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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-29 · Heft 40 (29.9.1874) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 40 (29.9.1874)
Date
1874-09-29
Page
Seite 670 (sequence 4)
Language
German
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670 - rr*r**s^ - ,'H Pflichten Men mit allen übrigen Staatsbürgern, so auch die gleiche' Berechtigung mit denselben und mit dieser namentlich auch das Recht freier Niederlassung gebracht. Seitdem ist die Zahl der Israeliten, in Nürnberg auf etwa 2000 Seelengestiegen. Es war'daher sehr natürlich, daß sich'das Bedürfniß eines eigenen Gotteshauses für diese-zahlreiche Gemeinde bald gellend machte. So sahen wir also auch seit 1869' am Spitalplatz'an der Stelle des ehemaligen sogenannten Harsdorfer-Hofes, welchen die Gemeinde käuflich an sich brachte, ein prachtvolles Gebäude entstehendas als eine Zierdeder Stadt betrachtet werden kann; esiffc die neue Synagoge von Herrn Baurath Wolfs aus Stuttgart, welcher auch die dortige Synagoge erbaut hat, im maurischen Stil ausgeführt. Die Synagoge enthalt 546 nummerirte Männersitze und 389nummerirte Frauensitze. In Folge der durch die Zahl der vorhandenen Sitze auferlegten Beschränkung, und da zum Mindesten jedes männliche israelitische Gemeindeglied mit einem Platze versehen werden wollte, auf der andern Seite aber die bei dem Bau-betheiWen Personendann die hiesigen Civil- und Militärbehörden, auswärtige Rabbiner und die Vertreter wenigstens der größeren israelitischen Gemeinden Bayerns, dann die Vertreter der Presse mit Karten berücksichtigt werden mußten, ging es nicht an, allen Anmeldungen um Einlaßkarten gerecht zu werden;: doch war man bemüht, durch Anweisung von Stehplätzen möglichst Rath zu schaffen und. allem sich rechtzeitig meldenden Frauen Sitze zu verschaffen. Einige Notizen über die Mchitectonik der neuen Synagoge mögen insbesondere für auswärtige Leser von Interesse feilt; In der Mitte des inmaurischem Stile ansgeführten Prachtbaues erhebt sich eine weithin sichtbare große Kuppel an der Vorderseite des Gebäudes von zwei kleineren Kuppeln flankirt. Eine aus Sandstein gebaute Freitreppe führt zu einer Balustrade, welche zum Hauptportale geleitet, das auf mehreren mit plastischen Ornamenten verzierten Säulen ruht. Oberhalb des Portals befindet' sich eine von kunstgeübter Hand entworfene und in Stein ausgeführte Rosette. Beim Betreten des Innern ruht das Auge mit Bewunderung aus dem majestätischen, das Licht von oben einlaffenden mittleren Kuppelbau (die Seitenknppeln werdenim Innern nichts sichtbar). Das Deckengewölbe ruht auf Gurtbögendie-sich auf mächtige Pfeiler stützen, an welche sich gekoppelte Säulen anlehnen. Zierliche Säulen, an deren Knauf die reichste, in orientalischer Manier gehaltene Ornamentik beginnt, tragen denfür die Frauensitze bestimmten Empor. Im Gegensätze zu der,- die ganze Synagoge zierenden, buntfarbigen Ornamentik erscheint-der, die' „heilige Lade" umfassende, Theil des. Bauesin Weißmit' Gdldverzierung. Oberhalb der heiligen Lade befindet' sich eitte Rdsettederen buntfarbige- Glasereinmagisches Licht verbreiten; Der Gesammteindruck des ganzes Baues ist ein äußerst günstiger; trotz der reichendurchden - Stit bedingten Ornamentik ist' nirgends Ueberladung. Es waren zur Theilnahme an der Einweihung viele Einladungen erlassen worden, und zahlreiche Deputationen der könig» lichen und: städtischen: Behörden, an. der Spitze der Letzteren, Herr Bürgermeister Freiherr v. Stromer, wohnten dem feierlichen Acte bei. Die protestantische Geistlichkeit war durch Herrn-Pfarrer Seil er (im Ornat) und Herrn Pfarrer Bae r vertreten. Der katholische Stadlpfarrer, Herr geistlicher Rath Burger, ließ sich ausdrückliche durch seine schon länger andauernde Krankheit ent-, schuldigen. Auch eine Deputation des Officiercorps der Garnison mit Herrn Oberst von Michels war anwesend. Als Vertreter des Regierungspräsidenten von Mittelfranken, Herrn v. Feder, war Herr Regierungsrath v. Morett eingetroffen. Nachdem kurzvor 10 Uhr die Nebenthüren geschlossen worden waren, erschallten bald darauf die Klänge eines religiösen Festmarsches, welcher den Abgang des Zuges aus dem bisherigen Betsaal verkündeten. Nachdem hierauf an der Freitreppe der Synagoge gegen Westen die Uebergabe des Schlüssels durch Hrn. Baurath Wolfs an den Administrationsvorstand der Gemeinde und vondiesem an den: Herrn- Bürgermeister Stromer stattgefunden hatte, bewegte sich der Zügvoran die Eonfirmandinnen mit Palmenzweigen, die Confirmanden mit brennenden Kerzen in den Händen, hierauf die Rabbinen,. welche die Thorarollen trugen, dann Herr Banrath Wolfs als Erbauer der Synagoge mit den Bauführern und Werkmeistern, die Festgäste und schließlich die Mitglieder und Ersatzmänner der Verwaltung und die Baucommission, durch die geöffnete Hauptthüre in das Gotteshaus, begrüßt von dem Psalm: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn rc., welcher, wie überhaupt fämmtliche Gesänge von Mitgliedern des Oratorien- und Singvereins unter Leitung-des Herrn Direktors Emmerling ausgeführtwurde. Hieran reihte sich der Festgesang „Preis des Gotteshauses," die Benediction und derfeierliche Umzug unter dem Sologesänge des. mit einem herrlichen, klangvollen Baßbariton begabten Herrn. Obercantors Singer (Schüler des Prager Conservatoriums). Nachdem hierauf die Ceremonien des „Oeffnens der heil. Lade" und des „Anzündens des beständigen Lichtes" (Ner tamid) erfolgt waren, ging der Gesang des 84. Psalms: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Ewiger Zebaoth", der Weichepredigt voraus, welche der Rabbiner der hiesigen . Gemeinde, Herr Dr. Lev in, hielt. Das Hauptthema seiner Rede war. der Satz:. „Hat das Gotteshaus noch eine Berechtigung", oder: „Mit welchem Rechte baut ihr ein Gotteshaus?" Er ventilirte diese Frage in wahrhaft begeisterter, und poesievoller Weise, indem, er das Wesen des Materialismus .und Pessimismus charakterisirte, von welchen dieselbe gestellt werden möchtedie Lehre vom Dasein. Gottesder Ansicht, daß Alles aus dem Wirken und Schaffender-Natur hervorgehe .und zu erklären fei,, mit eben soviel, philosophischer Schärfe als Glaubenswärme gegenüberstellte und die alles-besiegende Macht der Gottesidee hervorhob. Nach der- Rede folgte das Weihegebet, in welchem. nächst dem Herrscher.

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