns über die Juden in Aden, Cochinchina, Ostindien und besonders Neuseeland und Australien eingehende Berichte über deren politische, sociale und religiöse Zustände in Menge bietet. Herr Saphir entwirft uns ein Bild von den Sitten, Gebräuchen, Hochzeits¬ und Beschneidungsfeierlichkeiten der 'Juden in diesen fernen Ländern, giebt uns Proben von hebräischen und liturgischen Gedichten und Liedern, deren sich daselbst die Juden bei verschiedenen Anlässen bedienen, und bemühete sich feine rein objectiven Schilderungen ebenso lehrreich als anziehend darzustellen. Herr Saphir beabsichtigt auch, sein Reisewerk in deutscher und englischer Sprache herauszugeben — ein Unternehmen, das bei gehöriger, sorgfältiger Bearbeitung gewiß die allgemeine Aufmerksamkeit erregen muß, da uns hier interessante Nachrichten geboten werden, die man sonst nirgends findet. Besonders richtete Herr Saphir sein Augenmerk auf alte Bibelhandschriften und hebräische Manuscripte, und' es ist ihm gelungen, bedeutende, kostbare Funde zu machen. So entdeckte er in Egypten einen merkwürdigen, im Jahre 895 von Moses b. Ascher geschriebenen Code; und in Aleppo den berühmten von Maimonides als Mustercodex bezeichneten, sogenannten Code; des Aron b. Ascher; ferner in Sana in Jemen eine alte, in ealligraphischer Beziehung höchst merkwürdige Bibelhandschrift nebst Massora, wovon uns Copien, massoretische Notizen in den beiden Theilen mitgetheilt werden. Die merkwürdige Bibelhandschrift nebst Massora aus Sana in Jemen befindet sich jetzt in der Nationalbibliothek in Paris, und Herr Derenburg hat daraus den massoretischen und grammatischen Theil im Journal Asiatique unter dem Titel: ampn rrmr; herausgegeben. Auch in dem vorliegenden zweiten Theil des Eben Saphir hat Herr S. einen wichtigen Anfang: p'vn beigegeben, der die xlene und üeleotive aus den alten Hillali'fchen Codex und wichtige Excerpte aus dem Code; aus Jemen: ri"i2N)073i ,->bbn ibo» pns>n enthält, die für den Bibelforscher von großem Interesse sind. — Minder glücklich ist Herr S. in seiner Beweisführung für das hohe Alter der zehn mitgetheilten Grabschriften aus Aden, welche die Jahreszahl rii->uwb... 8"v fi"2 ,'2 nsia haben. Herr Saphir glaubt nun, daß dies die ältesten Grabschriften wären und sich sogar vom Jahre 20,28, 61 u. s. w. der griechisch-seleuzidischen Aera, die 3 1 2 vor Christo begonnen, datiren. Allein schon die Bezeichnung und Benennung dieser Zeitrechnung: rn^.cowb, die erst in der Geonimperiode entstanden — im Talmud heißt sie: ctsy' n>i2b?3b nnd ebenso in den beiden Büchern der Makkabäer — zeigt zur. Genüge, daß hier die Zahl Tausend fehlt, und daß also die Grabschriften eigentlich rrnaiöb n"D 8 /d qb8 ridw lauten müssen. Die Tausend wurden weggelassen, obschon dies, wie Saphir bemerkt, bei der -aei-a contraetmn bisher nirgends gefunden wurde. Demnach ist z. B. rrnamb n"D ----- rrnaiüb n"v '8 717 n. Chr. — ein Alter, die diese Grabsteine immerhin höchst beachtenswerth machen. Es ist sonderbar, daß sich Herr S. so viele Mühe giebt, das mehr als zwei Tausendjährige Alter dieser Epitaphien zu beweisen, da doch der Ausdruck rvnaiab, der viel später entstanden, das richtige Zeitalter kennzeichnet. Viel gründlicher hingegen sind dessen Beweise gegen die Behauptung des Herrn Hr. Grätz, Geschichte der Juden V. 556 und Pineles, daß Ben Ascher ein Karäer gewesen, da aus allen jetzt bekannt gewordenen Bruchstücken der massoretischen Schriften des Ben Ascher das Gegentheil hervorgeht, daß derselbe nämlich ein Rabbanite war. Wir haben in dem ersten Doppelhefte der Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums von Dr. A. Geiger, 1874, über Ben Ascher einen ausführlichen Artikel gebracht, der auch diesen Punkt berührt, worauf wir der Kürze wegen den gesch. Leser blos verweisen wollen. . Herr Saphir, der sich als Massoret und durch seine aus dem Oriente gebrachten Bibelhandschriften einen vorteilhaften, weit verbreiteten Ruf selbst bei christlichen Gelehrten erworben, geht auch damit um, seine Reife in Europa und vorzüglich in Italien nebst Auszügen aus Codices und Maffora's, sowie Ergänzungen zu den beiden Theilen des Eben Saphir, in einem dritten Theile folgen zu lassen, worauf wir im Voraus mit dem Bemerken aufmerksam machen, daß Herr Saphir diejenige Unterstützung und Theilnahme aller Orten finden möge, die seine Aufopferung und Hingebung für die jüdische und namentlich Bibelwissenschaft verdient. Herr Saphir hat die schönste Hälfte seines Lebens unter den härtesten Entbehrungen und Entsagungen auf Reisen und Forschungen zugebracht. Möge es ihm nun jetzt gegönnt sein, in Ruhe die Früchte seiner Forschungen zu genießen und dieselben der gelehrten Welt zugänglich zu machen. Möge Herr Saphir, der den zweiten Theil des