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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-29 · Heft 40 (29.9.1874) · p. Seite 675

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 40 (29.9.1874)
Date
1874-09-29
Page
Seite 675 (sequence 9)
Language
German
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675 malen verödet da und dürfte die Gemeinde in Bälde gänzlich verfallen. In der That vertheilte der verstorbene Rabbi seine sämuulichen von Fremden erhaltenen Einkünfte allwöchentlich. Wie man uns versichert, erhielten vom Rabbi allwöchentlich seine Gemeindeglieder an hundert Gulden, den Wirthen abgerechnet; bestimmte zum Baue eines Tempels allwöchentlich 50 fl. undebenso viel gingen allwöchentlich an verschämte Arme der Umgebung. Der Tempel dürfte jetzt schwerlich vollendet werden und eine Ruine bleiben. Während der Liszkaer Rebbe beim Leichenbegängnis des Ujhelyer Oberrabbi erschien und im Namen der Chassidäer von seinem größten Gegner sich mit den Worten verabschiedete: „Ujhelyer Rabbi, ich bin gekommen, mich von Euch zu verabschieden und Euch. mn Verzeihung für die Chassidäer anzuflehen. Zwischen uns war nie Feindschaft, unser Streit geschah aus Liebe, es war ein Principienkampf," fand es der junge Ujhelyer Obberrabbi für gut, am Grabe des Liszkaer Rebben nicht zu erscheinen. Wir erwähnen diese Thatsache, um zu constatiren, wie unversöhnlich die Familie Löw^ in deren Mitte das Rabbinat seit hundert Jahren nicht erlosch, zu den Chassidäern steht. In S. a. Ujhely hat sich ein Comitt gebildet, um die Manuscripte des verstorbenen Rabbi Jeremias Löw herauszugeben. Es sollen an 50 Manuscripte, rabbinisch-theologischen Inhaltes, druckreif vorliegen. Wir haben bei Lebenszeiten des Rabbi oftmals Gelegenheit gehabt, den seltenen Scharfblick dieses Gelehrten zu bewundern, und wenn wir dem Comits einen Wink zu geben uns erlauben dürfen, so wäre es der, die Charakterbilder großer jüdischer Gelehrter zuvörderst zu veröffentlichen, da der nunmehr selig entschlafene Autor häufig kopfschüttelnd die Geschichtsbände von Grätz bei Seite legte und die Hoffnung aussprach, daß sich einst ein Uebersetzer seiner jüdischen Charakterbilder finden möge. Das Szäntüer Oberrabbinat steht noch verwaist da, und wurde Herr Leopold Lipschütz in Budapest, ein würdiger Sohn des verstorbenen Oberrabbiners, einstimmig zum Nachfolger gewählt. Nachdem Herr Lipschütz heute Präses der orthodoxen Durchführungscommission ist, so dürfte derselbe schwerlich vor Erledigung der Schulfondfrage die Hauptstadt verlaßen. Auch Tokaj hat vor Kurzem das Rabbinat besetzt und einen vorzüglichen, der orthodoxen Richtung ungehörigen Kanzelredner berufen. Das Schulwesen Oberungarns erfreut sich nicht jener Unterstützung, die es verdient. Dort, wo sich einiges Leben bemerkbar macht, sind es die Simultanschulen, die von den gebildeten Juden stark protegirt werden." Während die jüdische Volksschule in Ungvär.verkümmert und ein trauriges Dasein führt, wurde von einem angesehenen jüdischen Insassen dieser Gemeinde hundert Gulden mit der Verpflichtung der zu eröffnenden Simultanschule zugewendet, diese Summe zeitlebens alljährlich zu erneuern. In Kaschan. besteht trotz der Simultanschule eine recht gut organisirte israelitische Hauptschule. Desgleichen in Eperies, die mit einer consessionSlosen ^Schule nicht zu kämpfen hat. In. SebeS-Kelenies hat sich eine isr. confessionelle Schule gebildet. In Tolsva hat sich die. isr. Schule aufgelöst, desgleichen liegt das Schulwesen in Tokaj darnieder? Der Aban Szüntüer und . Ujhelyer Schule wurde eine Unterstützung aus dem israel. Schulfond M Theil. *). . Die Homonaer israelitische Hauptschule, die nahe von 200 Schülern besucht.ist, darunter, eine Anzahl christlicher Confession, wurde zu einer Oclassigen Knaben- und Mädchenschule erweitert und Schreiber dieser Zeilen zur. Leitung dieser Anstalt berufen. Oberlehrer I. Rosenmeyex. Frankreich. Paris, im September. (Privatmitth.) Aus dem Monatsberichte der Alliance isr. univ. für September ist nichts Besonderes hervorzuheben. Den Hauptinhalt bilden die Schulnachrichten, und viele dieser sind von erfreulicher Natur. Gerade im fernsten Osten,, in Bagdad, blüht die Schule immer, mehr auf, und es könnten die Mittel um das Doppelte gebraucht werden, wenn dem anwachsenden Bedürfnisse volle Genüge geschehen sollte. Dem Monatshefte liegen diesmal „Instructionen zum Gebrauche der Comiles" bei. Diese letzteren werden als Local- und. Provinzial - Comiws unterschieden.. Zehn.. Mitglieder genügen zur Bildung eines Localcomitss. Eigenthümlich erscheint, uns §..,6, welcher bestimmt, daß Niemand länger als drei Jahre Präsident eines Localcomiws sein dürfe. Dieser Paragraph wird wohl nicht viel beachtet werden, denn der eifrigen und zu diesem Amte passenden Männer,giebt es nicht allzuviele.. Die Functionen der Comitss bestehen in der Sammlung von Mitgliedern und Geldern und in der Bertheilung der halbjährigen . Hefte. Nur heißt es fünftens: „sie haben aufmerksam der Arbeit des Centralcomitös zu folgen, indem sie das Monatsheft lesen; sie haben ferner dem Centralcomits Beobachtungen und Vorschläge zu machen, welche diese Lectüre oder jede andere Angelegenheit ihnen einflößen könnte, sei es im Interesse des Vereines, sei es zur Förderung des Werkes, für welches die Alliance gegründet worden.". Man muß gestehen, daß diese Grenzen für'die Thätigkeit des Comiws sehr eng abgesteckt sind, da denselben jedes eigene Vorgehen, wenigstens nach diesen Instructionen, versagt ist. Man konnte doch wohl mit Recht fordern, daß den Comiles in Nothfällen jedweder Art eine selbstständige Handlung gestattet sein müßte, so daß nur die Verpflichtung stattfände, dem Centralcomits alsbald darüber Bericht zu erstatten. Soviel Einsicht mußte man wenigstens den Provinzialcomitös zutrauen und dem Centralcomits blieb im äußersten Falle noch immer das Dementiren. Deßhalb ist es wohl auch gekommen, daß sich eine un- *) Es scheint also, daß die Blüthe des^ Schulwesens mit der oben geschilderten Blüthe des orthodoxen Rabbinats nicht gerade züsämmenfaltt. v - - 40

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