Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1874)
- Date
- 1874-09-22
- Page
- Seite 660 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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vorzugsweise ihren Ordensbrüdern zu. Man sieht also nicht im geringsten ab, inwiefern die Freidenker als Freimaurer nicht gerade ebenso eine gesonderte Gemeinde bilden wie die Neligionsgemeinden, und so lange sie ihre Geheimnißkrämerei, ihren symbolischen Hokuspokus, ihre hierarchischen Abstufungen mit Groß- . I e u i f Eintze Lebenserfahrungen. II. Einige Tage später finden wir an dem beschriebenen Platze dieselbe Gesellschaft versammelt, wenn auch nicht ganz aus denselben Personen bestehend. Der zu Ende gehende Tag hatte ein arges Unwetter gebracht. Schon in den Frühstunden waren am südlichen Horizonte bleigraue Wolken heraufgestiegen, die sich nach und nach auf einander ihürmten, allmälig den halben Himmel überzogen, sich verdichteten, die Sonne verdeckten, und ihre Ausläufer immer weiter vorstreckten. Dabei fand eine erdrückende Schwüle statt, Menschen und Thiere fühlten sich wie gelähmt, die Pflanzen standen regungslos und senkten Krone und Laub; unruhig und fast lautlos flogen die Vögel umher und suchten ihre Nester auf. Plötzlich gerieth die Luft in Bewegung; ein starker Luftstrom kam von Süden her, und nun brach das Unwetter mit einer ungewöhnlichen Kraft los. Der Sturm raste über die Erde, der Donner rollte unaufhörlich , das Tageslicht verfinsterte sich, und die Blitze durchzuckten ohne Unterlaß das Dunkel. Vom Sturm und Donner erzitterten die Häuser, klirrten die Fenster, rollte und polterte es überall hin; in den Gärten krachte es, die Aeste der Bäume schlugen aneinander, und mancher stattliche Stamm wurde gebrochen. Dann legte sich der Stürm etwas, und wie ein Wolkenbruch rauschte es hernieder, und Hagelschlag mischte sich in den strömenden Regen. Es war eine bange Stunde, deren Schrecken und wilder Majestät sich auch das muthigste Herz nicht ganz entziehen konnte. Da das Gewitter gerade über die Stadt hinzog, war die Befürchtung eines Einschlages nicht unberechtigt. Ein Blitzstrahl zündete in der Vorstadt, ohne jedoch ein Menschenleben zu gefährden. Feuerlärm erhob sich mitten im Unwetter und füllte, wegen des Sturmes die Herzen der Bewohner mit großer Angst. Glücklicherweise konnte die Flamme bald erstickt werden. Jetzt war aber auch die Gewalt des Unwetters gebrochen. Der Sturm hatte sich gelegt, die Donner verhallten, der Regen rauschte linder nieder und hörte dann auf. Einige Stunden später drang die Sonne siegreich durch'das Gewölk, der Himmel klärte sich, die Feuchtigkeitverdunstete aus dem Boden, und der Abend war einer der lauesten und erfrischendsten des Sommers. Nach-überstandener'Gefahr fühlt sichder Mensch um so behaglicher, weniger laut und übermüthig in seiner Lust, aber befriedigt und stark in seinem Bewußtseim . Nach der gegenseitigen Begrüßung war es natürlich/ , daß meister, Meister vom Stuhle ü. si w. beibehalten, ist es eine^ bloße Spiegelfechterei/ wenn sie den Religionsgenossenschaften die' Menschen spaltenden Absonderungsgelüste zum Vorwurfe machen und von ihnen die Abstreifung jeder Eigenthümlichkeit verlangen. f e t o n. man sich einander die Erlebnisse des Tage, und auf welche Weise man die Schreckensstunden bestanden, erzählte. Es waren mitten in dem Ernst, ja der Furchtbarkeit des Kampfes der Elemente auch drollige Scenen vorgekommen, die vielleicht nicht im Augenblicke, aber nachher das Lachen der Anderen hervorriefen: Man weiß jetzt, daß die Angst während eines Gewitters keine bloße Seelenschwäche ist, sondern vielfach von der Nervenstimmung des Individuums und dem Einfluß der elektrischen Spannung abhängt. Dies hinderte aber nicht, sich über die komischen Aeußerungen übertriebener Furcht hinterdrein lustig zu Machen. Auch waren bei dieser und jener Person abergläubische, halbvergessene Ceremonien, welche dem Unwetter seine gefährlichen Wirkungen nehmen sollten, zum Vorschein gekommen, und wurden jetzt verspottet. Selbst aufgeklärte Personen werden in den Stunden der Beängstigung in die Arme des Aberglaubens zurückgeworfen, da ihnen die Seelenzerrüttung die Klarheit des Verstandes entzieht. Das fruchtbare Thema war endlich doch erschöpft. Da begann Leo : „Nun, verehrte Tante, bist Du uns etwas schuldig. Deine Neigung, Naturerscheinungen mit den Vorgängen des Menschenlebens in Vergleich zu ziehen, hat Dich gewiß eine Beobachtung, machen lassen, die Du uns nicht vorenthalten darfst. Und das heutige Erlebniß war zu großartig, als daß es nicht einen tiefen Eindruck auf Deine empsindungsreiche Seele hätte machen sollen." Die Tante blickte lächelnd auf den Sprecher und sagte: „Ich weiß nicht, ob Du Ernst oder Scherz mit Deiner Bemerkung verbindest; aber es sei doch so. Wem sollte auch nicht, wenn er auf den heutigen Tag zurückblickt, und nun, diese Ruhe und Lieblichkeit, diesen hehren Frieden in der abendlichen Natur gewahrt, der Gedanke in die Seele kommen: so ist es auch mit dem Leben der Menschen.. Früh und auch im. Mittag des Lebens kommt der Sturm der Leidenschaften über sie, und. das. Unwetter des Geschickes begleitet ihn; gewaltige.Kämpfe um und in sich haben sie zu bestehen; aber gen Abend, beruhigt, und klärt es sich, die Gefahren sind, bestanden, die Folgen, zeigen sich .nicht, so ernster Art, wie man. fürchtete— wie denn all' die heutiger^ Schrecken nur einige Dachziegel, einige.Stämme und. Aeste nebst einer Masse halbreifer Früchte uno die schnellerstickte Feuersgefahr gekostet haben — Ruhe und Besonnenheit kehren -bei dem Geiste des Greises ein, und der Friede umlächelt ihn, bevor er noch sein! Haupt, zum Schlummer gesenkt hat 5 - Die Worte der/würdigen Damemachten Eindruck/ Doch