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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-10-06 · Heft 41 (6.10.1874) · p. Seite 685

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 41 (6.10.1874)
Date
1874-10-06
Page
Seite 685 (sequence 3)
Language
German
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685 die Kämpfe der weißen und rothen Rosen in England u. s. w. . geben ein ähnliches Schauspiel, Das-mittelalterliche Italien gar -/nicht zu erwähnen. Alle lebenskräftigen Völker Hatzen die stärksten inneren Erschütterungen gehabt -und ertragen, und wenn man die Kämpfe, die sie zu bestehen hatten, aus der Vogelperspective nahe aneinander gerückt sieht, während doch auch lange Pausen dazwischen lagen, so begreift der Kurzsichtige nicht, wie die Völker dabei bestehen bleiben konnten. Mit den inneren Kämpfen der Israeliten ist es übrigens gar nicht so weit her, wie Renan übertreibend meint. Wir haben aus der vierhundertjährigen Richterzeit nur von einem einzigen Bürgerkriege Nachricht; -zwischen David und Isboseth wurde sofort Waffenstillstand - geschloffen; während des zweihundertundfünfzigjährigen Bestandes der beiden Reiche fand nur zwei- oder dreimal Krieg zwischen ihnen statt; erst der Bruderkampf, in der hasmonäischen Familie lähmte die-Kraft des Volkes, und der dreijährige Kampf der Juden gegen die Römer zu einer Zeit, wo die drei Welttheile zu den Füßen der Letzteren lagen, beweist,, welche Energie trotz der Parteiungen in diesem Volke lebte. . Auf diese vermeintliche ununterbrochene innere Zerrüttung sich stützend, erklärt Renan auch, daß die Juden eine staatliche Gesellschaft zu bilden, nicht befähigt gewesen feien. Hierdurch anacht -er sie auch für sein Schema passend, denn die Juden sollen dies als Semiten nicht vermocht haben; die hochgelobten -Arier allein sollen diese Fähigkeit besitzen. Nun hat aber der jüdische Stamm mit Unterbrechung des babylonischen Exils über fünfzehn Jahrhunderte eine staatliche Gesellschaft gebildet, verstand es, durch die Republik zur Monarchie zu kommen, erhielt sich als nationaler Staat unter der persischen und syrischen Oberhoheit, vermochte noch in seinem vierzehnten Jahrhundert die mächtigen Syrier zu besiegen , ein unabhängiges Königreich aufzurichten, und unterlag schließlich den Römern, wie dies damals Hunderten von Nationen und Staaten ebenfalls erging. Will nicht Herr- Renan uns, die Egypter ausgenommen, irgend einen Staat nennen in der asten, wie in der neuen Zeit, der eine ebenso große Dauer aufzuweisen hat? Selbst die von ihm nach dieser .Richtung hin viel gerühmten Römer, konnten ihren Staat von - dessen ersten Anfängen bis zu seinem letzten Seufzer nur ein Jahrtausend aufrecht erhalten, Die Perser zählen für ihren .Staat nur Awas über zwei Jahrhunderte, und die modernen -Nationen reichen-eben kaum an die Dauer des römischen Staates. Was , die innere staatliche Entwickelung, betrifft, .so mag sie bei dem jüdischen Stamme nicht so mannigfaltig und principiell entschieden gewesen sein, wie bei den Griechen und Römern. Dafür waren die inneren Verhältnisse hei ihm viel stabilerals bei den in ewigen Parteireibungen -und Umgestaltungen begriffenen-Griechen -und Römern, von denen die elfteren schließlich-in Ohnmacht, die letzteren im scheußlichsten Cäsarismus Schmachteten, während die demokratische Richtung und-Freiheit dem jüdischen Volke bis in -seiner, letzten -staatlichen Phase verblieb. Dabei ist nicht zu übersehen, daß der jüdische -Stamm von Beginn an auf eine social- -gesetzsiche Entwickelung, ausging, dieselbe stets in frischem Flusse erhielt, in seinen letzten Jahrhunderten eine neue -kräftige, Entfaltung und Durcharbeitungdieses . Gesetzes begann- -und mehr als ein halbes Jahrtausend nach dem Falle Jerusalems fortführte. Alle diese geschichtlichen Thatsachen müssen Herr Renan und seine Genoffen geradezu todtschlagen, aus der Geschichte ausstreichen, diese Geschichte ignoriren, entstellen-und verkürzen, um zu jenen Behauptungen zu kommen, mit welchen sie die Juden auf die unterste Stufe -zu versetzen suchen. Wir wissen sehr wohl, daß diese Männer, .den Juden gegenüber, auf die Gunst -der Menge zu rechnen haben, und daß solche energisch ausgesprochenen Behauptungen immer wieder eine lange Zeit im Schwange bleiben. Allein die Zahl der gewissenhaften Forscher, der unparteiischen Beurtheiler, wächst doch auch, und-so können wir immerhin glauben, daß unser Protest im Laufe der Zeit Gehör finden werde. Doch es ist Zeit, daß wir. die Hauptstelle Renan's wörtlich citiren, um sie gehörig an's Licht zu stellen. Literarischer Wochenbericht. vrDNv .tso apy -pbri . -pdü p« ib'Sri -.b*na bR>rp Gr. Becskerek, 30. Aug. Eben Saphir. Beschreibung der Reisen des R. Jacob Saphir aus Jerusalem durch Egypten, Arabien, Jemen, Aden, Ostindien unv Australien mit besonderer Berücksichtigung der Geschichte und des Zustandes der in den genannten Ländern wohnenden Israeliten, sammt, Copien alter Grabmäler, Lieder, Erzählungen u. s. w. II. Theil. Mainz. Buchdruckerei des I. Bril. 237 S. 8.. Man hat wohl unserem ereignißreicheu und merkwürdigen Jahrhundert gar verschiedene Epitheta und.Namen .tzeigelegt; aber am bezeichnendsten könnte man es mit Recht das wandernde und reisende Jahrhundert nennen. Die Mauder- und Reiselust ist wahrlich das höchste charakteristische Merkmal des Zeitalters der Dampfschiffe und Eisenbahnen. - In keiner Zeit, wurde unter den mannigfachsten Vorwänden und Absichten so , viel Meist, gewandert und gepilgert als in der-Gegenwart.. Kein Winkelchen des weiten Erdbodens blieb verschont, alles wurde durchforscht und durchsucht. Die Touristen bilden jetzt eine eigene zahlreiche und respektableMenschenclasse, die mit-mehr und, minder glücklichem Erfolge die Wissenschaft im Allgemeinen und speciell die Geographie und Ethnographie, Geschichte und Alterthumskunde förderten. Gelehrte Reisende haben uns daS alte Pharonenreich, die -assyrisch-babylonischen Weltmonarchien erschlossen, iN-.diehomerische. und troyayische Fabelwelt .eingeführt und längst verlorene Stämme wieder agfgefunden.

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