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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-22 · Heft 39 (22.9.1874) · p. Seite 659

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 39 (22.9.1874)
Date
1874-09-22
Page
Seite 659 (sequence 9)
Language
German
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lösche und dieser oft. am meisten,, scheut öffentliche, Beschuldigungen, die, wenn auch ausder Luft gegriffen , doch die Verteidigung uothwendig machen, und immerhin, etwas Glauben finden, welchen seine Gegner, und wer hat solche nicht?, eifrig verbreiten und immer wieder auftischen. An irgend eine unparteiische Würdigung, an irgend gerechte und sachgemäße Urtheile ist in dieser Presse nicht zu denken, und wen sie einmal als ihren Gegner betrachtet — oft hat er nicht einmal eine Ahnung davon — den verfolgt sie unablässig und in. Mem was er schafft. Ja, es finden sich, dann sogar immer selbst bedeutende und wohlwollende Männer, die eine solche Presse unterstützen, um sich vor ihr zu schützen, freilich ohne zu bedenken, welchen Schaden sie sich durch solche Genossenschaft anderweitig bereiten. Daß auch jüd. Zeitschriften an diesem traurigen Zustande ihren Antheil haben, auch hierfür könnte ich eclatänte-Beispiele anführen. So, um nur eines zu erwähnen, kam, als der ungarisch-jüdische Congreß eröffnet ward, ein gewischer jüdischer Redacteur nach Pest und verlangte mehrere Tausend Gulden, wenn er den Congreß nicht mit Keulenschlägen tractiren sollte. Ich habe dies aus dem Munde eines der bedeutendsten und bewährtesten Mitglieder des Congreffes. Daß eine solche Presse die Gewissenhaftigkeit des Volkes nicht erhöht, daß sie schließlich dem gedruckten Worte jedes Vertrauen entzieht und sich endlich doch selbst die Grube gräbt, ist gewiß. Aber sie hat doch zuvor Unheil in vollem Maße verbreitet, und das Laster der hämischen Verleumdungssucht, des Begeifernd alles Guten und Wahren, der Verhöhnung jedes idealen Strebens so. allgemein gemacht, daß die Verödung und der Zusammensturz nicht aufsallen kann. Italien. Rom, 20. August. (Arch. isr.) Zu Rom hat jüngst die Wahl des Gemeinderathes stattgefunden, und Herr Ritter Samuel Alatri, der seit 1870, bis er seine Demission gegeben, Mitglied gewesen, ist mit großer Majorität wiedergewählt worden. Nachdem die Wahl durch den Präfecten wegen einer Unregelmäßigkeit annullirt worden, ist er bei einem zweiten Skrutinium wiedergewahlt, und dies Mal fehlte nur eine einzige Stimme und er wäre der erste Beisitzende, d. h. der proviforifche Maire der Stadt geworden, bis das Gouvernement einen Nachfolger für Herrn Pianiani, den alten Maire, gefunden. Es fehlte also nur eine einzige Stimme und wir hätten einen Israeliten an der Spitze rer Gemeindeverwaltung in der Hauptstadt von Italien gesehen, von diesem Rom, in dem wir noch vor vier Jahren aller bürgerlichen und politischen Rechte beraubt waren. Kann man schneller voranschreiten - . Belgien. Brüssel, 9. Sept. (Privatmitth). Der jüngst in Ihrem Blatte veröffentlichte Leitartikel über die Symbole anderer Religionen und über das eigentliche Motiv für die gesonderten jüdischeu Friedhöfe hat hier, wo die Frage einen ernsten Charakter angenommen, vielen Anklang gefunden. Man muß den Muth seiner Ueberzeuguug haben. Sich immer wieder auf alte Satzungen berufen und auf sie lebendige Institutionen Pützen zu wollen, reicht für unsere Zeit nicht mehr aus. Die inneren Gründe, hier die Familien- und stammverwandtschaftliche Pietät, müssen unumwunden ausgesprochen und betont werden. Das Geschrei der Freidenker (libres - pcnscurs) darf nicht gescheut werden. Haben sich die Liberalen ganz in die Gewalt dieser Radikalen gegeben, desto schlimmer für sie. Es ist aber Zeit, denselben zu zeigen, daß es außerhalb des Ultramontanismus und des Radikalismus auch noch, etwas giebt, was Leben und Energie besitzt und sich nicht unterdrücken lassen will. Diese belgischen Freidenker werden nun, wenn ihnen dieses in den Bekennern des Iudenthums noch obwaltende Moment bewußt wird, einen lauten Ruf über Absonderungsgelttste, über veraltete Spaltungen der Menschheit, über pfäffische List, welche der Gesellschaft gefährlich seien u. dgl., erheben; und sie verstehen dies sehr nachdrücklich und schwachen Geistern einleuchtend zu machen. Aber haben sie hierzu das geringste Recht? Ich will hier die Gründe, die in jenem Leitartikel geltend gemacht worden sind, nicht wiederholen, sondern den Gegnern geradezu auf den Leib rücken. Die librespeuseurs in Belgien sind gleichbedeutend mit den Freimaurern. Wer zu jenen gehören will, , muß bei diesen eintreten. Nun will ich den Freimaurerndurchaus nichts Uebles Nachreden. Aber fragen muß ich die Herren doch, ob sie hiermit nicht ganz dasselbe thun, was sie ihren Gegnern, was sie allen denen, die sich ihnen anschließen, vorwerfen? Auch die Freimaurer bilden eine gesonderte und wohlgegliederte Classe der Bevölkerung; auch sie haben eine Hierarchie; auch sie verpflichten die unteren Grade zum Gehorsam gegen die oberen; sie haben ihre Bekemttnißformeln, ihren symbolischen Gottesdienst, ihre eigenthümlichen Acte und Vornahmen, und — was doch bei den religiösen Körperschaften nicht der' Fall ist, alles dies ist bei den Freimaurern in das Dunkel des Geheimnisses gehüllt, und der Eintretende muß die heiligsten Schwüre leisten, nichts zu verrathen. Gesetzt, ein solches Verfahren fände bei irgend einer Kirche, Synagoge oder Moschee statt, welchen Lärm würden die librss-penseurs darüber schlagen! Alles also, was sie den Religionsgenoffenschaften immer pnd immer entgegen Hallen, findet auf sie selbst Anwendung. Sie dürfen nicht dagegen einreden, daß Christ, Jude oder Türke in ihren Orden eintreten könne. Dies ist auch bei allen Religionen der Fall, Niemand, der sich zu ihnen bekehren will, wird abgewiesen; und wenn bei dem Uebertritt zu einer Religion, das Bekennlniß der früheren abgeleugnet wird, so geschieht dies in; Geiste auch beim Eintritt in die Freimaurerei. M allgemeine Menschenliebe ist als Lehrsatz von allen Religionen anerkannt und es kommt nur darauf an, in wiefern der Einzelne-diesen Lehrsatz verwirklicht. Die Freimaurer wenden' ihre Unterstützungen

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